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Das Becken stellt das Bindeglied
zwischen Ober- und Unterkörper dar und wird durch Muskeln und Bänder
miteinander verbunden. Viele Reiter empfinden beide Beckenhälften als
starre Konstruktion wobei das Gegenteil der Fall ist: durch Knochen,
Gelenke, Knorpel, Bänder und Muskeln hat das Becken eine Flexibilität,
die im Sattel sinnvoll genutzt werden kann. Die Idealhaltung des Beckens
Das Becken, zusammen mit den Hüften und der Lendenwirbelsäule, bilden
die Mittelpositur des Reiters, sein Zentrum. Reiterliche Sitzfehler
wie unruhige Hände, flatternde Unterschenkel, offene Knie oder wackelnder
Kopf finden hier in 95 Prozent der Fälle ihren Ursprung.
Die ideale Position ist abhängig
von der Stärke der Bauchmuskulatur und der Stellung der Lendenwirbelsäule.
Das Becken sollte aus der Mittelstellung heraus die Möglichkeit haben,
gleich stark nach vorne oder hinten kippen zu können. In dieser Lage
fängt der Reiter den ankommenden Schwung der Pferdebewegung als erstes
auf. Optimaler Weise spielt der Reiter mit dem Anspannungsgrad der Muskulatur
(dem Tonus) und wirkt zum richtigen Zeitpunkt auf das Pferd ein. Seine
Aufrichtung und Balance bleibt erhalten, er tanzt mit Drehungen zu unterschiedlichen
Rhythmen und Takten - Harmonie entsteht.
Fehlhaltungen erkennen
Ursachen erforschen
Jeder Mensch hat eine individuelle Körperhaltung. Aus diesem Grund führe
ich hier verschiedene mögliche Ursachen einer Fehlhaltung auf eine genaue
Diagnose stellt der Arzt.
1. Becken zu weit nach
vorne gekippt (Spaltsitz)
Der Reiter hat sein Becken
zu weit nach vorne gekippt, geht eventuell zu stark ins Hohlkreuz, Tendenz
zum Spaltsitz
Mögliche Ursachen:
Wirbelsäulen-Deformation
Fehlhaltung (zu schwache Bauchmuskulatur)
Schlecht auf den Reiter abgestimmter Sattel
Falsches Bild vom aufrechten Sitz (meist wird gerade mit aufrecht
verwechselt)
Muskuläre Zusammenhänge:
Zu weit nach vorne gekippt, behindert das Becken die Bewegungsharmonie
zwischen Pferd und Reiter. Der Winkel der Hüftbeugung wird in dieser
Haltung verkleinert. Die Hüfte beugt sich, ohne, dass die Bewegung des
Pferdes diese Bewegung eingeleitet hat. In dieser Position kommt der
Reiter leicht mit dem Körper hinter die Bewegung. Die Bauchmuskulatur
wird in eine gedehnte Position gebracht, die untere Rückenmuskulatur
verkürzt sich. Folge kann eine Dysbalance in der Muskulatur, der vorderen
und hinteren Bauchmuskulatur sein sowie eine Dysbalance zwischen der
unteren Rückenmuskulatur und der Oberschenkelinnenmuskulatur.
Häufig sind Reiter in der
Lendenwirbelsäule hypermobil (Überbeweglichkeit der Gelenke) und können
gut aus der Mittelpositur heraus mitschwingen. Jedoch treten dann meistens
Probleme in der Brustwirbelsäule auf. Meistens entstehen die größten
Verspannungen zwischen den Schulterblättern. Denn hier liegt häufig
das Gegenstück zur Hypermobilität, die Hypomobilität (zu geringe Bewegungsmöglichkeit
der Gelenke). Das eine geht leider oft mit dem anderen einher.
2. Becken zu weit nach
hinten gekippt (Stuhlsitz)
Der Reiter hat sein Becken
zu weit nach hinten gekippt und kommt in den Stuhlsitz Foto: Stuhlsitz
BU: Beim Stuhlsitz ? hier eine leichte Fehlhaltung - ist das Becken
zu weit nach hinten gekippt Mögliche Ursachen: o Schnitt des Sattels:
Manche Westernsättel haben ihre Steigbügelaufhängung sehr weit vorne
(zum Beispiel Cuttingsättel). Hier kann der Stuhlsitz nicht verändert
werden.
