Hufrehe: Fast eine Zivilisationskrankheit

Erkrankungen der Hufe, von Strahlfäule über Hufabszesse bis zur Hufrehe, sind ein weites Feld und meistens haltungs-
und nutzungsbedingt, weshalb Vorbeugung Sache des Pferdebetreuers ist. Wie Sie Hufrehe frühzeiteig und rechtszeitig erkennen, was wichtige Sofortmaßnahmen sind und waraus sie resultieren kann, erläutert Ihnen Haltungsexperte Ingolf Bender.

Vorbeugung beginnt bereits im Fohlenalter, denn durch unterschiedliche Haltungsmängel - einschließlich Vernachlässigung der Hufpflege und/oder fehlende Hufkorrektur - werden die Grundlagen für viele spätere Probleme bereits gelegt. Im Folgenden soll die verbreitetste Erkrankung der Hufe, die sogenannte Fütterungs-Hufrehe, besprochen werden, da diese Erkrankung zunehmend als „Zivilisationserkrankung“ auf dem Vormarsch zu sein scheint.

Hufrehe ist die Folgeerscheinung
entweder einer akut-kurzfristigen, manchmal auch periodisch auftretenden oder oft auch ständig fortdauernden Unterbrechung des Blutflusses zur Huflederhaut aus unterschiedlichen Ursachen. Die gesunde Huflederhaut sichert das Hufbein (das ist ein keilförmiger Knochen) im Fuß des Pferdes gegen die Hornwand. Durch einen die Hufrehe kennzeichnenden Entzündungsprozess wird die Huflederhaut durchweg nachhaltig beschädigt und die Verbindung des Hufbeins zur Hornwand beeinträchtigt. Im fortschreitenden Stadium können sich Hufbein und Hornwand sogar trennen, weil die beschädigte Huflederhaut nun nicht mehr in der Lage ist, die Verbindung des Hufbeins zur Hornwand statisch aufrechtzuerhalten. Dadurch kann sich das Hufbein im Fuß nach unten verschieben und die Hornsohle durchbrechen. Hufrehe kann einen oder alle Hufe betreffen, meist sind beide vorderen Gliedmaßen betroffen. Die einzig wirksame Maßnahme gegen Hufrehe ist Vorbeugung.

Aktuell: Früherkennung und vorbeugende Therapie
Ein Team der veterinärmedizinischen Fakultät der Freien Universität Berlin fand heraus, dass bei Fütterungsrehe in der Entstehungsphase (sog. Initialzeit) bereits Anzeichen feststellbar sind – noch bevor die Hufreheerkrankung sich mit klinischen Symptomen manifestiert hat (RAU, VETimpulse Nr. 24, 2005). Aus dieser Früherkennung ergeben sich neue Möglichkeiten zur vorbeugenden Therapie, die den Prozess stoppen können. Gelingt dies, lahmt das betroffene Pferd erst gar nicht und zeigt auch nicht die für Hufrehe typische Schmerzstellung. In der Entstehungsphase bewegt sich ein betroffenes Pferd zwar noch normal und zeigt kein geändertes Fressverhalten, doch sind die Wärmeverhältnisse im Huf bereits anders als normal verteilt – und dieses Stadium gilt es rechtzeitig zu erkennen: Beim unauffälligen Huf eines „Normalpferdes“ nimmt die Temperatur von der Krone bis zum Tragrand ab (das Temperaturgefälle beträgt etwa 1 ° C je cm), in der Initialzeit aber ändert sich die Wärmeverteilung, sie besteht nun in einem zungenartigen Bereich an der Seitenwand des Hufes, der dann die gleiche Temperatur zeigt, wie sie im Bereich der Hufkrone herrscht!
Dies kann durch ein Wärmebild (sog. Thermografie) relativ einfach gemessen werden. Hierzu bedient man sich einer handlichen, mobilen Wärmekamera (z. B. Pyrometer „HorseScan“ der Firma Raytek). Der (preislich erschwingliche) Pyrometer misst berührungslos die Temperatur am anvisierten Körperpunkt. Er ist ein empfehlenswertes Hilfsmittel, das Betreuer vordisponierter bzw. leichtfuttriger Pferde im Interesse der Vierbeiner erwerben und einsetzen sollten. Mit ihm kann (und sollte) auch kontrolliert werden, ob und in welchem Maß eine Kühltherapie Erfolg hat (Wartezeiten von etwa vier Stunden bis zur Messung nach Kühlung sind einzukalkulieren, denn diese Zeit muss verstreichen, damit sich die maßgebende körpereigene Huftemperatur wieder einstellt).

