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Hände
spielen in unserem täglichen Leben eine große Rolle: Sie
drücken Stärke oder Schwäche aus, streicheln, gestikulieren
oder sind Zeichen künstlerischen Ausdrucks. Wer Hände zu deuten
weiß, kann durch sie den Charakter eines Menschen bestimmen. Im
Sattel drückt die Hand den Ausbildungsstand und das Feingefühl
des Reiters aus. Schultern, Unterarme und Hände können Signale
geben, durch die der Mensch mit dem Pferd kommuniziert. Obwohl diese
Hilfen hinter den Gewichts- und Schenkelhilfen erfolgen sollten, zeigen
alltägliche Beispiele auf dem Reitplatz, dass dies gar nicht so
einfach ist.
Die Zügelführung ist eine sensible Angelegenheit und das Ändern
lang „antrainierter“ Gewohnheiten (wie das Eindrehen der
Hand) kann nur durch regelmäßiges Üben erfolgen. Es
ist nicht von jetzt auf gleich abzustellen. In den meisten Fällen
ist da ein Ausbilder gefragt, der regelmäßig den Reitersitz
korrigiert. Denn für ein Pferd gibt es nichts Schlimmeres als eine
Zügelführung, die nichts bedeutet.
Mechanisch betrachtet stellen die Unterarme die weiterführenden
Zügel dar, die Hände bilden eine aufrechte Faust, die jeder
Zeit ein OK-Zeichen mit dem Daumen geben könnte.
Fehlhaltungen erkennen — Ursachen erforschen
Mögliche Ursachen von Fehlhaltungen können durch gezielte
Übungen behoben werden. Eine genaue Diagnose jedoch, kann nur der
Arzt stellen
1.
Fehlhaltung
Zu hohe Handhaltung
• Der Reiter ist eine kleinere Person. Würde er die Hände
tiefer nehmen, müsste er seine Arme komplett strecken.
• Die Unterarme werden als Balancestange eingesetzt, was die Bauchmuskulatur
entlastet.
Muskuläre Zusammenhänge
Mit einer idealen Zügelhand-Armlinie werden Bauch- und Rückenmuskeln
gleichmäßig gefordert. Trägt der Reiter die Hände
in einem fast 90° Grad-Winkel vor seinem Bauch, entlastet er die
Bauchmuskulatur. Test: Stellen Sie sich aufrecht hin, Ihre Arme hängen
locker neben dem Körper. Beugen Sie sich langsam mit Ihrem gesamten
Körper nach hinten. Wenn Sie ein unangenehmes Gefühl in der
Bauchgegend spüren, heben Sie langsam beide Arme an, bis auf ca.
90° Grad. Nun sollten Sie eine kleine Erleichterung in der Bauchregion
erfahren. Natürlich sitzen Sie nicht so sehr nach hinten verlagert
auf dem Pferd. Der Muskel-Effekt, der zu hoch getragenen Hände,
bleibt jedoch der gleiche.
2. Fehlhaltung
Zu tiefe Handhaltung
• Der Reiter ist eine größere Person, dessen Hände
- würde er sie höher halten - nicht über dem Widerrist,
sondern irgendwo weiter vorne über dem Hals liegen würden.
• Diese Person reitet mehr über die Bauch- als über
die Rückenmuskulatur.
Muskuläre Zusammenhänge
Hier verhält es sich genau umgekehrt zur Fehlhaltung 1: Dieser
Reiter benutzt vermehrt seine Bauchmuskulatur. Test: Stellen Sie sich
aufrecht hin, beugen Sie langsam Ihren Oberkörper aufrecht nach
vorne, bis Sie an Ihre Grenze kommen. Lassen Sie Ihre Arme hängen.
In welchem Bereich ist dies anstrengend, vielleicht sogar unangenehm?
Heben Sie langsam die Arme nach hinten, ähnlich wie ein Skispringer.
Bei beiden Handhaltungen ist die Auswirkung auf die muskuläre Balance
zu sehen. Das Resultat: eine Fehlbalance (Dysbalance) der Muskulatur,
die auf Haltungsschwächen beruht und zu einer Fehlhaltung führen
kann.
3. Fehlhaltung
Verdrehte, verdeckte Hände
• Eventuelle Blockierungen in der Brustwirbelsäule, der Oberkörper
ist nicht aufgerichtet.
• Die Schultern sind vermehrt nach innen rotiert.
• Eine zu steile, gerade Wirbelsäule
• Blockierungen im Kreuzdarmbeingelenk (ISG), das Becken kippt
nach hinten.
Muskuläre Zusammenhänge
In der weiterlaufenden Bewegung mit verdrehten Händen würde
der Reiter das Kinn auf das Brustbein senken, seinen Oberkörper
rund machen und in sich zusammen sinken. Die Knie würde er in Richtung
Bauch anziehen, die Embryo-Schutzhaltung wäre perfekt. Die vordere
diagonale Muskelschlinge arbeitet bei dieser Handhaltung vermehrt und
zieht den Reiter in sich zusammen.
