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Mit aufgeblähten Nüstern nach ihren Kumpels wiehernd läuft
die schokofarbene Stute in dem hoch geschlossenen Round Pen umher. Damit
sie dem Zweibeiner Bernd Hackl in der Mitte Aufmerksamkeit schenkt,
lässt er das Quarter Horse wenden. Doch tut er dies nicht durch
bloßes Seilschmeißen und Abschneiden des Weges, sondern
durch Einnehmen von Raum, indem sich das Pferd gerade bewegt. "Ich
renne nicht auf das Pferd zu, schaue ihm ins Gesicht und scheuche es
mit dem Gedanken "verschwinde" weg, sondern suche mir einen
Platz an der Bande, den ich für mich beanspruchen werde."
Die Stute dreht auf der Hinterhand um, während der Süddeutsche
mit Energie zu seiner Stelle läuft.
"Auf diese Art und Weise dreht und weicht das Pferd von mir, ohne
dass ich persönlichen Druck auf es ausüben muss", erläutert
der 29-Jährige seine Arbeitsweise. Schon nach einigen Minuten tut
der Horseman so, als würde er die Stute Chici, die ja frei im Round
Pen läuft, an einem unsichtbaren Strick zu sich in die Mitte ziehen.
Promt reagiert sie, dreht vom Hufschlag ab und schreitet ruhig in die
Zirkelmitte zum Trainer. Anstatt Leckerlies kann sich Chici hier Streicheleinheiten
abholen.
Erste Begegnung mit dem Pad
Die Methoden, Pferde im Round Pen oder im Picadero zu sich in die Mitte
zu rufen sind Jahrhunderte alt. Sie sind nicht neu erfunden. Jeder Trainer
verknüpft sie mit seiner eigenen Persönlichkeit und so weichen
die Wege von Person zu Person voneinander ab. Bernd Hackl, der von Horseman
wie Steve Hollowy, Roy Sharpe, Leslie Desmond oder Buck Brannaman geprägt
wurde, legt großen Wert auf eine solide Grundausbildung. Dabei
sollen die Pferde nicht zu abgestumpften, funktionierenden Sklaven werden,
sondern wach und mit Interesse mitmachen. "Die Pferde sollen Energie
haben, voller Lebenslust mitarbeiten und ihre natürlichen Eigenschaften
behalten. Das Problem vieler Reiter ist jedoch, dass sie genau davor
Angst haben. Es gibt Wege, den Energiepegel des Pferdes für sich
zu bestimmen", erklärt der Ausbilder.
Wie bei einem Regulator möchte Hackl die Energie des Pferdes
von null auf zwei, auf acht, auf zehn oder auch wieder von zehn
runter auf null schalten können. Im Round Pen wurde das ersichtlich:
Die zweieinhalbjährige Berberstute Mezzina, die ihrer Besitzerin
eher durch Ruhe und Gemütlichkeit bekannt ist, reagierte auf die
Ausstrahlung von Hackl schon in kürzesteste Zeit mit Galopp, Trab
oder Anhalten. Dabei wird nicht stark gestikuliert, wild mit Seilen
geschmissen oder lauthals gebrüllt - die kleine Schimmelstute reagiert
auf Hackls klare Gedanken und eindeutige Körpersprache.
Damit es nicht nur beim Profi klappt, sondern die Besitzerin Sandra
Lorch ihr Pferd auch zuhause in Gang bekommt, bezieht Hackl sie
in die Übungen mit ein. Nachdem er die Stute mit aller Ruhe an
ihre erste Satteldecke und ihren Sattel auf dem Rücken gewöhnt
hat, den Sattelgurt aber nur anzieht, wenn das Pferd ausatmet, fährt
er sie vom Boden aus ein. Dies alles dauert nicht länger als eine
Stunde. Die Berberstute hat nicht ein feuchtes Haar und an ihrer Ohrenstellung
und ihrem ruhigen Auge sieht man, dass sie genau darauf achtet, was
Hackl macht und arbeitet willig mit. Ein wenig unheimlich ist ihr der
Sattel auf dem Rücken schon, doch nicht unheimlich genug, um zu
buckeln. Locker trabt sie schon nach zwei Runden mit dem neuen Objekt
auf dem Rücken umher. Und nun wird sie vom Boden aus gefahren:
·Da die Stute noch nie ein Gebiss im Maul hatte, verschnallt
Hackl es ohne Zügel und sehr locker. Das Gebiss hängt etwa
drei bis fünf Zentimeter tiefer als üblich. "Das Pferd
soll selbst heausfinden, an welcher Stelle das Gebiss am besten liegt.