Abgeflachte Lendenwirbelsäule
Angst (siehe auch Teil 6)
Der Reiter ist ein Einsteiger Muskuläre Zusammenhänge Zu weit
nach hinten gekippt behindert das Becken den gemeinsamen Bewegungsablauf
zwischen Pferd und Reiter. Hier ist der Winkel in der Hüftbeugung ebenfalls
verkleinert, wenn der Reiter die Knie hochzieht. Die Bauchmuskeln sind
verkürzt und die der unteren Wirbelsäule gedehnt. Es läuft auf eine
Dysbalance hinaus, Knieproblemen können entstehen. Man kann diese Sitzform
aus verschiedenen Perspektiven betrachten:
Der Sitz kann aus einer Angst heraus resultieren. Der Stuhlsitz
stellt mit angezogenen Knien und zusammengesunkenen Oberkörper eine
Embryo Schutzhaltung da, die der Mensch unbewusst einnimmt, um Schutz
zu finden.
Anfänger neigen zum Stuhlsitz weil er physikalisch die größte
Wahrscheinlichkeit beinhaltet (Affenklammerhaltung), nicht vom Pferd
zu fallen. Der Reiter empfindet sich als Gerade und es fehlt einfach
an genügender Rumpfmuskulatur.
3. Oberkörper vor der
Senkrechten
Mögliche Ursachen:
Gleichgewichtsprobleme
Die Wahrnehmung des Reiters für die Mitte fehlt
Der Reiter hat einen zu hohen Muskeltonus o Beckenfehlstellung
Wirbelsäulendeformationen
Muskuläre Zusammenhänge:
Der Reiter sitzt nicht in seinem Schwerpunkt und ist dadurch weiter
nach vorne gelagert. Er sitzt auch nicht über dem Schwerpunkt des Pferdes,
wodurch das Pferd die vermehrte Last auf der Vorhand tragen und ausgleichen
muss. Die Rückenmuskulatur des Reiters arbeitet dann mit der vorderen
oberen Oberschenkelmuskulatur und der hinteren Wadenmuskulatur zusammen.
Durch Ausbleiben des Gleichgewichtes nimmt der Reiter vermehrt die Unterschenkel
zurück. Die Bauch- und Rückenmuskulatur, hintere Oberschenkelmuskulatur
und seitliche Unterschenkelmuskulatur kommen so nicht optimal zum Wirken.
Die Folge: Eine Dysbalance.
4. Oberkörper hinter der
Senkrechten
Der Reiter versucht unbewusst
dem Schwung des Pferdes auszuweichen (siehe auch Teil 2)
Gleichgewichtsprobleme
Fehlende Wahrnehmung des Reiters für die Mitte
Der Reiter hat einen zu hohen Muskeltonus
Beckenfehlstellung Blockaden in der Wirbelsäule Wirbelsäulendeformationen.
Muskuläre Zusammenhänge:
Der Reiter sitzt nicht im Schwerelot und Schwerpunkt und damit nicht
über dem Schwerpunkt des Pferdes. Die geraden Bauchmuskeln des Reiters
arbeiten nun stärker mit der Gesäß- und vorderen Oberschenkelmuskulatur.
In dieser Haltungsschwäche arbeitet die vordere Muskelkette des Rumpfes
mehr als die hintere, was eine Dysbalance zur Folge hat. Bei dieser
Fehlhaltung sollten Sie sich an einen Therapeuten Ihres Vertrauens wenden.
Korrektur durch Bodenübungen Fehlhaltungen im Becken basieren häufig
auf einer Beckenschiefstellung oder -verdrehung. Ursachen dafür liegen
in der Wirbelsäule, den Knien, Füßen oder Kiefergelenken. Gelenke haben
ihren Zusammenhang in der Biomechanik unseres Körpers: Knie und Schultern
stellen einen funktionellen Zusammenhang dar, ebenso wie Kiefergelenke
und Kreuz- Darmbeingelenke, Lendenwirbelsäule und Halswirbelsäule. Das
Becken ist dabei ein Schlüsselpunkt.
In unserer Kultur ist es verpönt, als Frau oder Mann das Becken beim
Gehen frei mitschwingen zu lassen. Frauen wackeln nicht mit dem Allerwertesten,
weil es sich nicht gehört. Eine Bitte an alle Frauen: wackelt wieder!