4. Fehlhaltung
Unruhige, körper-abhängige Hände
• Blockierungen in der Lendenwirbelsäule (LWS)
• Blockierung in den Kreuzdarmbeingelenken
• Hüftfehlstellungen
• der Reiter ist Anfänger und reitet erst seit kurzem
Muskuläre Zusammenhänge
Die Hände ruhig und körperunabhängig halten zu können
ist nur dann möglich, wenn der Reiter optimal mitschwingen kann.
Wird der ankommende Schwung vom Pferd nicht optimal vom Reiter aufgefangen,
übernimmt seine Muskulatur die Arbeit der Gelenke. Sie versucht
dann durch Anspannung diese Bewegung auszugleichen, in diesem über
den Unterarm und die Hand.
5. Fehlhaltung
Abgespreizte Ellbogen (wie ein kleiner Engel mit Flügeln)
• eine Frage der seitlichen Balance
• nach Innen rotierte Schultergelenke
Muskuläre Zusammenhänge
Die vordere Muskelkette, die den Reiter nach vorne in sich zusammensinken
lässt, kommt vermehrt zum Einsatz. Das Auflösen dieser ungünstigen
Haltungsmuster ist durch gezieltes Üben gut umzusetzen.
SITZKORREKTUR
AM BODEN
Folgende Übungen werden am Boden ausgeführt. Sie verbessern
Ihre Gesamthaltung im alltäglichen Leben und Ihren reiterlichen
Sitz
1.
Übung
Anstrengend, aber effektiv
Für Reiter mit zu hohe und tiefer Handhaltung sowie abgespreizten
Ellbogen.
Sinn & Zweck: Kräftigung der Bauch und Rückenmuskulatur
Ausgangsposition: Bauchlage
Sie liegen auf dem Bauch kommen in den Unterarmstütz und auf die
Zehenspitzen. Ihr Hinterkopf, Ihre Brustwirbelsäule und Ihr Gesäß
bilden eine Linie. Halten Sie diese Position etwa. 20 Sekunden und atmen
Sie regelmäßig weiter. Verlängern Sie die Zeit jeden
Tag um fünf Sekunden, bis Sie drei Minuten durchhalten können.
Dies kann bis zu drei Wochen dauern.
2. Übung
Strecken und Recken
Für Reiter mit verdrehten Händen und abgespreizten Ellbogen
Sinn & Zweck: Dehnung
Ausgangsposition: Stand
Stellen Sie sich mit der rechten Schulter an eine Wand, Ihre flache
Hand und Ihre Schultern berühren sie. Heben Sie Ihren linken Arm
auf 90° Grad an und drehen Sie ihn nach links hinten. Dehnen Sie
nur so weit bis ein Reiz entsteht. Halten Sie diese Position zirka 30
Sekunden und wiederholen Sie die Übung auf jeder Seite drei Mal.
3. Übung
Mobile untere Lendenwirbelsäule (Bauchtanz Vorübung)
Für alle Handfehlhaltungen
Siehe Übung „Bein auf Fußknöchel“ in
Teil 2.
4. Übung:
unruhige Hand
Für Reiter mit verdeckten Händen oder abgespreizten Ellbogen
Sinn & Zweck: Dehnung
Dauer: so lange und oft Sie möchten
Ausgangsposition: Stand
Hilfsmittel: Ein paar Zügel, ein Stuhl mit hoher Rückenlehne
Verschnallen Sie ein paar Zügel an der Rückenlehne eines Stuhls
so, dass wenn Sie an den Zügeln ziehen, der Stuhl zum kippen kommt.
Stellen Sie sich hinter den Stuhl, nehmen Sie die Zügel auf (als
würden Sie auf einem Pferd sitzen) und bringen Sie den Stuhl leicht
zum kippen. Beginnen Sie damit mit geschlossenen Füßen zu
hüpfen. Der Stuhl sollte trotz seiner leicht gekippten Lage nicht
kippeln oder gar nach hinten überkippen.
SITZKORREKTUR
IM SATTEL
Folgende Übungen werden im Sattel ausgeführt.
• Probieren sie die angegebenen Hilfsmittel zuerst am Boden aus,
damit sie wissen, was auf dem Pferd auf Sie zukommt.
• Machen Sie Ihr Pferd mit den Hilfsmitteln bekannt
• Sie bestimmen die Gangart (ausgesessener Trab ist zwar am effektivsten
muss jedoch nicht sein) Bei anderen Gangarten Schritt, Tölt, Jogg
einfach die angegebene Übungszeit verdoppeln.
