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Ganztags auf der Weide,
nachts in der Box, im Offenstall, 24 Stunden eingestallt, mit oder ohne
regelmäßigen Trainingseinheiten ? die Pferdehaltung in Deutschland orientiert
sich oft daran, was in der jeweiligen Reitweise üblich ist, ‚was man
halt schon immer so macht.' "Ganz gleich was für ein Pferd man hat oder
in welcher Reitweise man zuhause ist, die Schlaf-, Bewegungs- und Fressstätte
sollte sich immer an den individuellen Bedürfnissen der Pferde orientieren",
rät Jochen Schumacher, der nach langjähriger Leitung des FS-Zentrums
Reken einen fundierten Einblick in die Bedürfnisse der einzelnen Rassen
und auch in die der Pferdebesitzer bekommen hat.
"Es gibt keine allgemein
gültige Regel wie ‚alle Pferde müssen in den Offenstall'. Es muss ganz
individuell entschieden werden: Der Vollblüter, der mit einer Gruppe
Robustpferden in einem Offenstall steht wird als Herdentier bei seinen
Artgenossen bleiben. Dass heißt, wenn diese in Wind und Regen mitten
auf der Weide anstatt im Unterstand stehen, wird der Vollblüter, der
vielleicht aus einer Boxenhaltung kommt und ein dünneres Fell hat, dies
auch tun. So ein frierender Kandidat wäre besser in einer anderen Gruppe
oder nachts in der Box untergebracht", erläutert der Haltungsexperte.
"Damit sage ich nicht, dass Boxenhaltung artgerecht ist, sondern nur,
dass Pferde individuell in ihrem Gefüge betrachtet werden sollten. Für
den Vollblüter wäre eine Gruppe Gleichgesinnter in Offenstallhaltung
natürlich optimal.
Ausprobieren, Umstände ändern
und die Bedürfnisse des eigenen Pferdes herausfinden sollte im Vordergrund
stehen. Da Luft, Licht und Wetter unabdingbar für ein gesundes Pferd
sind, sollte eine Haltung, die dies auch bietet, angestrebt werden.
Folgende Punkte sind dabei wichtig:
Eine verträgliche, stabile Herde
genügend Platz zum Laufen, Spielen und um einander aus dem Weg
zu gehen (Vollblüter oder Warmblüter brauchen oft mehr Platz zum Laufen
Unterstand mit drei geschlossenen Seiten und zwei Eingängen oder
mehrere Unterstände (je nach Größe und Verträglichkeit der Gruppe)
Korrekte Haltungsbedingungen wie ein nicht zu matschiger Untergrund,
sichere Zäune, genügend und aufgefüllte Tränken, Raufutter, das in Raufen
oder mehreren Stapeln gefüttert wird, Weiden etc.
Hitze & Kälte: gesund für Sport- und Freizeitpferde
"Pferde brauchen Hitze und Kälte", betont Dr. Barbara Rauch der Pferdeakademie
in Köln. "Um optimale Bedingungen für Sport- oder Freizeitpferde erkennen
zu können, sollte man sich kurz vor Augen führen, wie das Pferd in Freiheit
lebt, wofür es ausgerüstet ist und wofür es keine Mechanismen hat: Pferde
sind Steppentiere und keine Höhlen- oder Waldbewohner. Die Steppe bietet
wenig Schutz durch Bäume oder Geländeformationen. Sie bedingt große
Temperaturschwankungen, im Verlauf der Jahreszeiten, aber auch zwischen
Tag und Nacht mit einem Unterschied von bis zu 40 Grad Celsius, weiterhin
viel Licht und volle Sonneneinstrahlung, Wind, Regen und Schnee. Pferde
haben eine sehr gute Hitze- und Kältetoleranz. Ihre Thermoregulation
funktioniert kurzfristig durch Schwitzen, Aufstellen des Fells und über
veränderte Durchblutung im Kapillarsystem der Haut, langfristig über
Fellwechsel und Fettschicht. Dabei sind sie es gewöhnt, dass es nachts
viel kälter ist als tags, und dass sie ständig mehr oder weniger Wind
und Frischluft haben.
Pferde können Kälte, Temperaturschwankungen,
Wind und Klimareize nicht nur gut vertragen, sondern brauchen sie für
ihre Abhärtung und für ihr Training. Rote Blutkörperchen müssen als
Sauerstoffüberträger gebildet werden, was ein gleichsinniger Trainingseffekt
ist."
Boxenhaltung kann krank machen
"Pferde haben keinen Schutz
gegen alles, was sich in stehender Luft - also in schlecht belüfteten
Stallungen - ansammelt, da dies in der Natur für sie nicht vorkommt:
dauerhaftes erhöhtes Aufkommen von Schadgasen, Staub und Krankheitserregern,
Parasiten sowie gegen Zugluft", erläutert die Tierärztin und Haltungsexpertin.
"Die bei Matratzenstreu entstehenden Ammoniakdämpfe greifen das empfindliche
Lungengewebe der Pferde an und zerstören es langfristig. Lungengewebe
vernarbt und kann sich nicht wieder erneuern. Ebenfalls in der ‚Matratze'
bei Luftabschluss entsteht Schwefelwasserstoff, das die roten Blutkörperchen
verändert und damit den Sauerstofftransport hemmt. Beides ist als Anti-Trainingeffekt
zu bewerten. Jeder kennt auch Heustauballergien, chronische Bronchitis
bis hin zur Dämpfigkeit." Ein Sportpferd ist kein Wildpferd - was ist
gesund? "Wieder einmal steht da die Betrachtung des Individuums im Vordergrund",
erinnert Schumacher.
