Jean-Claude
Dysli & Grischa Ludwig: altkalifornische- und moderne Westernreitweise Klassisch oder modern? |
![]() Für Grischa Ludwig ist die Haltung des Pferdes eine Frage des persönlichen Stils. Fotos: Klaus-Jürgen Guni / Text: Rika Schneider |
Westernreiten
- ein Begriff, unter dessen Flagge sich der moderne Turnierreiter und
der Reiter der Klassischen Kalifornischen Reitweise die Hände reichen
können. Immer mehr Pferdefreunde suchen ihren Stil zwischen den Reitweisen,
blicken über den Tellerand, um von anderen zu lernen. Obwohl der
Turnier- und Buckaroo-Interessierte im Westernsattel zu Hause ist, gibt
es Unterschiede in Philosophie und Ausbildung. Lesen Sie hier, wie Reining-Profi
Grischa Ludwig dieses Thema betrachtet und auf was Altmeister Jean-Claude
Dysli bei der Ausbildung Wert legt. |
![]() Typisch für ein „Bridle Horse“: viel Aufrichtung, kunstvoll verzierte Shanks und Romal-Reins |
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losen Zügel galoppiert der Fuchs über das Feld, auf minimale Hilfen
des Reiters wendet und stoppt der Hengst - diese Beschreibung könnte
auf die Klassische Kalifornische Reitweise genauso passen wie auf die heutige
Sportreitweise. Für Jean-Claude Dysli, Altmeister der Buckaroo-Reitweise,
unterscheiden sich diese beiden dennoch enorm voneinander: „Das Vaquero-Pferd
sieht auch unter dem Sattel stolz aus, läuft höher in der Aufrichtung
als das Sportpferd. Entscheidend ist aber der Respekt mit dem das Tier Pferd
von uns Reitern der alten Kalifornischen Reitweise behandelt wird. Nicht
nur der lange Ausbildungszeitraum, den wir dem Pferd geben, sondern auch
die Philosophie spielt dabei eine wichtige Rolle. Es geht nicht um das Erringen
von Pokalen, sondern um das Aufbauen von Partnerschaften und das ist eine
ganz andere Trainingsvoraussetzung“. Für Reining-Profi Grischa Ludwig verschwimmen die Grenzen zwischen den heutigen Reitweisen: „Die Reiter werden immer offener, suchen bei Ausbildern anderer Reitweisen ihren ganz persönlichen Stil“, erklärt der erfolgreiche Bitzer. Wer also den geeigneten Trainer für sich sucht, der findet in Deutschland eine Menge unterschiedlicher Herangehensweisen. Während der eine Trainer seine Pferde mit tiefer Kopf-Halshaltung reitet, ein anderer sie lieber mehr in die Aufrichtung holt und Bodenarbeit Teil seiner Ausbildung ist, legt ein weiterer Bereiter vielleicht Wert auf Seitengänge und Traversübungen. Da wird es schwer für den Suchenden den Richtigen zu finden, wobei immer mehr Trainer - vor allen im Freizeitbereich - Kenntnisse der alten Meister der Klassischen Kalifornischen Reitweise in ihre Arbeit mit einfließen lassen. Um herauszufinden, was zu einem passt, muss man sich mit den Dingen beschäftigen, Ausbilder aufsuchen, Fragen stellen und sich informieren. Auf welcher Linie man dann am Ende hängen bleibt und seine Fähigkeiten und die des Pferdes ausbaut, ist Geschmacksache. |
![]() Eine Leidenschaft von Jean-Claude Dysli ist die Arbeit am Rind, die das Vaquero-Pferd bei seiner täglichen Arbeit ausführt. |
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Wie
lange bleibt das Pferd in der Lehre? |
![]() Grischa Ludwig auf "Reds Gonna Rein" |
Gibt