• Überlegen Sie, ob Sie die Übung an der Longe machen
möchten
Foto: Hilfsmittel
1. Übung
Für die Reiter mit zu niedriger Handhaltung
Sinn & Zweck: Wahrnehmung
Hilfsmittel: 1 Person zum Führen oder longieren. Ein 1 Meter langes
Gymnastik-Latex-Band
Befestigen Sie oder ein Helfer das Gymnastik-Band so am Sattel, dass
eine etwa 15 Zentimeter große Schlinge entsteht. Diese sollte
so groß sein, dass Sie jeder Zeit herausrutschen könnten.
An Dressursätteln kann das Band an den kleinen Vorderzeug-Schnallen
befestigt werden. Führen Sie Ihr Handgelenk durch die Schlinge
so weit nach oben, dass Druck auf der Hand entsteht. Halten Sie Ihre
Hand nun unter diesem Druck hoch. Halten Sie Ihre andere auf gleicher
Höhe. Traben Sie jetzt vier Runden leicht und wechseln danach die
Schlinge in die andere Hand. Der Druck, den die Schlinge ausübt,
sollte so stark sein, dass es anstrengend ist die Hand oben zu halten.
2. Übung
Für Reiter mit zu hoher Handhaltung
Sinn & Zweck: Wahrnehmung
Dauer: etwa vier Bahnrunden (20 mal 40 Platz)
Gangart: Trab (leichttraben)
Hilfsmittel: 1 Person zum Führen oder Longieren. Ein 1 Meter langes
Gymnastik-Latex Band.
Vorbereitung siehe Übung 1 im Sattel. Halten Sie bei dieser Aufgabe
die Hand in der Schlinge übertrieben tief. Die freie andere Hand
halten Sie auf der gleichen Höhe. Lassen Sie hierbei Ihr Pferd
am langen Zügel gehen. Es macht nichts, wenn Sie für diese
Übung etwas nach vorne gebeugt sitzen.
3. Übung
Für Reiter mit verdrehten oder unruhigen Händen
Sinn & Zweck: Wahrnehmung
Gangart: Trab (leichttraben) und Galopp (wenn möglich)
Hilfsmittel: 1 Person zum Führen oder Longieren, eine mindestens
ein Meter lange Gerte
Nehmen Sie nach dem Aufwärmen eine Gerte und legen Sie sie quer
zum Widerrist über Ihre Hände und zwar so, dass Ihre Daumen
nach oben gestreckt sind (OK Zeichen). Traben Sie so vier Runden im
leichten Sitz, galoppieren Sie dann an.
Es lohnt sich diese Übung an der Longe zu machen. Um die Gerte
nicht zu verlieren dürfen Sie die Hände ruhig höher halten.
Die Bewegung muss nun mehr aus Ihren Ellbögen kommen, welches aus
drei Gelenken besteht. Eines davon fungiert als Scharniergelenk.
4. Übung
Für Reiter mit kleinen Engelsflügeln oder Henkeltassen
(abgespreizte Ellenbogen)
Sinn & Zweck: Wahrnehmung
Dauer: etwa 4 Bahnrunden (20 x 40 Meter Platz)
Gangart: Trab (leichttraben) und Galopp (wenn möglich)
Hilfsmittel: 1 Person zum Führen oder Longieren, 2 Tennisbälle
Nachdem Sie Ihr Pferd und sich gelöst und warm gemacht haben, bitten
Sie jemanden Ihnen zu helfen einen Tennisball unter den rechten Arm
und einen Tennisball unter den linken Arm zu klemmen. Der Ball sollte
oberhalb der Ellenbogen zwischen Arm und Oberkörper geklemmt werden.
Der Helfer sollte sich nicht ganz entfernen, denn es passiert schon
mal, dass man einen Ball verliert.
Funktion von Hand und Ellbogen beim Reiten
Die Hand mit der Zügelhilfe kommt beim Reiten erst nach der Gewicht-
und Schenkelhilfe. Sie ist Signal gebend und soll dem Pferd die Orientierung
geben. Dabei entscheidet der Reiter, ob das Signal für mehr Aufmerksamkeit
steht oder eine begrenzende oder befreiende Einwirkung hat, wie zum
Beispiel bei Seitengängen. Die Art und Weise einer Zügelhilfe
offenbart die Persönlichkeit eines Reiters.
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Text
& Fotos: Schneider
I Horses
In Media
Frauke Behrens
Seit über 20 Jahren ist Behrens in der Physiotherapie zuhause.
Als leidenschaftliche Reiterin erkannte sie bald die Schwierigkeiten
vieler Reiter und entwickelte ein Programm zur Verbesserung des
Reitersitzes. In bundesweiten Kursen lehrt die Norddeutsche mehr
Körperwahrnehmung, sensibilisiert Reiter für ihre eigenen
Bewegungsabläufe und sorgt durch gezielte Übungen für
Erfolge im Sattel. |
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4. Übung
Für Reiter mit kleinen Engelsflügeln
oder Henkeltassen

3. Übung
Für Reiter mit verdrehten oder
unruhigen Händen

4. Übung:
unruhige Hand


2. Übung
Strecken und Recken

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