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Ziel:
Sollte es ein junges oder ein sehr schwieriges Pferd sein, wählen Sie auch die Umgebung und den Untergrund, wo es verladen werden soll, sehr sorgfältig aus. Da empfiehlt sich für die ersten Male die Reithalle oder ein Reitplatz, wo der Boden sehr weich und griffig ist. Kies, Schotter oder Gras sind hingegen sehr rutschig. Ein Knotenhalfter eignet sich zwar sehr gut für das Verladetraining, aber nicht zum Fahren selbst. Wenn unser Pferd seine Aufgabe kennt, kann ich das Halfter wechseln, um es im Hänger eventuell anzubinden. Ganz besonders wichtig: Nehmen Sie sich Zeit, ganz viel Zeit. Wenn Sie um 16 Uhr anfangen wollen mit dem Üben und Sie haben schon um 18 Uhr einen Termin – verschieben Sie das Training auf einen anderen Tag. Zeitdruck ist der schlechteste Lehrer! Im Übrigen macht es auch gar nichts, wenn Ihr Pferd beim ersten Mal noch nicht in den Hänger geht. Häufig hört man in Pferdekreisen diesen Spruch: »Der Gaul muss jetzt rein, sonst hat er gewonnen!« Gewinnen und verlieren gibt es nur in einem Kampf. Vermeiden Sie aber einen Kampf mit Ihrem Pferd, da Sie immer der Verlierer sein werden. Und lassen Sie sich nicht von noch so gut gemeinten Ratschlägen von Ihrer Überzeugung abbringen. Ihr Ziel ist es, ein verladefreudiges Pferd zu bekommen, und nicht eines, das nur noch mit größten Mühen – wenn überhaupt – in einen Hänger zu bringen ist. Wichtig ist zunächst nur, dass Ihr Pferd sich am und um den Hänger herum wohl fühlt und Sie es nicht mit einem schlechten Eindruck zurück in seinen Stall bringen müssen. Unsere erste Übung vor dem eigentlichen Verladen ist das Aufzirkeln (Buch S. 24). Ich möchte, dass das Pferd zuerst einmal aufmerksam gegenüber meinen Hilfen am Führstrick wird. Ich lasse es rechts- und linksherum laufen, mache ein paar Bodenarbeitsübungen und lenke die Konzentration des Pferdes auf mich und meine Hilfen. Wenn das erfolgt ist, bringe ich das Pferd an den Hänger und lasse es diesen angucken. Es spielt auch wieder keine Rolle, ob es jetzt von hinten reinschaut oder von der Seite. Vielleicht ist es auch noch nicht soweit, dass es schon ganz nah an die Rampe gehen will – macht nichts. Ich setze mich dabei auf die Rampe und lasse meinem Pferd gerne ein paar Minuten, um alles in Ruhe anzuschauen. Manche Pferde schauen dann in die Gegend, das macht auch nichts, denn sie sollen sich am Hänger wohl fühlen. Bei
nervösen Pferden sitze ich auch schon mal 15 Minuten auf der Rampe.
Atmen Sie dann tief und kräftig durch, glauben Sie mir,
es hilft! Pferde reagieren unglaublich auf Spannungen, und wenn schon
der Herdenführer nervös und verspannt ist – na, was
soll dann draus werden. Übrigens kann ich dazu die Rescue-Tropfen
aus der Bachblütentherapie empfehlen. Haben Sie ein besonders nervöses
Pferd, so geben Sie ihm diese Notfalltropfen. Eventuell sollten Sie
auch gleich ein paar Tropfen mit einnehmen – schaden tut es nicht!
Meine Erfahrung ist, dass ein Großteil der Verladeprobleme vom
Besitzer – oder der entsprechenden Person – ausgelöst
wird und nicht vom Pferd.
Nachdem
mein Pferd den Anhänger ausgiebig angeschaut und beschnuppert hat,
gehen wir etwa fünf bis zehn Meter weg davon. Jetzt gebe ich meinem
Pferd Arbeit: Ich longiere es, mache Bodenarbeit, arbeite mit dem Fähnchenstock,
wechsle auch oft die Richtung dabei, usw. Es soll dabei ruhig ein wenig
unter Stress kommen. Dann gehe ich wieder Richtung Rampe und mache dort
gewissermaßen Pause. Ganz besondere Vorsicht ist in dieser Phase des Verladens geboten, wenn das Pferd vorbeiläuft oder zurückspringt. Unfälle hat es erfahrungsgemäß immer dann gegeben, wenn der Mensch sich eingemischt hat. Ein Pferd hat immer einen Fluchtweg im Sinn. Wenn es flüchten will, dann lasse ich es. Wenn unser Pferd ein Bein vom Hänger setzt, dann weiß es auch wohin, denn es hat schon sein Ziel im Kopf. Probleme tauchen in der Regel immer dann auf, wenn Menschen versuchen, das Pferd an dieser Flucht zu hindern. Zieht beispielsweise ein Mensch am Halfter, dann verändert er den bereits eingeplanten Fluchtweg und das Pferd tritt daneben, womöglich an eine scharfe Kante und schon haben wir eine üble Verletzung. Mit der Zeit wird die Gasse immer kleiner. Sollte mein Pferd versuchen mich anzurempeln, werde ich wie in der Bodenarbeit das Auge fixieren und meinem Pferd mitteilen, dass es Abstand halten soll. Die Rangordnung in unserer Herde muss klar sein. An der Rampe wird etwas Pause gemacht, und dann werde ich den Druck erhöhen, um einen Schritt von meinem Pferd auf die Rampe zu bekommen. Sobald dieser Schritt kommt, lasse ich den Druck wieder nach. Diese Reihenfolge ist enorm wichtig. Druck aufbauen, kleiner Schritt vorwärts, Druck nachlassen, usw. Je eher der Druck aufhört, umso schneller und leichter wird sich das Pferd das nächste Mal bewegen. Es muss sich nicht unbedingt in den Anhänger bewegen, es reicht der kleine Schritt vorwärts, es zählt die Idee. Wenn
ich allerdings das Gefühl habe, mein Pferd langweilt sich,
die Aufmerksamkeit lässt nach, dann gehe ich weg vom Hänger
und fange wieder von vorne an. Etwa einen Meter von der Rampe entfernt
werde ich das Pferd aufzirkeln, eine Gasse bilden und verlange einen
Schritt, noch einen Schritt, usw. Sie werden es sicherlich schon bemerkt
haben: Das Ganze ist ein unglaubliches Geduldsspiel und ein genaues
Abstimmen von Zeit und Gefühl. Aber es lohnt sich. Mein Pferd wird
mit einem Minimum an Druck in den Hänger gehen. Aber das ist nur
die halbe Miete!
