|
Locker
und rund galoppiert die braune Polish Princess unter Verena Böckle
über die Wiese. Einhändig in Kandare und am losen Zügel
springt die erfahrene Turnierstute ihre Wechsel, stoppt mit tief untergesetzter
Hinterhand. Trotz der aufgeregt rennenden Pferde auf der angrenzenden
Weide bleibt sie „cool“. So cool eben, wie ein richtiges
Westernpferd.
„Princess“, eine Stute aus Azjaa und Goa von Almifar, begann
ihre Turnierkarriere in Amerika. Auf dem weltweit größten
Western-Event für Araber in Scottsdale, Arizona, wurde sie Champion
in der Open Reining. Unter Cristina Böckle des Claashofes in Leverkusen
holte sich die Aladdin-Enkelin dann in Deutschland zahlreiche Meister-Titel.
Freizeit
oder Turnier – aufs Fundament kommt’s an
„Wer ein Pferd fürs Turnier sucht muss bei der Auswahl des
Sportfreundes auf seine körperlichen Voraussetzungen achten“,
erklärt Westernreiterin Cristina Böckle. „Für ein
durchschnittliches Showpferd, das Prüfungen wie Trail, Western
Riding oder Pleasure auf Turnieren der Ersten Westernreiter Union Deutschland
(EWU) gehen soll, eignet sich so ziemlich jeder rittige Arabertyp. Das
individuelle Pferd muss natürlich dementsprechend gefördert
werden, mental und körperlich gesund sein“.
Böckle, die mit neun Jahren ihr erstes Turnier ritt und von dem
amerikanischen Trainer Larry Russel gefördert wurde, weiß
aber auch, dass für den hohen Sport, nur bestimmte Pferde geeignet
sind: „Ein Pferd, das zum Beispiel in Reining-Klassen der National
Reining Horse Association (NRHA) erfolgreich sein soll braucht eine
schräge Kruppe, um gut untersetzen zu können, kurze Röhrbeine,
um die Drehungen schnell genug umsetzten zu können und eine gute,
kurze Oberlinie für schnelle Wendungen und Zirkel. So ein Araber
ist aber nicht an jeder Ecke zu finden - vor allem nicht auf Show-Veranstaltungen
- da muss man schon ein wenig suchen“. Die Stute Polish Princess
ist so ein Pferd.
Cooles
Westernpferd, cooler Araber?
Das Gerücht, dass Araber viel hektischer und nerviger sind als
Quarter Horses kann Böckle nicht unterschreiben: „Es kommt
ganz individuell auf das Nervenkostüm und den Charakter des jeweiligen
Pferdes an. Hektisch können sie alle sein, die Ausbildung ist dabei
ausschlaggebend. Araber sind häufig charakterstärker, sie
benötigen ein bisschen mehr Zeit in der Ausbildung, da sie nicht
soviel Druck vertragen wie manch andere Rassen. Das Wichtigste ist aber,
dass die Pferde 'klar im Kopf’ sind.“ Böckle legt viel
Wert auf eine solide Grundausbildung: Bodenarbeit wie Schrecktraining,
Stangenarbeit, Longen- und Führtraining ist für sie genauso
wichtig wie gymnastizierende Übungen unterm Sattel. „Der
Araber ist sehr lernwillig und kooperativ. In einfühlsamen Händen
kann er ein äußerst zuverlässiger Freizeit- oder Turnierpartner
sein“, erklärt die Leverkusenerin. „Im Vergleich zum
Quarter Horse ist der Araber personenbezogener. Er ist grundsätzlich
bereit dazu, für seinen Menschen Höchstleistungen zu erbringen.
Unter einem anderen Reiter erbringt er diese aber vielleicht nicht annähernd.