Die vorbeugende Therapie (sie führt im besten Fall zur völligen Beseitigung der Problematik ohne jeden Medikamenteneinsatz) muss sofort bei festgestellten Wärmebildveränderungen, die eine Entstehungsphase belegen, einsetzen. Zu veranlassen sind (neben der Korrektur risikoreicher Haltungs- und Fütterungsmaßnahmen und nun laufend begleitender Wärmemessungen):
1. Kühlen der betroffenen Hufe (u. U. mehrere Wochen erforderlich; hierzu benutzt man Wasser speichernde Hufglocken mit Polstereinlagen, die jeweils abwechselnd im Kühlschrank auf 6 ° C heruntergekühlt, anschließend für etwa eine Stunde angelegt und dann wieder heruntergekühlt werden) und
2. huforthopädische Versorgung durch Hochstellen der Trachten (was nachweislich erfolgreich ist, um Lageveränderungen des Hufbeins zuvorzukommen – vergleiche in diesem Zusammenhang die kritischen Ausführungen zum Komplex „Trachtenkürzung“ am Ende des Artikels).

Man unterscheidet verschiedene Arten von Hufrehe, die gleiche oder jedenfalls ähnliche Auswirkungen zeigen.
Fütterungsrehe ist die häufigste Rehe und wird primär verursacht durch Aufnahme großer Mengen energiereichen Futters. Auslöser sind in erster Linie stark kohlenhydratreiche Futtermittel, z. B. Kraftfuttermittel oder besonders zuckerhaltiges Grünfutter. Der Rehe auslösende Schwellenwert wird immer dann erreicht, wenn in kurzer Zeit naturwidrige Futtermengen mit hoher Energiedichte gefressen werden, die das Pferd nicht schadlos verwerten kann. Frisst ein Pferd z. B. eine übergroße Menge Hafer (dieser ist reich an Kohlenhydraten!) in einer Portion, dann presst der Magen, weil er unnatürlich mit Körnerbrei überladen ist, dieses Futter erheblich zu schnell und deshalb teils unvollständig vorverdaut in den Dünndarm. Danach gelangt das Futter in den Blinddarm, der als „Gärkammer“ u. a. etliche Milliarden Rohfaser verdauende Bakterien, aber auch große Kolonien solcher Bakterien, die Kohlenhydrate verdauen, enthält. Durch das Überangebot an Kohlenhydraten vermehren sich nun explosionsartig alle jene Bakterien, die Kohlenhydrate verdauen – es entsteht zunächst ein Ungleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Bakterienarten. Da die massenhaft sich vermehrenden Kohlenhydrat-Bakterien nun auch noch erheblich mehr Milchsäure als normal produzieren, verändert sich der Säurezustand (gemessen als sog. pH-Wert) im Darm von 7 (= neutral) auf etwa 6 (= sauer). Durch dieses veränderte Darmmilieu setzt wiederum ein Massensterben der Rohfaser-Bakterien ein, für die dieses saure Milieu lebensfeindlich ist. Die Rohfaser-Bakterien enthalten Endotoxine (Giftstoffe), die beim Absterben freigesetzt werden. Zusammen mit Milchsäure werden diese Giftstoffe aus dem Darm in die Blutbahn aufgesogen, das führt u. a. zu einer Übersäuerung des Organismus. Daraus resultieren als Folge Entzündungsprozesse mit Durchblutungsstörungen der Huflederhaut, was Schwellungen/Ödeme und enormen Druckschmerz im Huf verursacht. Die Oberhautblättchen lösen sich von den Lederhautblättchen und der Abstand von Hufbein und Hufwand vergrößert sich in dem Maße, in dem sich beide voneinander lösen.

• Wird dieser Rehe-Vorgang nicht schon frühzeitig erkannt und gestoppt (was durch Wärmemessungen möglich ist; siehe einleitenden Text), dann liegt meist bereits innerhalb von 48 Stunden eine chronische Rehe vor ? mit kaum noch aufzuhaltenden schwerwiegenden Folgeschäden. Diese zeigen sich u. U. im Absinken des Hufbeins in die Kapsel, in einer Rotation des Hufes um das Hufgelenk, wobei die Hufbeinspitze zum Boden hin tendiert, oder in einer Kombination dieser Formvarianten. Bei schwerer Rehe drückt die Hufbeinspitze stark auf die Hufsohle. Die Hufbeinspitze weicht dem Druck von unten aus durch Verformung (sog. Nasenbildung). In schwersten Fällen bricht die Hufbeinspitze durch die Sohle. Das Endstadium bildet das sogenannte Ausschuhen, bei dem sich die Hufkapsel komplett ablöst - was in der Regel zum Verlust des Pferdes führt.

