Horsemanship mal definiert

Horsemanship steht für einen gefühlvollen Umgang mit dem Pferd, am Boden und im Sattel. Dieser orientiert sich an den mentalen und körperlichen Fähigkeiten des Pferdes, das ganz alleine angibt, wie schnell seine Lernschritte verlaufen.

Ein Ausbilder, der nach einem System arbeitet, das wie eine Schablone jede Persönlichkeit in die gleiche Form presst, orientiert sich meines Erachtens nicht an den Wertevorsttellungen eines Horsemans - im Sinne von Horsemanship. Denn genau das ist es, was einen Horsemanship-Ausbilder von anderen unterscheidet:
Er erhält und fördert die individuelle Persönlichkeit eines jeden Pferdes - der 'Spirit' des Pferdes wird nicht gebrochen, sondern gepflegt, die besten Charaktereigenschaften eines jeden Pferdes werden bestärkt. Angelegte Ohren, Schweifschlagen, Zähneknirschen... all dies sind Symptome dafür, dass Pferde unter Stress stehen, mißverstanden werden in ihren Bedürfnissen und Instinkten.

Da das Pferd bestimmt, wie lange es dazu benötigt, etwas zu verstehen, ist wirkliches Horsmanship oft nicht in der Turnierwelt zu finden. Denn Pferde innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens an die Wünsche und Forderungen der Kunden oder Richter anzupassen, läuft oft gegen die eigene innere Lernuhr des Vierbeiners.
Dennoch schließt das eine das andere nicht aus: der Ausdruck in Pferd und Reiter sind dabei der ausschlaggebender Beweis. Man braucht nur gut hinzuschauen.

Horsmanship bedeutet für jeden etwas anderes. Für mich und andere Freunde, die das Rancher-Familien in Oregon, Californien oder Idaho ganz privat erleben durften, ist Horsemanship aber etwas viel Umfassenderes, als nur das bloße Reiten: Der Umgang innerhalb der Familie, mit den Katzen, Hühner, miteinander in schwierigen Situationen... die Höflichkeit, Offenheit, die Diskretion, der Spaß und der innere Wunsch im Einklank mit sich und seiner Umgebung zu sein. Die Selbstverständlichkeit, mit der so der Alltag auf diesen Ranches gelebt wird ist äußerst beeindruckend und für den europäischen Städter eine andere Welt. Zugleich ist es oft eine so einfache Lebensform.
Das Fundament für so ein Leben beruht aber auf der Geschichte eines ganzen Landes. Die Kinder auf den Ranches müssen von klein auf mitarbeiten, sie haben ihre Aufgaben, die Winter sind hart, Jobs sind zu erledigen. Am Frühstück wird gebetet. Es ist ein anderes Land mit oft sehr christlichen Hintergründen.

Wir aber leben in Deutschland. Die Reiterei ist hier anders gewachsen, nicht aus dem Alltag auf der Ranch heraus. Ganz wenige von uns sind mit Pferden groß geworden. Andere Länder andere Historie andere Bräuche. Man kann also nicht verlangen, dass alle deutschen Horsemen so sind, wie die in den Staaten - denn wer in Bottrop aufgewachsen ist und erst mit 16 Jahren das Reiten gelernt hat, kann nicht von den gleichen Erfahrungen profitieren, wie der alte Horseman in Idaho. Seine sind anders.

Dennoch, das Herz beider kann für das gleiche schlagen: für die Pferde und die Weiterentwickung. Und das ist wichtig. Ein solides Handwerk sollte die Passion allerdings immer begleiten.

 


Foto:
Stenlund I Text: R. Schneider

Neben der am Pferd orientierten
Ausbildung des Pferdes steht auch eine
artgerechte Haltung und die
Gesunderhaltung des Pferdes für
gutes Horsemanship.

Für den Reiter ist das bewusste Wahrnehmen eigener Bewegungsabläufe, Fitness oder Kommunikationsfähigkeit ausschlaggebend,
um sich weiter mit den Pferden zu entwicklen.

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Ausbildung, Gesundheit und Kommunikation