Honza Bláha - Horsemanship & Show

Willig und aufmerksam folgt der kleine Warmblüter Honza Blahá ohne Halfter und Strick durch die große Messe-Arena. Er legt sich auf Kommando hin, springt frei über Tonnen und lässt sich von dem Tschechen ohne Zaumzeug und Sattel vom Rücken aus lenken, piaffieren und passagieren. Trotz der vielen Zuschauer hat der charakterstarke ‚Gaston' nur Augen für Blahá. Dem Ausbilder, der Horsemanship und Show verbindet, ohne dabei dem Pferd die Würde zu nehmen, ist es ein persönliches Bestreben, alles weich und harmonisch zu gestalten.

Das Pferd trabt am langen Seil um die Besitzerin herum. Immer wieder. "Es geht nicht darum, ein Pferd einfach nur im Kreis umher zu schicken, sondern darum, was für eine Motivation und was für ein Gefühl das Pferd dabei hat und ob es dabei die richtigen Schritte nimmt", erklärt Blahá der Kursteilnehmerin. "Achtet darauf, wie das Pferd läuft", rät er, während der Braune mit den Vorderbeinen die Volte beschreibt und die Hinterbeine einen Hufschlag weiter außen auf- und abfußen. "Treibt man das Pferd unbewusst einfach im Kreis, weicht es häufig mit der Hinterhand nach außen aus und läuft auf zwei Hufschlägen. Dies ist nicht förderlich, wenn man ein Pferd gerade und feinfühlig arbeiten möchte", erklärt der 30-Jährige. "Ich möchte, dass es mit den Hinterbeinen weit nach vorne greift, das er raumgreifend gerade, unter seinem Gewicht nach vorne schreitet."

Mit kurzen genau platzierten Gerten-Impulsen an der Hinterhand, lässt Honza das Pferd vorwärts treten. Ein, Zwei korrekte Schritte und er hört auf und lässt das Pferd zur Belohnung ruhen. "Die Belohnung, das so genannte ‚Release' muss riesig sein, denn ich will, dass das Pferd immer etwas für mich machen möchte. Es gibt sogar den Punkt, wo es fragt, ‚darf ich diese Schritt tun, Honza?' Und wenn ich sage ‚nein, warte', und es ihm dann irgendwann erlaube, das macht es diese Bewegungen mit unglaublich viel Freude und echte Motivation." Und dieser Ausdruck ist es, den Zuschauer oder Kursteilnehmer bei Pferden erkennen und der einen Unterschied zu vielen anderen Ausbildern macht.

Wie alles begann

Der 30-Jährige ist in der Tschechischen Republik geboren. Mit neun Jahren begann er zu reiten, auf einem Shetland Pony. Sein erstes eigenes Pferd - und heute sein bester Freund - war der tschechische Warmblüter ‚Gaston'. Die Beziehung der beiden begann schwierig und während der Jahre wurde der Wallach Blahás größter Lehrer. Er entdeckte durch ihn die Möglichkeit, Pferde ohne Zügel - auch mit Dressurelementen auszubilden und zu reiten. "Ich fand irgendwann heraus, dass keine Zügel nötig sind, um Piaffe, Passage, Galoppwechsel oder Pirouetten zu reiten und das baute ich mit Gaston dann weiter aus", erinnert er sich. "Jegliches Lernen ist der Anfang weiteren Lernens und das ist es, was täglich Freude bringt." Im Januar 2002 gingen Blahá und Gaston nach Amerika, um zwei Jahre lang in Parellis Tour ‚Success with Horses' aufzutreten. Dies und das Reiten ohne Zaumzeug ist oft der Grund, warum viele ihn als Parelli-Instruktor halten - dies ist jedoch falsch.

Honza Blahá hat seinen ganz eigenen Weg, Pferde auszubilden und gehörte dem Parelli-System nie an. Im tschechischen Borova, etwa 650 Kilometer vom Ruhrgebiet entfernt, bietet er Ausbildung für Reiter und Pferd an: Beritt, Trainingseinheiten in Freiheitsdressur oder Reiten aller Reitweisen. Wohnmöglichkeiten gibt es auf dem idyllisch gelegenen Hof. Das Herz des Ausbilders schlägt für die Dressur- und für das Springen, aber auch Western- oder Freizeitpferde erhalten eine solide individuelle Ausbildung. Pferde motiviert zu halten ist ein Augenmerk, das sich durch die ganze Ausbildung zieht, ganz gleich welches Level. Wer nicht so weit fahren möchte, kann Kurse bei Honza Blahá in Deutschland besuchen.

Individualität

Verbindung ist ein Eckpfeiler in Honzas Herangehensweise. Die Verbindung von Mensch und Pferd kann in verschiedenen Formen kommen, ähnlich wie die Verbindungen innerhalb einer Familie unterschiedlich sind. "Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Balance. Natürlich ist Balance alleine nicht genug. Wir müssen auch Autorität erlangen, was weit mehr ist als nur die Mitte zwischen Respekt und Vertrauen. Das Pferd muss verstehen, warum es mit uns eine Verbindung eingehen soll.

Jedes Pferd hat eine ganz eigene, individuelle Persönlichkeit und deshalb hat jede Beziehung zu einem Pferd seine ganz eigenen Züge. Es gibt nicht bloß ‚den einen Weg', um unser Ziel zu erreichen. Der kürzeste Weg ist nicht immer der schnellste. Nicht immer werden unsere Verluste auf dem Weg am Ende mit Profit wieder gut gemacht. Und das ist der Punkt wo wir wieder auf die Balance zurückkommen. Ein Pferd kann nur in Balance sein, wenn der Mensch im Gleichgewicht ist. Der Mensch kann in Balance sein, wenn es das Pferd ist, so das Reiter und Pferd eine ausgewogene Verbindung erfahren. Doch was kommt zuerst? Was ist wichtiger? Jedes Pferd benötigt seine ganz individuelle Herangehensweise. Für Honza Blahá ist die Förderung jeden einzelnen Individuums elementar.

Text: Rika Schneider

Infos: Anja Wustrau, www.honzablaha.cz