Erkennungsmerkmale/Sofortmaßnahmen bei Hufrehe:
1. Unruhe, gestörtes Allgemeinbefinden, evtl. häufiges Hinlegen.
2. Stark erhöhte Hufwärme tritt auf, wenn der Huf bereits erkrankt ist.
3. Erwärmter, leicht geschwollener Kronrand sowie klammer, verhaltender Gang, besonders bei engen Wendungen sowie erhöhte Pulsation der Zehenarterie (am Fesselkopf zu fühlen).
4. Sind alle vier Beine oder nur die Vorderbeine von der Rehe betroffen, stellt das betroffene Pferd die Hinterbeine zur Verlagerung des Schwerpunktes (= Entlastung der Vorhand) nach vorne unter den Bauch, das Gewicht der Vorderhand wird auf die Trachten (Ballenfußung) verlagert. Sind die Hinterbeine erkrankt, bringt das Pferd die Vorderbeine weit nach hinten unter den Bauch, senkt als Gegengewicht den Kopf und belastet die Hinterhufe abwechselnd. Ist nur ein Bein betroffen, wird dieses hochgehalten.
5. Druckempfindlichkeit beim Abtasten der Sohle mit der Hufuntersuchungszange
6. Unverzügliche Notfall-Benachrichtigung von Tierarzt und Hufschmied.
7. Kühlen der betroffenen Hufe zur Schmerzlinderung und Ödemvermeidung, z. B. durch Abspritzen mit Wasserschlauch.
8. Fütterung vorrangig mit Heu, evtl. mit Zugabe von Biotin und Keratinsulfaten sowie Mineralstoffen (zunächst kein Kraftfutter, kein Weidegras mehr füttern); Ausnahme: Hochtragende und säugende Stuten, sie benötigen nach wie vor relativ viel Energienährstoffe, die teils über fettreiche Futtermittel (sie sind nicht Verursacher von Rehe!) zugeführt werden können.
9. Standfläche (Stallliegefläche) muss huffreundlich sein, d. h. das Pferd braucht einen Boden, in den der Huf gleichmäßig einsinken kann, damit sich das Gewicht auf den ganzen Huf samt Sohle verteilen kann, vorteilhaft sind Sand-Späne-Gemische.
10. Bei Transporten oder sonstiger Bewegung muss eine Sohlenpolsterung angebracht werden (z. B. mit Handtüchern oder dicker Watte; darüber wird eine Socke gezogen, die in der Fesselbeuge mit Klebeband fixiert wird).
11. Verbände anlegen, z. B. zur dreimal täglichen Kalt-Warm-Behandlung oder zum Herausziehen der Entzündung (Krautwickel oder Lehm mit Essig).
Tierärztliche Therapie:
1. Aderlass (etwa 5 Liter), um Blutverdünnung zu erzielen; Infusion von Kochsalz/Elektrolyten.
2. Blutegeltherapie als naturheilkundliche Maßnahme.
3. Durchblutungsförderung und Schmerztherapie (z. B. durch Acetylsalicylsäure, Heparin) und zur Entwässerung (Ödemtherapie) Diuretika.
Bildgebende Untersuchungsverfahren:
1. Röntgenaufnahmen können mit tragbarem Röntgengerät vor Ort angefertigt werden.
2. Computertomografische Aufnahmen sind nur in der Tierklinik möglich. Dabei wird die Lage des Hufbeins festgestellt, Rotation bzw. Abstand zwischen Hufaußenwand und Hufbein nach Ablösung und Drehung der Hufbeinspitze nach unten gemessen sowie der Abstand zwischen Hufbein und Sohle.
Rehegipse:
Ziel der unterschiedlichen Eingipsmethoden ist a) die Entlastung der schmerzenden, geschädigten Zehe durch Gewichtsverlagerung auf den Trachtenbereich und b) Verhinderung der Zugspannung der tiefen Beugesehne, damit die Drehung des Hufbeins verhindert wird. Ein unterer Rehegips kann (bei beginnender, noch leichter Rehe) als Soforttherapie im Stall angelegt werden, andere Gipse sind durchweg nur unter Klinikbedingungen anzubringen.