Wenn man sich die nötige Zeit nimmt, auf das Tier einzugehen, ist
dies aber kein Problem. Ungerechtigkeiten oder zu harte Korrekturen
verzeiht der Araber aber nur schwer - eine Eigenschaft, die diese Rasse
ausmacht.“
Westernaraber
– auf welchen Turnieren sie starten dürfen
Turniere der EWU sind rasseoffen. Hier dürfen Araber in allen angebotenen
Prüfungen, wie zum Beispiel Pleasure, Trail, Western Riding oder
Reining, starten. Auch auf Turnieren der rasseoffenen Verbände
NRHA oder National Cutting Horse Association (NCHA) können die
Wüstenpferde punkten. Auf dem jährlichen Westernturnier, der
Araber Trophy Germany, die vom 30. bis 31. Juli stattfindet, dürfen
nur Vollblutaraber, Shagya-Araber, Angloaraber und Partbreds (50 Prozent
Araberanteil) teilnehmen, die eine Zuchtbescheinigung eines anerkannten
Zuchtverbandes haben. „Im Vergleich zu den Araber-Veranstaltungen
in Amerika jedoch, steckt hier alles noch in den Kinderschuhen“,
fügt Ute Böckle, Züchterin und Inhaberin des Claashofes
hinzu. „Während drüben eine große Szene mit viel
Geld den Western gerittenen Araber unterstützt, sind hier nur vereinzelt
Araber auf größeren Turnieren zu sehen. Doch das kann sich
ja noch ändern. In den USA wurde diese Szene ja auch schon Anfang
der 60 er Jahre etabliert und gefördert. Sie sind uns also nur
einige Jahre voraus.“
Western-Disziplinen
Reining
Die Königsdisziplin im Westernreiten, von der Internationalen Reiterlichen
Vereinigung (FEI) als siebte reiterliche Wettkampf-Disziplin anerkannt,
besteht aus folgenden Manövern: Schnell und langsam galoppierten
großen und kleinen Zirkeln, fliegenden Galoppwechseln, Sliding
Stops (Anhalten aus vollem Galopp), fleißigem Rückwärtsrichten
(Backup), rasanten 180-Grad-Wendungen (Rollbacks) und schnellen 360-Grad-Drehungen
(Spins).
Cutting
In dieser Prüfung müssen Reiter und Pferd ein einzelnes Rind
von der Herde trennen. Das Pferd arbeitet dabei selbständig, Zügelhilfen
dürfen nicht gegeben werden. Für diese Disziplin benötigen
Pferde den so genannten 'Cow Sense’, das Gespür dafür,
das Rind zu 'lesen’. Auch Araber haben diesen Instinkt. Nach Tennis
und Golf ist Cutting die weltweit am dritthöchsten dotierte Sportart.
Trail
In dieser Gehorsams- und Geschicklichkeitsprüfung überwinden
Reiter und Pferd simulierte Geländeschwierigkeiten wie Tor, Brücke,
Bodenstangen oder Wippe. Stil und Manier wird bewertet.
Western Pleasure
Schritt, Trab und Galopp am losen Zügel mit minimaler Hilfengebung
- das Pferd soll durchlässig, leicht versammelt in natürlicher
Selbsthaltung laufen. Bewertet werden Gangarten und Exterieur.
Western Riding
Neben der Ausführung von zahlreichen fliegenden Galoppwechseln
auf Slalom-Linien werden Wendigkeit, Qualität der Gänge, Rittigkeit
und Durchlässigkeit beurteilt.
Weitere Disziplinen
Western Horsemanship, Barrel Race (Tonnenrennen), Pole Bending (Stangenrennen),
Working Cow Horse (Reining mit Rind), Team Penning (Rinder treiben im
Team), Superhorse.
Text
& Fotos: Rika Schneider
I Horses In Media
|
|

Verena
und Christina Böckle

Infos:
Der Claashof
I Familie Böckle, Zum Claashäuschen 37-39
I 51379 Leverkusen
I Tel. 02171/33122
I Mobil 0173/852160
I derclaashof@t-online.de
|
Einige
Informationsquellen zum Westernreiten mit Arabern
•
EWU Erste Westernreiter Union Deutschland e.V., rasseoffene Turniere,
T. 02581/785076, www.ewu-bund.de
• NRHA Germany, National Reining Horse Association Deutschland,
rasseoffene Reining-Turniere, Tel. 09373/7100,
www.nrha.de
• NSBA National Snaffle Bit Association Germany e.V., rasseoffene
Pleasure-Prüfungen, Tel. 06105/717591,
www.arha.net
• NCHA Germany, National Cutting Horse Association Deutschland,
rasseoffene Cutting-Prüfungen, Tel. 0821/4868126,
www.ncha.de
• ARHA Arabian Reining Horse Association, Reining Verband für
Araber, USA, www.arha.net
• IAHA Arabian Horse Association USA, Araber Verband USA,
www.IAHA.com
• VZAP Verband der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes,
Ansprechpartner Western M. Tegeler, Tel. 02599/925366, www.araberzuchtverband.de
• ZSAA Zuchtverband für
Shagya-Araber, Anglo-Araber und Araber, www.zsaa.de
• Scottsdale Arabian Horse Show: Seit 50 Jahren das größte
jährliche Araber-Spektakel in Amerika mit über 2,000 arabischen
und halb-arabischen Pferden in 420 Prüfungen. www.scottsdaleshow.com
• Renommiertes Western Vollblutaraber-Gestüt in den USA,
www.eleanorsarabianfarm.com
|