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Fühlen, wie sich das Pferd bewegt! Der
Sitz kann noch so gerade, die Technik noch so ausgefeilt sein - das Gefühl
im Reiter und im Pferd ist das, was ein echtes harmonisches Bild schafft.
Vor dem Pferd kann ein Reiter seine Gefühlsregungen nicht verbergen, es
schaut hinter jede Fassade. Leslie Desmonds wichtigstes Trainings-Hilfsmittel
ist deshalb das Gefühl. Und wie man dieses für die Bewegung des Pferdes
unterm Sattel sensibilisieren kann, erläutert die in Schweden lebende
Amerikanerin Leslie Desmond.
Um das Pferd zu fühlen und richtig
auf dieses einzugehen ist ein unabhängiger, guter Reitersitz unabdingbar.
Und für diesen kann man in keine Trickkiste greifen. Der Sitz des Reiters
basiert nicht nur auf Technik und Koordination der eigenen Körperteile,
ein guter Reitersitz kommt von Innen. Die innere Einstellung, die Fähigkeit
zu fühlen was im eigenen Körper und dem des Pferdes passiert, prägt die
Form und ist enorm wichtig. Am Gang eines Menschen, an seiner Haltung
und auch an seinem Sitz oder der Zügelführung, kann man die Persönlichkeit
des Reiters erkennen. Geduld, Nachsicht, Zorn oder Unentschlossenheit
eines Menschen zeigen sich also im Außen, in seinen Bewegungen. Im Sattel
ist dies dann ebenso sichtbar. Und diese von Innen beeinflussten Haltungen
kann man nicht mal eben ins rechte Lot ‚trainieren' - sie müssen sich
entwickeln. Das Pferd, das die Welt aus einer ganz anderen Sicht betrachtet
als der Mensch, drückt sich durch Bewegung aus.
Die Balance, sein Gleichgewicht ist ein elementarer Teil seiner Welt.
Verliert es diese Balance, stürzt es und das würde in der Wildnis unter
Umständen sein Leben kosten. Unter dem Sattel sieht man häufig, wie Pferde
durch den unwissenden Reiter aus der Balance gebracht werden. Diese sitzen
falsch oder bewegen sich zu ruckartig. "Jeder, der einmal einen Freund
auf den Schultern getragen hat, weiß, wie deutlich dessen Gewichtsverlagerung
zu spüren ist. Sitz ein Reiter zum Beispiel zu weit vorne oder lehnt sich
zu stark zu einer Seite, wird man unter das Gewicht laufen. Das Pferd
wird also aus seinem anatomischen Bedürfnis heraus schneller, um nicht
hinzufallen. Und genau dann zieht der Reiter meistens an den Zügeln und
gebremst. Wie soll ein Pferd das verstehen? Stress kommt auf und häufig
denkt der Reiter, dass das Pferd etwas falsch gemacht hat, dabei reagiert
es nur auf die vom Reiter geschaffene Situation", schildert die charakterstarke
schlanke Frau das typische Szenario.
Wer in Einklang mit dem Pferd sein möchte,
muss im Einklang mit sich selbst sein und mit den Bewegung und dem Rhythmus
des Pferdes. Vor allem muss er verstehen, wie das Pferd seine Beine setzt.
Nur dann, kann der Reiter das Pferd positiv unterstützen und wirklich
mit ihm sein. "Die meisten Reiter haben eine Lieblings-Gangart", erzählt
Desmond. "Viele finden den Schritt am bequemsten. Und das ist er auch.
Andere vermeiden lange Trabstrecken und bevorzugen den Galopp. Es gibt
kein Falsch oder Richtig, solange Sie und Ihr Pferd sich einig darüber
sind, in welche Richtung die Reise geht, wo welcher Huf Ihres Pferdes
ab- und auffußen soll und in welcher Geschwindigkeit diese das tun sollen.
Es sind die Beine des Pferdes, die wir mit unserem Körper reiten, nicht
das Maul", erinnert Desmond immer wieder Ihre Zuhörer auf den Kursen.