Es wäre jetzt ganz verkehrt, hastig hinten die Absperrstange anzubringen, die Klappe zuzumachen und loszufahren. Ich möchte nämlich mein Pferd nicht in dieser »Schachtel« einsperren, sondern ich möchte ihm erklären, dass es in diesen Hänger hineingeht, herausgeht, hineingeht und wieder herausgeht, weil ich es will. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Wenn mein Pferd ein paar Mal hinein- und herausgegangen ist, stelle ich mich zu meinem Pferd in den Hänger und mache ihm klar, dass man sich sehr gut dort bewegen kann, dass es Platz für seine Beine hat, dass es sich ausbalancieren kann und dass es sich wohl fühlen kann. Dazu gehe ich vorne an das Halfter, nehme – wie bei der Bodenarbeit – den Strick unterhalb des Halfters und baue ein wenig Druck auf, um mein Pferd zu veranlassen, einen Schritt rückwärts zu gehen. Bevor dieser Schritt stattgefunden hat, gebe ich schon wieder einen leichten Druck am Halfter in die andere Richtung, und das Pferd wird einen Schritt vorwärts gehen. Wichtig ist wirklich: ein leichter Druck von ein paar Gramm, nicht ziehen! Sicherlich wird es jetzt ein paar Pferde geben, die auf Grund dieses Drucks nach hinten aus dem Hänger schießen werden. Ich werde jetzt auf gar keinen Fall versuchen, am Halfter oder am Strick zu ziehen, um mein Pferd aufzuhalten. Mein Pferd soll wissen, es kann raus, wenn es will! Wenn sich Menschen die Finger am Strick verbrennen, weil sie das probiert haben, so geschieht ihnen Recht. Es ist unmöglich, ein Pferd mit seinem enormen Gewicht von diesem Vorhaben abzuhalten. Steht mein Pferd draußen, werde ich dort diesen Druck am Halfter wieder aufbauen und mein Pferd macht wieder einen Schritt vorwärts bzw. geht wieder in den Hänger. Dort beginne ich wieder von vorne. Nach dem vierten, fünften oder sechsten Mal wird es klappen. Dann verlange ich zwei Schritte rückwärts, zwei Schritte vorwärts, drei Schritte rückwärts, drei Schritte rückwärts. Ich lade das Pferd viertel oder halb aus dem Hänger, lasse es wieder vorwärts gehen, usw. Ich
lade mein Pferd auch wieder ganz aus, lade es wieder ein. Das
Pferd merkt schnell: Immer wenn ein kleiner Druck nach hinten weist,
muss ich einen Schritt rückwärts machen. Der Druck sollte
eher einem leichten Gefühl gleichen und nicht als DRUCK empfunden
werden. Weist der Druck nach vorn, geht das Pferd einen Schritt vorwärts,
alles ohne zu ziehen. Nur dann erreiche ich eine leichte und weiche
Aktion. Wenn mein Pferd so weit ist, kann ich meine Hilfen sogar noch
weiter minimieren. Ich lasse mein Pferd zwei Schritte rückwärts
treten, fasse das Halfter nicht mehr an, sondern weise auf die Kruppe,
schnalze mit der Zunge, und mein Pferd geht nach vorne wie von einem
Gummiband gezogen.
Es empfiehlt sich, vorne einen Heusack hineinzuhängen. Das Pferd darf sich in den Pausen ohne Weiteres eine kleine Zwischenmahlzeit leisten, denn es soll sich ja im Hänger wohl fühlen. Von Karotten, Kraftfutter oder Leckerlis halte ich dagegen überhaupt nichts. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Pferde nur schnell in den Hänger springen, sich ihre Belohnung abholen und genauso schnell auch wieder herausspringen. Die Aufmerksamkeit ist nur dem Leckerli gewidmet und nicht der eigentlichen Aufgabe. Eine andere Möglichkeit, ein Pferd an einen Hänger zu gewöhnen, ist es, diesen auf die Koppel zu stellen und das Pferd dort zu füttern. Selbstverständlich muss der Hänger gut gesichert sein, dass er nicht umkippen oder sich anderweitig bewegen kann. Die Zwischenwand sollte man dazu herausnehmen, und bald wird der Hänger ein Teil des üblichen Geschehens sein. Allerdings muss man dann einkalkulieren, dass das gute Stück arg ramponiert wiederkommt, denn Pferde spielen auch recht gerne. Wichtig!
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