Locker & leicht in Balance Sitzschulungskurs
mit Reiterphysiotherapeutin Frauke Behrens
Hundert mal ermahnt der Reitlehrer seinen Schüler "nimm deinen Schenkel mehr zurück", oft Jahr für Jahr. Bei den wenigsten Reitern hat das Vorgeben einer Sitzhaltung von Außen langfristige Erfolge, meistens fällt der Reiter schnell wieder in sein altes Sitzmuster zurück. Gründe dafür liegen im Zusammenspiel seiner Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder, in seiner Persönlichkeit, seinem emotionalen Zustand, der sich immer über die Körperhaltung ausdrückt, in zu behandelnden körperlichen Erkrankungen oder in vorhandenen Knochenveränderungen.
Im Sitzschulungskurs von Frauke Behrens für alle Reitweisen, werden - unter Berücksichtigung der körperlichen Voraussetzungen - die erwünschten Haltungen erfühlt. "Nur wenn der Reiter fühlen kann, wo sein Schenkel liegt und leigen soll, kann er ihn auch immer wieder in diese Position bringen", erläutert die Physiotherapeutin. Die in der Schmerztherapie entwickelten Hilfmittel wie Tennisball und Terrabänder helfen dabei, die richtigen Impulse zu setzten.
"Es gibt zum Beispiel einen Muskel, der vor allem für Reiter sehr wichtig ist. Er geht von den Lendenwirbeln bis zum Sitzbeinhöcker und ist nicht selten fest. Zu fest, um locker mit dem Pferd mitzuschwingen. Um diesen verspannten Muskel zu lösen, würde eine (ehere schmerzende) tiefe Massage nötig sein, da der Muskel unter anderen Muskelsträngen liegt. Das Reiten auf dem Tennisball massiert diesen tief liegenden Muskel und lockert ihn. Das Ergebnis: einen tiefen weichen Sitz, der den Reiter ins Pferd bringt. Den Ball setzt Frauke Behrens individuell ein, da jeder Reiter seine eigene Geschichte hat.
Die Terrabänder, die unterschiedlich verschnallt werden können, haben eine andere Wirkung. Bei einem Reiter, der zum Beispiel seine Fersen hochzieht, schnallt Behrens sie unter den Stiefel bis zur gegenüberliegenden Schulter. Nun geht der Reiter damit Schritt, Trab oder auch Galopp und drückt beim Leichttraben nun mit der Fersen gegen den Druck nach unten. Er spürt, wo seine Ferse ist, wo sein Bein liegt. Nimmt man die Schlinge nun ab, fühlt der Reiter nun den imaginären Druck, wo seine Ferse ist. ER fühlt es, der Reitlehrer sagt es nicht nur. Wichtig: die Terrabänder sind ein aus der Therapie stammendes Hilfsmittel und sollten nur mit dem deazugehörigen Fachwissen angewandt werden. Bei körperlich vorgeschädigten Reitern und falscher Verschnallung könnten sie Schaden anrichten. Tennisbälle zur Lockerunge können hingegen auch zuhause im Stall angewandt werden.
Während des Kurse bietet Frauke Behrens aber nicht nur Übung mit Hilfmitteln an, sondern geht individuell auf die Bedürfnisse der Reiter ein. Hilfestellung bei reiterlichen Fragen, bei persönlichen Aspekte wie Unsicherheit oder Angst im Sattel und eine ausführliche Erläuterung des menschlichen Körpers anhand des Skeletts 'Sam' geben den Teilnehmern ein umfassendes Verständnis mit auf den Weg - theoretisch udn praktisch.
Eine Viedoanalyse von jedem Reiter - vor und nach den Übungen - verdeutlicht den Ist-Zustand und lässt die Änderungen im SItz am letzten Kurstag erkennen.
Fotos: Schneider I Horses In Media
Dieser Sitzschulungskurs mit Frauke Behrens fand letztes Wochenende im Trainingsstall Linda Leckebusch statt und hinteließ begeisterte Teilnehmer. Der nächste Kurs in Nümbrecht ist vom 16.-18. November 2007.
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