Wie das Pferd in jeder Gangart die Füße setzt, ist der Schlüssel zu geschmeidigen
Übergängen und bringt den Reiter dazu, jeden Schritt des Pferdes in jeder
Gangart zu fühlen. Hat der Reiter ein klares Bild davon, wie die Bewegungsabläufe
des Pferdes in jeder Gangart sind, kann er auch die verschiedenen Bewegungen
im Sattel fühlen lernen und einen harmonischen Sitz etablieren.
Vier Takte im Schritt
Im Schritt bewegt das Pferd alle vier Beine separat in einem Viertakt.
Wenn das Vorderbein abfußt folgt das gegenüberliegende Hinterbein, es
tritt nach vorne unter den Bauch und stellt so einen diagonalen Balancepunkt
her. Dieses nach vorne kommende Hinterbein schiebt das auf der gleichen
Seite befindliche Vorderbein aus dem Weg, dieses fußt ab und das gegenüberliegende
Hinterbein kommt nach vorne und fußt auf, um auch hier einen Balancepunkt
zu kreieren. "Vielleicht müssen Sie diese zwei Zeilen noch einige Male
lesen, bis sie das ganze Bild verinnerlicht haben", rät die 53-Jährige.
Ganz gleich ob das Pferd Schritt geht oder trabt - die Diagonale, oder
der Fuß auf dem man trabt, wird immer an der Bewegung des Vorderbeins
festgemacht. Die linke Diagonale oder linke Hand ist dann vorhanden, wenn
es sich um vorne links und hinten rechts dreht. Die rechte Hand, wenn
es sich ums rechte Vorder- und linke Hinterbein handelt.
Auch im Schritt gehören diese gegenüberliegenden Beine zusammen, auch
wenn sie zeitlich etwas versetzt auf- und abfußen, sie bilden dennoch
den gleichen Balancepunkt. "Es ist einfach, das Bewegungsmuster im Schritt
zu verstehen, wenn Sie den Rhythmus verstanden haben. Der Schritt ist
entspannend für das Pferd und auch die Gangart, die es am häufigsten wählt.
Ich nenne den Schritt den ‚Mithalte-Gang', denn die Hinterbeine versuchen
ständige, mit den vorderen mitzuhalten und landen immer an einem Punkt,
den die Vorderhufe schon beschritten haben. Um im Schritt die Balance
zu halten, stabilisiert das Pferd sein Gewicht zweimal pro Schritt, indem
es dieses abwechselt auf jedes diagonale Beinpaar verlagert.
Stabilste Gangart: der Trab
Was den Viertakt Schritt in einen Zweitakt Trab verwandelt, ist die aufkommende
Geschwindigkeit der Vorderbeine ‚eins-zwei' und die aktivere Aktion der
Hinterbeine. Diese holen nun auf und sind im Gleichtakt mit dem jeweiligen
gegenüberliegenden Vorderbein. Also vorne rechts und hinten links und
vorne links und hinten rechts bewegen sich gleichzeitig. Dieses gibt dem
Trab den eindeutigen ‚eins-zwei' Rhythmus, der den Viertakt vom Schritt
eliminiert und macht ihn zu einem gefestigten Bewegungsablauf. Ein Bein
gibt die Richtung an Schaltet das Pferd vom schnellen Trab hoch, tauscht
es die sichere und außerordentliche Balance, die es im Trab hat, gegen
mehr Schnelligkeit und größeren Raumgriff im Dreitakt Galopp ein.
Auf dem rechten Zirkel galoppierend, beginnt das Pferd seinen Galopp durch
Schub von seinem hinteren linken Bein, es bringt sein Gewicht nun von
hinten links nach vorne rechts über das unterstützende, gewichtstragende
linke diagonale Beinpaar, auf sein vorderes rechtes Bein. Dies ist das
Führbein (Rechtsgalopp). An diesem Punkt zieht es das linke Schubbein
vor, unter seinen Körper, und beginnt den Ablauf erneut. Auf der rechten
Hand geschieht dies umgekehrt: Das rechte Hinterbein leitet den Galopp
ein, seine Balance erhält das Pferd durch die Diagonale des rechten Beinpaares
und rollt dadurch auf das linke führende Bein. Im Galopp gibt es zwei
Punkte, an denen das ganze Gewicht des Reiters und des Pferdes auf einem
einzigen Huf lastet. Zieht man in diesem Moment einseitig an den Zügeln,
kann man einen Sturz verursachen.
