Bernd Hackl: Was tun, wenn Ihr
Pferd vor dem Hallentor scheut?

Ob am Tor oder in der Ecke - scheut ein Pferd, tue ich alles, nur nicht meinen Fokus auf das "gefährliche Objekt" richten. Viele Reiter starren in so einer Situation in die für das Pferd vermeidliche Ecke und versuchen, es mit allen Mitteln dahin zu bekommen. Diese Versuche ufern dann häufig aus, so dass das Pferd schon bald zu recht dort scheut. Denn am Tor oder in der Ecke gibt's Stress. Ich ignoriere so ein Verhalten zu beginn komplett. Springt das Pferd zur Seite oder biegt es sich unter mir wie eine Banane nach außen und weicht mit der Schulter nach innen aus, ignoriere ich dies am Anfang.

Wichtig: ich reite das Pferd die ganze Zeit flott vorwärts. Ich werde also nicht immer langsamer und vorsichtiger vor dem Tor und warte darauf, dass das Gespenst hinter diesem hervorspringt, sondern ich werde aktiv: Vorwärtsbewegung mit Schwung und Elan. Wo der Kopf oder der Hals des Pferdes zu diesem Zeitpunkt positioniert ist, ist unwichtig.

Erst wenn das Pferd im Tempo flüssig vorwärts läuft, keine großen Sprünge mehr macht und langsam immer öfter gerader zwischen den Schenkeln bleibt, beginne ich damit, dass Pferd mehr aufzunehmen und es ins Gebiss zu reiten. Erst wenn es locker genug ist und den Hilfen folgen kann, begrenze ich es in den Ecken oder am Tor mit meinen Sitz-, Schenkel- und Zügelhilfen.
Rahme ich es aber direkt am Anfang so ein, wird es mit diesem zusätzlichen Druck (das Gespenst übt ja schon Duck aus) nicht umgehen können und dementsprechend oft ausbrechen. Und je mehr Chancen man ihm dazu gibt, desto öfter missachtet es meine Hilfen. Und das, sollten wir vermeiden.

Erlauben Sie dem Pferd erst mal die Luft raus zu lassen und gestehen Sie ihm zu, Angst zu zeigen. Dass Scheuen soll natürlich kein Dauerthema werden, dennoch sollte dieses natürliche Verhalten vom Reiter Ernst genommen werden.

Im Laufe der Ausbildung wird Ihnen das Pferd immer mehr vertrauen und irgendwann auf Sie hören, wenn Sie ihm zu verstehen geben, dass es gerade nichts zu befürchten hat. Es muss sich auf Ihre Einschätzungen, ob die Situation gefährlich ist oder nicht, verlassen können.Eine solide Basisausbildung ist der Grundstein für so eine Beziehung.

 

 


Für Scheuen wird ein Pferd nicht bestraft - flottes Vorwärtsreiten ist Bernd Hackl zu beginn besonders wichtig. Text & Fotos: Rika Schneider I Horses In Media

Das Pferd darf nach am Tor gucken, der Westernausbilder ignoriert dies jedoch und schaut weiter in die Richtung, in die er reiten wird.


Er wenn sich das Pferd ein wenig beruhigt hat und sich wieder auf den Reiter konzentriert, kann es langsam an die Hilfen gestellt werden.


Hat man so eine Reitmöglichkeit kann man das Tor auch mal Durchreiten: dies mindert die Schreckhaftigkeit.

Infos: Bernd & Sabine Hackl
Trainingsstall Leuthenmühle
Leuthenmühle 1 & 2
94239 Ruhmannsfelden
Tel. 09929-958695