Nach einiger Zeit wird es das Mundstück "packen", es
über die Zunge in seinen Mundwinkel legen. Ich empfehle auch, es
damit Kraftfutter fressen zu lassen", rät der Trainer.
· Damit die Stute, die sich ja noch an das Mundstück
gewöhnen muss, beim Fahren nicht davon irritiert wird, fährt
Bernd Hackl sie nur mit Halfter ein, die Trense behält die Stute
dabei aber an.
· Auf jeder Halfterseite befestigt er einen langen Strick.
· Um sie an die baumelnden Stricke zu gewöhnen, longiert
er sie ersteinmal mit dem äußeren Strick über ihrem
Rücken. Dann nimmt er - wie bei einer Doppellonge - den äußeren
Strick hinter ihrer Hinterhand herum. Die Stute wird ein wenig schneller,
merkt aber schon bald, dass der Strick nicht weh tut.
· Mit leichter einseitiger Zügelhilfe (Strick) lenkt
er Mezzina von rechts nach links. Wichtig hierbei ist, ihr den äußeren
Zügel lang zu lassen, um sie dort nicht zu stören und verwirren.
Die Berberstute mit ihrem ausgeglichenen Charakter gewöhnt sich
schnell an die neue Situation, so dass Sandra Lorch ihre Stute schon
bald ganz alleine vom Boden aus nach rechts und links lenken kann.
Im
Laufe des Kursvormittages wurde die unsichere Vollblutstute Mia am Boden
gearbeitet, Mezzina eingefahren, die Quarter Stute Mama, die sich nicht
einfangen lässt, überzeugt, zur Besitzerin zu kommen und die
unterm Reiter manchmal buckelnde Chici zu sanften Tempiwechseln veranlasst.
Nach einer Theorie-Einheit im gemütlichen Stüberl und einem
Mahl der Leckebuscher Küchenfee heißt es dann für die
Teilnehmer ab in den Sattel.
Und hier gilt es die Körperteile Kopf/Hals, Schulter/Rippenkasten
und Hinterhand des Pferdes, zu kontrollieren. Gezielte gymnastische
Übungen, die die Nachgiebigkeit in den einzelnen Körperbereichen
fördert, angepasst am Ausbildungsstand der jeweiligen Teilnehmer,
helfen den Reitern, das Theoretische in die Praxis umzusetzten. Bernd
Hackl, der von Reitern wie Jean-Calude Dysli oder Buck Brannaman geprägt
wurde, ließ es sich nicht nehmen, mal selbst auf das ein oder
andere Pferd zu springen, um einzelne Bewegungsabläufe von Reiter
und Pferd zu erläutern.
Das Reiten mit Außen- und Innenstellung, Verschieben der Hinterhand,
Kontrollieren der Vorhand mit Hilfe von Übungen an Pylonen bauen
das Fundament von Reitern und Pferden weiter auf. Diese Übungen
sind Grundvoraussetzung, um ein Pferd später in höheren Lektionen
reiten zu können. "Nur ein Pferd, dessen Fundament Schritt
für Schritt aufgebaut wird, Nachgiebig in allen genannten Körperteilen
ist, kann später mit einem willigen Pferd saubere Stops, Spins
und Pirouetten ausführen. Es geht nicht darum, das Pferd so schnell
wie möglich in den Lektionen zu trainieren, sondern darum, dass
es willig und interressiert auf meine Hilfen reagiert. Ich möchte
meine Hilfen so gestalten, dass es die Idee des Pferdes wird, diese
auszuführen. Pferde sind keine Maschinen, keine Autos oder Motoräder
- auch wenn eines wie ein Ferrari, dass andere wie eine Ente wirkt -,
sie haben Gefühle und sind äußerst sensible. Dies sollte
jedem beim Umgang mit Pferden aller Rassen bewusst sein. Nur dann ist
ein ausgewogenes Zusammenspiel von Zwei- und Vierbeiner möglich.
Und das ist mein Ziel bei der Arbeit mit Mensch und Pferd."
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