• Die Therapie durch Hufrehegipse ist umstritten, denn durch Hufrehe bedingte Druckveränderungen unter der Sohle können problematisch werden, sie sind aber nach dem Eingipsen nicht mehr oder nur unpräzise feststellbar; auch können Scheuerstellen durch das Eingipsen nie ausgeschlossen werden ? mit der Folge von Wundinfektionsgefahren. Zudem ist auch das wirksame Kühlen der Zehe nach dem Eingipsen unmöglich.
Behandlung durch Hufbearbeiter/Hufschmied:
1. Abnehmen eines vorhandenen Beschlags,
2. Herstellung einer schwebenden Zehe,
3. Kürzen bzw. Erhöhen der Trachten,
4. Einfräsen von Dehnungsfugen,
5. Anfertigung einer punktuellen Bohrung,
6. Entfernen des Narbenhorns und evtl.
7. Anbringung eines Rehehufbeschlags.

Trachtenproblematik

Heftig diskutiert wird im Zusammenhang mit der Hufbearbeitung u. a. das Erhöhen oder Kürzen der Trachten. Pferdehaltern sind die Zusammenhänge oft unklar, sie müssen sich deshalb entweder auf die Ratschläge des örtlichen Hufbearbeiters verlassen oder – in Kenntnis der unterschiedlichen Argumente – über das Vorgehen selbst entscheiden. Das Für und Wider muss auch immer auf den Einzelfall und die Schwere der Symptome bezogen und als „Güterabwägung“ beurteilt werden. Bei einer vorbeugenden Therapie in der Entstehungsphase (gegründet auf pyrometrische Messungen) ist die Trachtenerhöhung nachweislich wirksam.
Grundsätzlich als sinnvoll (und erfolgreich) erscheint zunächst auch bei akuten Beschwerden die konsequente Trachtenerhöhung (evtl. in Verbindung mit einem exakten Rehehufbeschlag), um die Gewichtsbelastung (mit Schmerzlinderung) auf die von Hufrehe weniger betroffenen hinteren Hufteile, die Trachten, zu verlagern und dem Zug der tiefen Beugesehne entgegenzuwirken. Dadurch lässt sich u. U. eine Hufrotation vermeiden. Doch zeigt andererseits nach einer Erhöhung der Trachten die Hufbeinspitze stärker nach unten, womit eine höhere Belastung des Aufhängeapparates (Hufbeinträger) verbunden ist, was die Ablösung (Zerreißung) der ineinander greifenden Blättchen verstärken kann – aber nicht muss.
Nach POLLIT (Universität Queensland, Australien) werden durch Aufschweiß- oder Einlege-Plastikkeile, die zur Trachtenerhöhung verwendet werden, die Digitalis-Arterien (zwischen Strahlbein und Beugesehne) abgeklemmt. Die Folge: Mangeldurchblutung der Huflederhaut als zusätzlicher Schadensfaktor plus ? als schädlicher Nebeneffekt durch nicht bodenparallele Hufstellung -Präjudizierung einer Hufbeinabsenkung.

Durch Trachtenkürzung (evtl. auch in Verbindung mit einem Rehehufbeschlag) kann zunächst ebenfalls eine Schmerzen lindernde Gewichtsverlagerung von der Zehe auf die Trachten erreicht werden. Dies entspricht zwar prinzipiell natürlichem Verhalten, denn Rehepferde nehmen von sich aus eine Streck-Schonhaltung ein, die als Trachtenfußung bezeichnet wird, ist aber auf weitere Sicht immer problematisch. Nach STRASSER führt eine Hufbearbeitung mit dem Ziel, eine sog. Bodenparallelität des Hufbeinrandes zu erreichen, zur Gesundung. Dies wird streitig diskutiert. Zu bedenken ist, dass diese Bodenparallelität des Hufbeines als Folge entsprechender Trachtenkürzung nicht ohne negative Folgen für Hornkapsel und Gliedmaßen gesehen werden kann! Trachtenzwang ist eindeutige Folge jeder länger dauernden Lastverteilung auf den hinteren Hufbereich.
• Im konkreten Einzelfall bespricht man als Pferdehalter sämtliche Sachverhalte mit dem Tierarzt und dem Hufbearbeiter, wobei sich Tierarzt und Hufbearbeiter „kurz schließen“ sollten, um die ersten Notfallmaßnahmen sowie eine längerfristige Therapiekonzeption zu erstellen. Hat man allerdings bereits beim Erstkontakt den Eindruck, dass einer der Beteiligten unklare Vorstellungen oder mangelnde Erfahrung hat und Maßnahmen nicht präzise begründen kann, sollte konsequenterweise kein Auftrag erteilt werden.