"Pferde sind keine Menschen, müssen nicht nonstop in Deckchen gehüllt
und in Watte gepackt werden. Wer aber dennoch sein wertvolles Sportpferd
nicht in der Gruppe halten möchte, kann Kompromisslösungen finden: Ganzjährig
- mit oder ohne Decke - in einer Paddockbox oder tagsüber auf einem
Auslauf und nachts in der Box, im Sommer so viel wie möglich auf der
Weide. Artgenossen sollten immer in Sichtweite sein." Dr. Rauch fügt
hinzu: "Bewegung im Freien hält fit. Also auch das Sportpferd verbessert
dadurch seine Bewegungsabläufe und seine eigenen Körperabwehr." Probleme
in der Gruppe entstehen meistens durch zu wenig Platz und unachtsames
Zusammenwürfeln der Pferde und durch zu hohe Fluktuation.
Jochen Schumacher stellt einen Neuling erst einmal alleine, mit Blickkontakt
zu den anderen, auf einen Auslauf, der es erlaubt, die anderen zu sehen
und zu riechen. "Das Neue Pferd kann seine neue Umgebung mit seinen
Sinnen wahrnehmen, sich daran gewöhnen. Nach einigen Tagen stelle ich
es auf einen größeren Auslauf zusammen mit einem nicht ganz ranghohen
aber auch nicht mit einem rangniedrigen Pferd. Denn dieses könnte sich
in dieser Zweierkombination als Boss aufspielen. Meist bietet sich ein
netter ‚normaler' Wallach an. Wenn die zwei gut mit einander klar kommen,
stelle ich sie zusammen in die Gruppe." Für einzelne Pferde sollte eine
neue Gruppe gefunden werden, wenn sie
1) immer wieder Ärger machen und Unruhe in die Herde bringen (massives
Treten, beißen, verjagen),
2) sie aus Altersgründen von der Herde ausgestoßen werden oder zu stark
beansprucht werden und
3) wenn sie trotz zahlreichen Heuraufen nicht genug Nahrung aufnehmen
können. Kompromisse im Einstallerbetrieb Nicht jeder hat die Möglichkeit,
sich die Paddocks und Stallungen so zu bauen wie erwünscht.
Doch Jochen Schumacher würde nur kleine Kompromisse eingehen: "Wenn
ich darüber nachdenke, wie viel Geld Pferdebesitzer für haltungsbedingt
kranke Pferde ausgeben (Husten etc.), dann ist es manchmal günstiger
in einen Stall zu Wechseln, in dem die Haltung besser ist. Nicht nur
bleibt ihr Pferd gesünder, auch mental ist es in einem luftigen und
hellen Stall fitter. Sprechen Sie mit Ihrem Stallbetreiber und seien
Sie geduldig, denn es kann einige Zeit dauern bis sich etwas ändert.
Dass der Bauer nicht von heute auf morgen aus seinem reinen Boxenstall
einen Offenstall machen kann sollte Ihnen klar sein. Aber vielleicht
baut er schon mal einen Winterauslauf, auf dem Pferde stundenweise toben
können. Im nächsten Jahr baut er dann vielleicht einen größeren für
eine Gruppe etc. Man kann die Einstellung vieler Betreiber nicht einfach
umstellen, aber man kann daran arbeiten.
Ist der Stall aber sehr schlecht und gesundheitsschädlich für Ihr Pferd
und ist keine Besserung in Sicht, sollten Sie sich nach einer neuen
Anlage mit artgerechter Haltung umsehen - Ihrem Pferd zuliebe.
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Text & Fotos: Schneider
I Horses In Media
FS-Reitzentrum
Reken
Gegründet von Ursula Bruns, "Pionierin der Freizeitreiterei in
Deutschland", ist das FS-Reitzentrum Reken heute eine anerkannte
FN-Reitschule. Spezialisiert als pferdefreundliche Schle für Reiter
mit besonderen Ansprüchen, steht der Fünf-Sterne LAG-Stall für
artgerechte Haltung und vielseitige Ausbildung auf zuverlässigen
Schulpferden. Das Zentrum wurde von der Deutschen Reiterlichen
Vereinigung (FN) als erste Reitschule Deutschlands für Breitensport
ausgezeichnet. Somit ist es berechtigt, als erste Reitschule diesen
Titel zu führen. Infos: FS Reit-Zentrum Reken, Frankenstraße
37, 48734 Reken, Tel. 02864 2434, Fax 02864 5860, www.fs-reitzentrum.de
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Seminare zum Thema
Haltung & Gesundheit
Die Kölner Pferdeakademie, unter der Leitung von Dr. Barbara Rauch,
ist Kooperationspartner der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
(FN) und das offizielle Schulungszentrum der Deutschen Vereinigung
zum Schutz des Pferdes (DVSP e.V.). Sie bietet ein breites Spektrum
an Seminaren für alle Pferdebegeisterte und solche, die es werden
wollen, an. o Infos: Kölner Pferdeakademie, Dr. Barbara Rauch,
Tel. 0221/4064824, www.KoelnerPferdeakademie.de
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Pferde haben keinen Schutz in stehender
Stallluft
mit Schadgasen, Staub und Krankheitserregern,
Parasiten sowie Zugluft, da dies in der Natur
nicht vorkommt.


Kehrt in der Herde keine Ruhe ein, muss
eine individuelle Haltungsänderungen vorgenommen werden.
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