Wie Pferde schlafen und träumen

Ausgeschlafen? Wie Pferde sich erholen Während einige Pferde richtige Schlafnasen sind, sich von Traktoren, spielenden Weidekumpels oder Menschen nicht aus den Träumen reißen lassen, sind andere Pferde fast nie liegend zu sehen. "Mein Pferd hat eine Kolik" heißt es da bei manchen Kandidaten, die sich nur unter Gleichgesinnten hinlegen. Wie Pferde schlafen, wie viel Schlaf sie brauchen und ob sie auch träumen, lesen Sie hier.

Wie schläft mein Pferd? Der Unterschied zwischen Schlafen und Dösen im Stand ist für den Pferdebesitzer oft kaum zu erkennen. Ein Pferd kann im Stehen und im Liegen schlafen. Beide Phasen, in denen unterschiedliche Schlaftypen herrschen, sind für die Erholung wichtig. Gleitet das Pferd von einem Stadium in ein anderes ändert sein Körper die Haltung. Fällt es zum Beispiel vom Dösen in den Schlaf, bleiben seine Augenlieder dabei vielleicht halb geöffnet, sein Kopf und sein Hals aber fallen stetig tiefer.
Elektrophysiologische Studien von Pferden in unterschiedlichen Haltungsformen erklären die unterschiedlichen Schlaftypen:

Schlafen im Stehen - SWS-Schlaf (slow-wave sleep):
Diese Schlafform ist die einzige, die stehende Pferde einnehmen können, aber auch im Liegen in der Brustlage wird der SWS-Schlaf ausgeführt. Herz- und Atemfrequenzen sind reduziert, eine Eigenschaft die verschwindet, sobald das Pferd in den nächsten Typ, den REM-Schlaf fällt. Leichte Bewegungen von Muskeln können sichtbar sein, im Stehen hängt der Hals des Pferdes nach unten. Diese Schlafform kann sich bei Pferden, die sich aus gesundheitlichen oder haltungsbedingten Gründen nicht mehr ausreichend hinlegen können, erhöhen. Wichtig: Der SWS-Schlaf kann einen Verlust von Tiefschlaf im Liegen (REM-Schlaf) auf keinen Fall ersetzen.

Tiefschlaf zur Erholung - REM-Schlaf (rapid eye movement):
Ausgeprägte Tiefschlafphasen erlebt das Pferd während des REM-Schlafs. Hier zeigt das EEG eine hohe Erregungsschwelle, ähnliche wie beim Wachsein, wobei Kreislauf und Atmung bei allen Schlafformen abnehmen. Während dieses Tiefschlafs sind die Augen meist ganz geschlossen, ein Zucken der Augen (rapid eye movement) und Bewegungen in den Beinen sind oft zu beobachten, vornehmlich in den oberen Gliedmaßen. Doch der Muskeltonus in dieser Phase - hingegen dem im SWS-Schlaf - ist ruhig, die Muskulatur kann sich erholen. Das Gehirn hingegen scheint aktiv, ruht dafür im SWS-Schlaf. Studien an erwachsenen Pferden haben gezeigt, dass sie immer erst in den SWS-Schlaf und dann in REM-Schlaf fallen. Aus diesem Grund kann man von einem "Schlaf-Zyklus" (sleep-cycle) sprechen. Im Schnitt beträgt der SWS- und der REM-Schlaf 6,4 und 4,2 Minuten.

Der Übergang - Intermidiate Sleep:
In fast 30 Prozent der Schlafzyklen dient dieser kurz anhaltende Zustand als Überwachungsschlaf bevor das Pferd in den Tiefschlaf fällt.

Wann und wie viel schläft mein Pferd?

