Frauke Behresn:
Das können Sie tun, wenn
das Aussitzen schwer fällt

Auf langsamen Pferden ist es für Cordula Meiners kein Problem ausszusitzen, in einem schwungvollen guten Grundtempo aber oder in der Verstärkung fällt es ihr trotz vieler Jahre im Sattel schwer, locker auszusitzen. Zahlreiche Reitstunden konnten dies nicht wirklich verbessern. Sie hat bewusst versucht loszulassen, gelassen auszusitzen, an der Longe oder auf zahlreichen anderen Pferden, ist mitgeschwungen, hat sich weiter nach hinten geleht, sich im Oberkörper aufrechter mit mehr Spannung in den Sattel gestezt. Das Ergebnis war nie locker und entspannt. Um zu einem Wohlfühlgefühl auf dem Pferd zu kommen, spielen die körperlichen Abläufe im Reiter eine wichtige Rolle. Physiotherapeutin Frauke Behrens gibt der Reiterin Tipps.

Zunächst einmal ist zum Aussitzen zu sagen, dass das Pferd auch entsprechend vorbereitet sein muss. Das heißt, nach einer angemessenen Lösungsphase nimmt der Reiter die Zügel auf und stellt das Pferd nach und nach an die Hilfen. Erst ab einem gewissen Grad von Anlehnung und Durchlässigkeit und wenn das Pferd die Rückenmuskulatur loslässt und der Rücken mitschwingt - erst dann kann der Reiter unverkrampft und in Übereinstimmung mit der Bewegung des Pferdes aussitzen. In den Reitrichtlinien heißt es: "Voraussetzung für das elastische Mitschwingen in der Mittelpositur und für einen tiefen, geschmeidigen Sitz ist die natürliche, losgelassene Haltung der Wirbelsäule, die elastische Spannung der Rumpfmuskulatur sowie das richtige Mitgehen des Beckens mit der Pferdebewegung."

Wenn Rückenschmerzen das Ergebnis vom Aussitzen sind, können verküzte Muskeln, aber auch blockierte Gelenke zum Beispiel Kreuzdarmbeingelenke oder Steilstellungen der Hüfte oder dem Reiter nicht passende Sättel die Ursache sein. Hier empfehle ich, sich erst einmal von einem Osteopathen oder Physiotherapeuten untersuchen zu lassen, damit an eventuell zu behandelnden Ursachen gearbeitet werden kann. Da Sie schon seit so vielen Jahren versuchen, sich beim Aussitzen zu entspannen, ist dies für das erfolgreiche Weiterkommen unabdingbar: Halten Sie sich fit für den Sattel. Die Muskeln müssen synergistisch zusammenarbeiten, um den Schwung des Pferdes zu kompensieren. Die Fitness des Reiters hält aber nur, wenn sie konsequent und regelmäßig gepflegt wird. Yoga ist für den Reitsport eine zum Beispiel eine wunderbare Methode, um die Muskulatur in ein gleichmäßiges, adäquates Zusammenspiel zu bringen. Zehn Minuten Yoga am Tag über einen längeren Zeitraum wird Sie weiterbringen.

Um richtig auszusitzen und um dabei noch feinere Hilfen geben zu können, ist das Schulen der eigenen Körperwahrnehmung enorm wichtig. Gibt der Osteopath oder Physiotherapeut grünes Licht, sorgen folgende Übungen für mehr Losgelassenheit und - ganz wichtig - für mehr Bewegungsgefühl im Sattel:

• Nehmen Sie einen Tennisball als Hilfsmittel, ein anderer Reiter kann Ihr Pferd zu Beginn festhalten. Machen Sie Ihr Pferd vom Boden aus mit dem Ball bekannt und steigen Sie auf. Positionieren Sie den Ball unter Ihrem rechten Sitzbeinhöcker und schieben Sie ihn dann ein wenig nach außen. Reiten Sie so mindestens acht Minuten auf der linken Hand im Schritt und Trab. Bitte bedenken Sie, dass Sie jetzt schief auf dem Pferd sitzen und somit ihrem Pferd keine adäquaten Hilfen geben können. Reiten Sie deshalb mit langem Zügel ganze Bahn. Der Trab darf gern langsam geritten werden, wieder am langen Zügel. Nehmen Sie nach acht Minuten den Ball in die Hand und spüren Sie nach wie sich Ihre rechte Gesäßhälfte anfühlt. Sie sollte sich deutlich anders anfühlen als die linke Seite.
Einige auftretende Empfindungen könnten sein: ein ‚Loch' unter der rechten Seite, plötzlich fühlt sich alles weicher an, ein vermeintliches Runterrutschen oder Tiefersitzen, der Sattel fühlt sich rechts größer an. Wechseln Sie dann den Ball auf die linke Seite und reiten Sie wieder acht Minuten.

Während des Reitens erfahren Sie eine mobilisierende Massage der tiefen Beckenmuskulatur, die in Fällen des ‚nicht lange aussitzen können' immer verspannt ist. Ihrem Pferd widerfährt übrigens ebenso eine mobilisierende Massage der Rückenmuskulatur, jedoch nicht so eine starke.

• Danach legen Sie den Ball unter den Oberschenkel zwei Handbreit über dem Knie etwas nach hinten versetzt und wiederholen die Prozedur auf der linken und rechten Hand. Das großartige beim Reiten mit dem Ball ist, dass Sie im Anschluss ein ganz anderes Sitzgefühl erfahren: Ihre Muskulatur wird sich geschmeidiger anfühlen und sie werden tiefer im Sattel sitzen.


Text & Foto: Schneider I Horses In Media

Frauke Behrens Homepage

Infos: Frauke Behrens I Tel. 0171-2702922 info@behrens-sitzschulung.de