Bernd Hackl: Schreck lass nach! Planenarbeit zur Beruhigung.

Jeder Ausritt wird für Nabucco zum Drama, vor Planen, Pfützen oder angesägte Baumstämme scheut er zurück. Nicht nur Freizeitpferde - wie in diesem Fall der Schimmel - profitieren von konsequenter Bodenarbeit, auch Turnierpferde können auf Blumenkübel und Richtertische vorbereiten werden. Lesen Sie in Araber Weltweit, wie Problempferde-Ausbilder Bernd Hackl aus einem Schreckgespenst einen zuverlässigen Partner macht.

Fast alle Reiter wissen, dass Pferde Herden- und Fluchtiere sind. Doch nicht alle sind sich darüber bewusst, was für Konsequenzen das für Mensch und Pferd im Umgang miteinander haben kann. Scheuen vor Gegenständen ist eine ganz natürliche Verhaltensweise des Pferdes. Ein domestiziertes Pferd wird von uns so weit desensibilisiert, dass es Fußbälle, Fahrräder, Traktoren, Hunde und andere Gegenstände als ungefährlich einstuft. Ein schreckhaftes Pferd, das aber vor jeder wehenden Plane scheut, kann durch so genanntes „Aussacken“ desensibilisiert werden und so zu einen zuverlässigem Partner werden – im Gelände oder auf dem Turnier. Kandidat Nabucco, ein Dalia Halim-Nachkomme, fiel es schwer, das monströse Plastik-Ding zu akzeptieren. Doch einmal von seiner Harmlosigkeit überzeugt, wird er heute sogar damit geritten.
In folgenden Schritten zeigt Bernd Hackl, wie Sie Ihren Vierbeiner bodenständiger bekommen können:

• "Ausgestattet mit einem Strickhalfter, einem etwa vier Meter langem Führstrick und einem Stecken mit einer Plane am Ende, auch „Flag“ genannt, führe ich Araber Nabucco in einen sicher umzäunten Reitplatz oder Round Pen. Sicherheit ist oberstes Gebot, deshalb stecke ich das Ende des Stricks in meine Hosentasche, meine Hände habe ich dann frei. Ich versuche das Pferd mit der Plane zu berühren. Schreckt es weg, erlaube ich ihm das. Ich bestrafe das Pferd nicht dafür, sondern lasse es gewähren. Kann ich es nach einigen versuchen berühren, nehme ich die Plane erst wieder von seinem Körper weg, wenn es kurz verharrt. Es soll lernen: "Bleib ich stehen, geht die Plane wieder weg.’ Kann ich das Pferd mit der Fahne abstreichen, kann ich eine richtige Plane, die vorerst zusammen geknüllt verwendet wird, benutzten."

• "Ich bemühe mich nicht, besonders vorsichtig mit der Plane an das Pferd heranzugehen, sondern verhalte mich so als wäre sie so selbstverständlich wie die tägliche Putzbürste. Nabucco springt trotz Vorarbeit mit dem Fahnenstecken weg. Also mache ich einfach weiter und warte, bis er sich kurz davon berühren lässt. Augenblicklich nehme ich dann die Plane wieder vom Körper."

• "Hat er die übergroße „Bürste“ akzeptiert, streiche ich ihn am ganzen Körper damit ab, wobei ich selbstsicher auftrete. Gehen Sie zu vorsichtig an die Sache dran, denkt ihr Pferd: ‚Wenn der schon so vorsichtig ist, beißt mich die Plane bestimmt gleich’. Vermitteln sie ihrem Pferd, dass alles normal ist.
Streichen Sie die Beine Ihres Pferdes erst mit der Flag und dann mit der großen Plane ab, da der Vierbeiner mit Treten darauf reagieren kann. Dies ist eine gute Vorbereitung auf unverhoffte Kinderbälle, Tüten, Decken oder Zaunlitzen, die zwischen die Beine des Pferdes geraten könnten. Im Notfall zahlt sich diese Übung aus."

• " Bringe ich die Plane auf die gegenüberliegende Seite des Pferdes muss ich darauf gefasst sein, dass sich das Pferd erschreckt. Es sieht nämlich den Gegenstand nun aus dem anderen (äußeren) Auge. Hat es noch große Angst und will flüchten, wird es sich von dem Objekt wegbewegen, also in diesem Fall in meine Richtung. Strecken Sie deshalb ihren Arm aus, legen Sie Ihre Hand auf den Pferdehals und bewegen Sie mit der anderen Hand die Plane. So kann das Pferd sie nicht umschupsen, sondern nur zur Seite schieben."

Der Schimmel-Wallach hat die vorherigen Schritte akzeptiert, nun kann ich die Plane weiter ausbreiten.
Drunter oder drüber - die Plane ist nicht mehr gefährlich, ein drüber marschieren für den Araber kein Problem mehr.
Und was an der Hand funktioniert, ist unterm Sattel meist auch kein Hindernis mehr: Nabucco lernt, dass der Reiter diese ungefährliche übergroße „Bürste“ auch auf dem Rücken in der Hand tragen kann.
Seitdem der Araber regelmäßig mit immer wieder neuen Objekten an der Hand konfrontiert wird, hat auch sein Scheuen im Gelände abgenommen. Manchmal schaut er noch, was das Unbekanntes am Wegesrand ist, kann sich aber überwinden und der Ausritt entspannt fortgesetzt werden.


Fotos: Schneider I Horses In Media

Infos: Bernd & Sabine Hackl
Trainingsstall Leuthenmühle
Leuthenmühle 1 & 2
94239 Ruhmannsfelden
Tel. 09929-958695

 


Vorsicht: Ein noch nicht daran gewöhntes Pferd könnte sich vor der nun im linken Auge sichtbaren Plane erschrecken und aus Furcht nach rechts - also über Sie drüber - springen. Diese Akzeptanz muss vorher erst erarbeitet werden.

Pferde richtig ausbilden
Bernd Hackl bildet junge Pferde aus, ganz gleich, ob sie sich irgendwann im Dressurviereck, auf dem Reineingplatz, oder als zuverlässiger Freizeitpartner bewähren sollen. Mit kleinen Lerneinheiten entwickelt er die Mitarbeit beim Pferd, ohne Widerstände herauszufordern. Schritt für Schritt vom korrekten Aufhalftern des jungen Pferdes über eine durchdacht aufgebaute Bodenarbeit bis zum ersten Satteln und Reiten lernt das Pferd, den Menschen als sein Leittier anzuerkennen und ihm zu vertrauen. Schritt für Schritt zeigt der Horsemanship-Ausbilder dies nun für Reiter aller Sparten:
DVD: Basistraining für Pferde, RHV TV & Video Produktion, Bernd Hackl, 49,00 Euro, 120 Minuten, Bestellung: www.rh-video.de
Lehrbuch: Basistraining für Pferde - richtig ausbilden Problemen vorbeugen, BLV-Verlag, ISBN: 3-405-16481-8, 143 Seiten, Carola Stehen/Bernd Hackl