Lernt, losgelassen zu atmen und gehen. Atmet in den Bauch und geht frei
und mit Schwung.
1. Bodenübung: Für
Reiter, die Ihre Becken zu weit nach vorne oder hinten kippen
Sinn & Zweck: Zentrieren des Hüftkopfes in der Hüftpfanne
Legen Sie sich auf den Rücken, nehmen Sie ein normales Handtuch und
schlingen Sie dieses um ihr linkes aufgestelltes Bein. Heben Sie das
Bein leicht an und umfassen Sie mit beiden Händen die Enden des Handtuchs,
so dass Sie ihre Hände auf Ihrem Bauch ablegen können. Ziehen Sie zur
diagonalen rechten Schulter während Sie ihr linkes Bein langsam ablegen
und lang neben dem rechten Bein ausstrecken. Wiederholen Sie diese Übung
drei Mal auf jeder Seite, abends vor dem Schlafengehen und morgens vor
dem Aufstehen eine Woche lang.
2. Bodenübung:
Für Reiter, die Ihre Becken zu weit nach vorne oder hinten kippen
Sinn & Zweck: Mobilisation der Kreuz-Darmbeingelenke
Begeben Sie sich in den Vierfüßlerstand und fädeln Ihr linkes Bein vor
dem rechten ein, wenn möglich ohne die Hände anzuheben. Danach fädeln
Sie Ihr rechtes Bein vor dem linken ein und so weiter. Nach etwa fünf
Schritten fangen Sie an, in kleinsten Schritten seitwärts zu gehen.
Vier Schritte nach links und vier nach rechts. Versuchen Sie, in der
Seitwärtsbewegung eine leichte Dehnung in den äußeren Oberschenkeln
zu spüren.
3. Bodenübung:
Diese Übung ist für alle Fehlhaltungen
Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie Ihr rechtes Bein so auf,
dass der rechte Fuß flach auf dem Boden steht. Legen Sie jetzt das linke
Bein mit dem Fußknöchel auf das rechte Knie. Strecken Sie die Arme in
Richtung Decke und falten Sie die Hände ineinander. Lassen Sie die Beine
in die eine Richtung absinken und Ihre Arme in die andere - also eine
Art Verdrehung der Wirbelsäule. Führen Sie die Bewegung sanft in einem
langsamen Rhythmus gegeneinander aus, ohne in eine Dehnhaltung zu kommen.
Es ist nicht wichtig, ob sich Ihre Schultern abheben oder nicht, Ihr
Fuß oder Ihr Knie tatsächlich den Boden berührt. Wichtig ist, dass Sie
Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Lendenwirbelsäule richten und spüren wo
Bewegung stattfindet und ob eine Seite leichter geht als die andere.
4. Bodenübung:
Für Reiter, die ihren Oberkörper vor oder hinter der Bewegung haben
Hilfsmittel: großer Gymnastikball Setzten sie sich mit dem Gymnastikball
so vor einen Spiegel, dass Sie sich von der Seite betrachten können.
Stellen Sie Ihre Füße hüftbreit auseinander, legen Sie Ihre Hände auf
den Oberschenkeln ab. Versuchen Sie mit dem Becken durch Vor- und Zurückkippen
des Beckens, den Ball vor- und zurückzubewegen. Der Oberkörper bleibt
dabei ruhig in der Mitte positioniert. Sitzkorrektur Wie in den vorangegangenen
Teilen erläutert, ist es wichtig, dass der Reiter die Übungen vorerst
trocken auf dem Boden ausprobiert. Auch das Pferd braucht eine Vorbereitung:
Machen Sie es vor jeder Übung mit den Hilfsmitteln bekannt. Sie können
die Gangart bestimmen, wobei ausgesessener Trab am Effektivsten ist.
Im Schritt, Tölt und Jogg kann die Übungszeit einfach verdoppelt werden.
1. Übung Für Reiter,
die Ihr Becken zu weit nach vorne kippen
Hilfsmittel: Tennisball, Longe Positionieren Sie den Tennisball
unter Ihren linken inneren Oberschenkel, etwa auf 2/3 der Strecke zwischen
Knie und Hüfte. Traben Sie aussitzend vier Bahnrunden.