Ein Gefühl fürs Pferd bekommen - am Boden
und im Sattel
Es liegt ein großer Unterschied darin, Fachwissen zu besitzen oder ein
Gefühl für das Pferd. Beides zusammen ist wünschenswert. In jeder Reitweise
ist die Arbeit am Boden eine nicht zu ersetzende Vorarbeit für qualitativ
gutes Reiten. "Wenn das Pferd am Halfter gut durch Gefühl zu leiten ist
und Sie es zum richtigen Zeitpunkt mit dem Auf- und Abfußen seiner Beine
manövrieren und unterstützen können, dann haben sie eine Basis dafür,
das Gefühl für seine Bewegungen auch vom Sattel aus zu spüren. Sie reiten
die Beine des Pferdes, nicht dessen Maul", erinnert die Pferdefrau erneut.
"Ein guter Reiter zieht nicht an den Zügeln, um im Sattel zu bleiben.
Gute Reiter werden so feinfühlig, weil sie stets versuchen, das ganze
Pferd mit dem Körper zu reiten.
Versammlung kommt später
Ein Zeichen von Harmonie und Partnerschaft sind geschmeidige, weiche Übergänge.
Etwas, das für Reiter jeder Reitweise erstrebenswert ist. "Streichen Sie
dafür erst einmal jegliche Gedanken an Versammlung aus Ihrem Kopf! Der
einfachste Weg, einen lockeren Trab zu entwickeln, ist aus einem schnellen
Schritt heraus. Fühlt sich das Pferd dabei wohl, kann man es aus einem
langsamen Schritt versuchen. Schon bald kann es das aus dem Stand. Vor
allem beim Übergang vom Trab zum Galopp ist ein weiches Raufschalten wichtig,
Hektik und Eile haben hier nichts verloren. Aus dem schneller werdenden
Trab heraus kann das Pferd natürlich und bequem anspringen. Dies muss
sehr lange geübt werden, bis man es aus dem langsamen Trab heraus macht.
Erst wenn das Pferd bequem und ohne schneller oder langsamer zu werden
galoppieren kann, sollte das Angaloppieren aus dem Schritt angefragt werden.
Vielleicht kann der Reiter es nach ein, zwei Schritten Schritt angaloppieren.
Wie die Kopf-Halshaltung zu diesem Zeitpunkt ist, ist nebensächlich, daran
kann gearbeitet werden, wenn das Pferd locker und weich die Übergänge
läuft. Arbeiten Sie nur an lockeren Übergängen." Schon bald wird das Pferd
weich vom Stand aus angaloppieren. Diese Übungen sollte auch rückwärts
also vom Galopp zum Trab, Schritt und Stand geübt werden. Wenn das Pferd
vom Trab in den Schritt kommt, sollte es zwei, drei Schritte zügig vorwärts
gehen und diese werden dann mit einem Anhalten belohnt. "Sie sollten nicht
nur die Bewegungsabläufe des Pferdes verstehen, sondern diese auch fühlen.
Haben Sie sich so bewegt, dass das Pferd sie verstanden hat, wird es auch
Sie fühlen und ein gegenseitiger Gefühlsaustausch mit dem Pferd beginnt.
Ein Anfang echter Kommunikation" Mit viel Übung werden Reiter und Pferd
bald in allen Übergängen geschmeidig laufen. Rika Schneider / Horses In
Media KASTEN Inspirierend anders: Leslie Desmond Bekannt für unkonventionelle
Herangehensweisen, zeigt Leslie Desmond auf Kursen weltweit, was ihr bei
der Arbeit mit Pferden wichtig ist. Selbst für eingefleischte Horsemanship-Kundige
ist die ungewöhnliche Art, die starke Präsenz und Klarheit, mit der Desmond
mit Pferden kommuniziert, ungewohnt und inspirierend. Zusammen mit Altmeister
und Mentor Bill Dorrance, schrieb sie das Buch ‚True Horsemanship Through
Feel', ein Standartwerk im Bücherregal eines Horsemanship-Interessierten.
Im Frühling 2008 wird sie wieder in Deutschland sein. ? Infos: www.goodhorsemanship.de
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Fotos: Anja Aarsrud





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