Die Einteilung von Schlaf ist für Pferde sehr wichtig, vor allem dann, wenn es sich einem vorgegebenen Tagesablaufs im Reitstall anpassen muss. Die meisten Pferde schlafen zwischen 20:00 und 5:00 Uhr oder in den zwei Stunden nach der Mittagszeit. Am frühen Nachmittag sollte die Aktivität im Stall deshalb minimiert werden. Wie alle "Nicht-Primaten" schlafen Pferde in mehreren über den Tag verteilten Einheiten, die immer ein oder mehrere Schlafzyklen aufweisen. Nachts schlafen Pferde etwa sechs Mal, wobei während dem Schlaf der längste Schlafzyklus 15 Minuten ist. Zwischen diesen Phasen kann auch gedöst werden. Ein erwachsenes Pferd schläft im Schnitt drei bis fünf Stunden am Tag, davon etwa die Hälfte liegend. Dösen sieht man es etwa dreieinhalb Stunden. Fohlen schlafen bis zu zehn Stunden mehr. Neben ihren Müttern ruhen sie ein Drittel ihrer Zeit, im Tiefschlaf bewegen Sie ihre Beine oft als würden Sie rennen. Es ist möglich, dass sie in dieser Phase lernen. Das Transportieren von Fohlen auf langen Strecken im Hänger ist deshalb nicht gerade empfehlenswert.

Interessante Unterschiede zeigen Studien an neugeborenen Fohlen: Während die jungen Stuten in den ersten Wochen 42 Prozent ihrer Zeit ruhen, benötigen die kleinen Hengste nur 20 Prozent Ruhezeit, die sie auch häufiger im Stehen verbringen als ihre weiblichen Verwandten. In ihren ersten Lebenswochen liegen sie nur 3,5 Prozent aufrecht, der Rest geschieht in der Seitenlage. Ältere Pferde liegen selten länger als 15 bis 20 Minuten, da ihr Oberkörpergewicht auf die Lunge drücken kann. Sind Pferde körperlich sehr instabil, legen sie sich häufig noch weniger hin, da das Aufstehen zum enormen Kraftaufwand für die alten Muskel und Knochen wird. Sie ruhen deshalb mehr im Stehen.
Text: Rika Schneider

Tagträume - das dösende Pferd

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Text & Fotos: Rika Schneider I Horses In Media

Träumen Pferde?
Zucken, grunzen, stöhnen - die Tiefschlafphase (siehe REM-Schlaf) könnte man auch die Traumphase nennen. Wie Hunde, die im Schlaf winselnd eine imaginäre Katze jagen, scheinen auch Pferde zu träumen. Das Gehirn ist in dieser Phase sehr aktiv, was etwas wie träumen oder - vor allen bei Fohlen - nachhaltiges Lernen darstellen kann. Grunzen oder schweres Atmen im Liegen - jedes Pferd gibt seine typischen Geräusche von sich. Sinnvoll zu wissen ist, wie sich das eigene Pferd in einem gesunden, ruhenden Zustand anhört.

Schlafverhalten bei eingestallten Pferde
75 % Wachsein
4 % REM-Schlaf
13 % SWS-Schlaf
8 % Dösen
79 & Stehen
21 % Liegen
60 % Fressen

Schlafverhalten auf der Weide
74 % Wachsein
2 % REM-Schlaf
11 % SWS-Schlaf
13 % Dösen
87 % Stehen
13 % Liegen
58% Fressen


Der richtige Schlafplatz
Pferde sind keine Schweine. Für ein Nickerchen oder auch eine richtige Portion Schlaf ziehen sie ein trockenes Paddock oder eine frisch eingestreute Box vor. Offenställe, die keine trockenen Liegeflächen bieten, rauben ihrem Vierbeiner also unter Umständen den Schlaf. Dies wirkt sich negativ auf die Gesundheit und den Gemütszustand ihres Pferdes aus. Zu sparsam eingestreute Boxen können beim Aufstehen Schürfwunden am Sprunggelenk hinterlassen, bei zu nassen Boxen nimmt die Anfälligkeit für rheumatische Krankheiten zu. Viele Pferde aber legen sich auf solchem Untergrund erst gar nicht hin. Eine satt eingestreute Späne- oder Strohbox, ein trockener Offenstall oder Paddock hingegen, lädt den Vierbeiner schon eher zu einem kleinen Schläfchen ein.