Legen Sie den Ball nun unter den rechten Oberschenkel und wiederholen
Sie die Runden. Reiten Sie nun mit dem Tennisball unter dem Sitzbeinhöcker
(siehe Reiterphysiotherapie, Teil 2).
2. Übung Für Reiter, die
Ihr Becken zu weit nach hinten kippen
Sinn & Zweck: Lösen von fester Muskulatur Hilfsmittel: 1 Tennisball,
eventuell an der Longe Klemmen Sie den Tennisball unter Ihren linken
inneren Oberschenkel, kurz oberhalb des Knies. Traben Sie vier Runden
leicht. Positionieren Sie ihn zuerst unter den linken und danach unter
den rechten Sitzbeinhöcker (siehe Reiterphysiotherapie, Teil 2).
3. Übung Für Reiter, die
den Oberkörper vor der Senkrechten haben Gymnastikbänder (Latexbänder)
jeweils 1 Meter lang oder 2 Bänder à 2 Meter, Tennisball, Longe Lassen
Sie sich beim Anlegen der Schlingen behilflich sein und gewöhnen Sie
Ihr Pferd an die Bänder.
Verknoten Sie die Gymnastikbänder vor dem Reiten so, dass Sie zwei Schlingen
à 2 m haben. Führen Sie die Schlinge mit Hilfe einer anderen Person
von der Hacke des linken Fußes über den Kopf diagonal zur rechten Schulter.
Die Schlingen verlaufen diagonal und ihr Druck sollte Ihnen das Gefühl
geben, dass die Hacken hochgezogen werden. Richten Sie sich gegen den
Druck nach vorne oben auf, übertreiben Sie die Haltung ruhig. Haben
Sie sich im Schritt an die Bänder gewöhnt, können Sie abwechselnd leichttraben
und aussitzen. Ihr Fokus sollte auf den Gegendruck gerichtet sein. Kontrollieren
Sie sich im Spiegel oder lassen Sie einen Helfer kommentieren, ob Sie
sich wirklich im Schwerelot befinden. Reiten Sie mit den Bändern, Zirkel
oder ganze Bahn für etwa 10 bis 15 Minuten, oder an der Longe. Nachdem
sie die Bänder abgenommen haben sollte sich ein Gefühl des "leichter
Fühlens" einstellen. Versuchen Sie nun im Schwerelot zu sitzen. Es sollte
Ihnen für eine gewisse Zeit gelingen.
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Text & Fotos: Schneider
I Horses In Media
Frauke Behrens
Seit über 20 Jahren ist Behrens in der Physiotherapie zuhause.
Als leidenschaftliche Reiterin erkannte sie bald die Schwierigkeiten
vieler Reiter und entwickelte ein Programm zur Verbesserung des
Reitersitzes. In bundesweiten Kursen lehrt die Norddeutsche mehr
Körperwahrnehmung, sensibilisiert Reiter für ihre eigenen
Bewegungsabläufe und sorgt durch gezielte Übungen für
Erfolge im Sattel. |
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| Tipp zur Wahrnehmung:
Nehmen Sie Ihre Hände
vor Ihren Körper und umfassen Sie damit eine imaginäre Vase. Wenn
Sie nun Ihre Hände im Handgelenk nach unten oder oben kippen,
stehen die Handflächen für die Beckenschaufeln. Halten Sie nun
eine Hand höher als die andere, stellt das eine Beckenschiefe
da. Kommt eine Hand zu weit nach unten und die andere nach oben,
stellt dem eine Verdrehung im Becken dar. Vorschau: Und wie sich
die Haltung Ihrer Knie und Fußgelenke auf Ihren Sitz auswirkt,
lesen Sie im nächsten Teil der Serie "Reiterphysiotherapie mit
Frauke Behrens". |


1. Bodenübung

2. Bodenübung: Diese Übung sorgt
für Mobilität der Lendenwirbelsäule
und des Beckens

4. Bodenübung: Mit Hilfe des Gymnastikballs können Sie Ihre
Mitte finden.

1. Übung im Sattel: Verspannung ade - diese Übung löst feste Muskulatur.


3. Übung im Sattel: Um Fehlhaltungen
zu verbessern, muss der Reiter Sie
erst einmal erkennen - das Reiten mit Bändern hilft ihm dabei.
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