es überhaupt einen Unterschied? ![]() • Jean-Claude Dysli: „Eines der wichtigsten Punkte in der Ausbildung der Klassischen Kalifornischen Reitweise ist, dass das Pferd die angefragten Hilfen eigenständig lernt. Dass heißt: Lernt es die Zügelhilfen neu kennen, zupfe ich störend an dem Zügel, bis es selbst auf die Idee kommt, diese Irritation durch Nachgeben zu beenden. Lernt ein Pferd durch eigenständiges Herausfinden, wird es diese Anfrage mit Leichtigkeit ausführen und auch niemals vergessen. In der modernen Westernreitweise wird der Verstand des Pferdes oft ausgeblendet und der Körper des Pferdes durch Ziehen und immer wiederkehrendes Positionieren in eine Form gepresst. Diese Körperhaltung hat sich das Pferd aber nicht selber ausgesucht, sondern es wurde mechanisch - zum Beispiel durch Zügelhilfen - in diese Stellung gebracht. Mein anhaltender Zug darf nie länger sein als 0,3 Sekunden, da ich ja Impulse geben möchte und nicht ziehen. Denn ein Pferd, das nur durch begrenzende Hilfen in eine Haltung gebracht wird, kann schnell wieder auseinander fallen. Das Vaquero-Pferd, das also durch Impulse und nicht durch Zug lernt, wird sehr leicht in seinen Reaktionen sein, was dem einhändigen Reiten - dem Ziel der Westernreitweise - später zu Gute kommt. Pferde, die durch Ziehen geritten werden, können meiner Meinung nach niemals die Leichtigkeit eines Bridle Horses erlangen.“ ![]() • Grischa Ludwig: „In Kalifornien hat sich die Reitweise genauso weiterentwickelt wie überall anders auch. Ich würde die heutigen Reitweisen gar nicht so stark unterscheiden, denn die Grenzen verschwimmen immer mehr. Reiner wie Todd Bergen oder Bob Avila zeigten, dass auch kalifornisch gerittene Pferde im Showring erfolgreich sein können und ließen diesen Reitstil noch einmal aufblühen. Doch die Reitweise wie sie damals war, mit der wie sie heute ist zu vergleichen, sehe ich als nicht richtig: Ich kann auch nicht ein Auto von vor 20 Jahren mit den heutigen Fahrzeugen vergleichen. Der Oltimer - also in diesem Fall die Klassische Kalifornische Reitweise, wie sie früher geritten wurde - steht in diesem Fall für sich. Denn so wie beim Auto hat sich auch diese Reitweise im Laufe der Jahre weiter entwickelt.“ |
![]() Altmeister der Kalifornischen Reitweise: Jean-Claude Dylsi |
Der
Spin - die Vorhand entscheidet![]() • Jean-Claude Dysli: „Der Spin ist eine Vorwärts- und keine Seitwärtsbewegung. Aus diesem Grund trainiere ich ihn nicht über Countervolten, sondern über kleine Volten. In einer Rechtsvolte kommt die äußere Schulter des Pferdes weiter vor. Verkleinere ich nun die Volte kreuzt das Pferd mit dem äußeren Bein vor dem inneren - nicht dahinter. Mein innerer Zügel dirigiert das innere Bein und setzt es kurz bevor es abfußt nach hinten innen. Dies ist für mich die korrekte Fußmechanik. Zu Beginn konzentriere ich mich nur auf die Bewegungsabläufe der Vorhand. Kann das Pferd die Vorderbeine platzieren, folgt die Hinterhand automatisch.“ ![]() • Grischa Ludwig: „Während andere Trainer vielleicht Seitengänge im Training bevorzugen, baue ich diese nur ganz wenig in mein Training mit ein. Das Pferd wird dadurch zwar runder, aber es nimmt ihm auch den Fluss in der Vorwärtsbewegung. Der Spin, der ja auch eine Vorwärtsbewegung ist, wird durch Positionieren der Vorderbeine geschult. Auch ich bringe dem Pferd bei, vorne sauber und schnell mit dem äußeren Vorderbein vor dem inneren Bein zu kreuzen. Die Hinterhand positioniert sich dann automatisch richtig, sie interessiert mich zum Zeitpunkt der Übung noch nicht.“ |
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Versammlung