Im Zweifel kann auch eine „zweite Meinung“ eingeholt werden, wobei – der guten Ordnung halber – der zweite Therapeut über die Erstkonsultation und etwaige Erstmaßnahmen voll aufzuklären ist. Die Kosten für eine erste Notfallbehandlung durch Tierarzt und Hufbearbeiter sind mit 300 bis 400 Euro anzusetzen – da ist Vorbeugung erheblich günstiger!
Heilungsaussichten
Heilungschancen bei Hufrehe sind zwar nicht ausgeschlossen, dennoch sollte gerade diese Erkrankung in ihrer gesamten funktionalen Tragweite und der Schmerz- und Bewegungsdramatik für das Pferd nicht unterschätzt werden. Als Anhaltspunkt für Heilungschancen sind lediglich (eher ungenaue) statistische Erhebungen in der Literatur zu finden: Bei einer Hufbeinrotation von bis zu 5,5 ° ist mit Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit zu rechnen; beträgt die Rotation 5,5 bis 11,5 °, dann wird jede künftige volle Einsatzfähigkeit unsicher; bei 12 ° Rotation ist dauerhaft mit Gebrauchsunfähigkeit oder ganz erheblich verminderter Einsatzfähigkeit zu rechnen.

Risikominimierung
Zusätzlich zu den eingangs bereits angeratenen pyrometrischen Messungen und Folgetherapien, insbesondere bei vordisponierten Pferden, sind die auslösenden o. a. Risken für alle Pferde strikt zu beachten. Dazu zählen eine ernährungsphysiologisch konsequent in Menge und Portionierung der Leistung und der Haltungsform angepasste individuelle Fütterung sowie die Beachtung hoher Qualitätskriterien bei Auswahl und Vorlage jeglicher Futtermittel. Insbesondere Eigner von Pensionspferden sind gut beraten, Pensionsgebern im Hinblick auf Risiken für ihr Pferd bindende Hinweise zu geben und diese (stets z. B. bei vordisponierten Pferden) schriftlich festzuhalten. Nur so können ärgste „Überraschungen“ vermieden werden. Auch dient dies letztlich – z. B. bei unsachgemäßer bzw. nicht den Vorgaben entsprechender Fütterung durch den Betrieb – dazu, einen Ersatz des Schadens geltend machen zu können, was zwar leider dem Pferd nicht hilft, aber wenigstens die recht hohen finanziellen Diagnose- und Therapieaufwendungen sowie den Nutzungsausfall ausgleicht.

 

Ingolf Bender
Infos: Ingolf Bender BEBIOHIPPOLOG@AOL.COM

Ingolf Bender, freiberuflicher Autor und Lektor, beratender Biologe und Sachverständiger für art- und umweltgerechte Pferdehaltung; Jahrgang 1947; studierte mehrere Fächer unter anderem Volkswirtschaft, Biologie, Germanistik. Bisher hat er im In- und Ausland mehr als 500 Veröffentlichungen verfasst, darunter elf Bücher und mehrere wissenschaftliche Arbeiten / Dokumentationen; er arbeitet regelmäßig für bedeutende überregionale und regionale Fachzeitschriften, wie zum Beispiel der Reiter Revue international, Freizeit im Sattel, Pegasus, Pferde-Forum Weser-Ems, Reiterjournal Baden-Württemberg, Rheinlands Reiter Pferde, Mecklenburger Pferdejournal, Züchterforum.
Seminartätigkeit als Dozent der Kölner Pferdeakademie. Der Autor wuchs auf im Pferdebetrieb des Großvaters, ist langjähriger aktiver Freizeitreiter und bevorzugt Jagd- und Distanzreiten; er hält in Eigenregie eine Beobachtungsherde, bestehend aus Vollblutarabern, Fjordpferden und Dülmenern, auf eigenem, selbst bewirtschaftetem Grünlandhof, der Teil seiner privaten hippologischen Forschungsstation ist.



Text : Ingolf Bender Foto: Horses In Media