- nur punktuell? |
Vaquero-Reitweise
- was für anspruchsvolle Reiter?![]() • Jean-Claude Dysli: „Das Erlernen der Vaquero-Reitweise ist ein langer Weg. Die Voraussetzung dafür ist ein unabhängiger Sitz, Balancegefühl im Sattel, Ehrgeiz und Leidenschaft für die Reitweise und für das Tier. Ein zuverlässiges Pferd und regelmäßige Kontrolle der Eigenleistungen sind wichtig, um die Kontrolle über die eigenen Reflexe im Körper zu erhalten und zu verbessern. Fleiß und Kontinuität muss da genauso selbstverständlich sein wie der Respekt dem Lebewesen Pferd gegenüber.“ ![]() • Grischa Ludwig: „Ich denke es ist eine Frage des Geschmacks und vor allem des Typs. Jemand, der eher der Kontrolltyp ist, fühlt sich wahrscheinlich mit der Kalifornischen Reitweise wohler (obwohl ich mich ein wenig gegen die Unterscheidung Western – Kalifonisch wehre), in der der Reiter in jedem Moment in Kommunikation mit dem Pferd steht. Der lockere Reiter-Typ fühlt sich dann vielleicht in einem anderen Westernstil wohler. Ich denke, die Wahl der Reitweise und des aufgewendeten Ehrgeizes hängt ganz allein von dem jeweiligen Charakter des Reiter s ab.“ Text: Rika Schneider |
Klassische
Kalifornische Reitweise oder auch Vaquero-Reitweise Mexikanische und kalifornische Indianer waren die ersten, die von den Spaniern in die Klassische Rinderarbeit eingeführt wurden. Sie lernten nicht nur in deren Stil zu reiten, sondern waren auch bald in der Lage dazu, ihre eigenen kunstvoll verzierten Ausrüstungsgegenstände (Bridle, Kopfstücke, Sättel) herzustellen. Die Ausbildung eines Vaquero-Pferdes vom jungen Tier bis zum einwandfrei arbeiteten Pferd dauerte drei bis sechs Jahre, je nach Talent oder Gelehrigkeit des Pferdes. Das fertig ausgebildete Pferd, das einhändig in der Kandare geritten wird, nennt sich „Bridle-Horse“ und ist oft der ganze Stolz des Vaqueros. Noch heute gibt es amerikanische Ranches, die im traditionellen, kalifornischen Reitstil ihre Arbeit verrichten. In Deutschland sind es aber nur einige wenige, die diese traditionelle Reitweise wie sie früher geritten wurde, praktizieren. |
Gischa
Ludwig Trainer, die Pferde in der „Klassischen Kalifornischen Reitweise“ oder in Anlehnung an diese ausbilden: Jean-Claude
Dysli Peter
Kreinberg Peter
Frey Sascha
Elsner Walter
Mayr Mike
Bridges
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Ausbildung des Vaquero-Pferdes
Drei- bis vierjährige Pferde werden zu Beginn mit dem Snaffle Bit (Wassertrense) und, je nach Talent, anschließend mit dem Bosal geritten. Es kann auch Abwechselnd in Snaffle Bit und Bosal geschult werden. Ab dem vierten Lebensjahr wird es dann nur noch im Bosal (Hackamore) geritten bis es etwa fünf Jahre alt ist. Von diesem Zeitpunkt an trägt das Vaquero-Pferd ein Pencil-Bosal (dünneres Bosal) sowie eine Kandare. Letztere wird jedoch nicht benutzt, sie liegt nur zur Vorbereitung auf das spätere Reiten nur mit Stangengebiss im Maul. Der Reiter hat also nun zwei Zügelpaare (siehe Foto), wovon nur das des Bosals benutzt wird. Eineinhalb Jahre bildet der Vaquero-Reiter sein Pferd so aus. Erst ab dem siebten Lebensjahr wird das Pferd nur auf Kandare geritten. Hier kann zu Beginn zusätzlich ein Bosalito (dünnes Bosal ohne Zügel) verwendet werden. Grundsätzlich kann der Reiter immer, wenn das Pferd dies in der Ausbildung benötigt, zurückwechseln auf die vorherige Zäumung. |