So individuell wie
Pferd & Reiter:
Kurse
mit Leslie Desmond

Ein Trainingstag im nümbrechter Trainingsstall Leckebusch und einen Reitkurs in Eschwege - an beiden Orten hinterließ die Amerikanerin bei den Teilnehmern eine neue Sichtweise. Instinkte, Erfahrungen, körperliche Voraussetzungen, Gefühle und die Kombination der individuellen Pferd-Reiter-Kombination gaben dabei die jeweilige Herangehensweise im Kurs vor.

Leslie Desmonds Reitkurse sind so individuell wie jedes Pferd und jeder Reiter: Es ist nicht vorauszusehen, was der Plan am Nachmittag sein wird, denn was, wenn der Sattel eines Pferdes nicht passt? Dann gib's eine ausführliche Schulung zum Thema Sattelanpassung. Was, wenn das Pferd fühlig auf dem Hallenboden läuft? Dann wird über Hufe, deren Form und Nutzung gesprochen und darüber, dass die Chinesen jeden Huf als Herz bezeichen und der weiche Strahl bei jedem Schritt das Blut wieder hoch in den Kreislauf pumpt.

Während auch in den theoretischen Einheiten die Gefühle und Eigenschaften des Pferdes immer berücksichtigt werden, legt Leslie beim Reiten und Umgang besonderen Wert auf akurate Abläufe. Und ob dafür das saubere Angaloppieren, richtige Aufsitzen, Durchpaieren oder Drehen geübt wird — eine Message zieht sich durch alle Übungen: führt man die einzelnen Schritte oder Manöver ganz präzise, sauber, ruhig und in der langsamsten Form aus, dann kann man diese zu einem späteren Zeitpunlt auch schnell ausführen - und zwar zügelunabhängig und ohne Rupfen oder Zupfen. Langsam ist in diesem Fall oft schneller.

Nicht Einrahmen, sondern Fühlen

Leslie Desmond hat eine rote Linie in Ihrer Ausbildungsmethode von Pferden, doch wird sie vielen Reitern erst nach mehrmaligen Zuschauen und Experimentieren deutlich. Da jedes Pferd in Kombination mit jedem Reiter anders reagiert, kann Leslie nicht bei jedem Pferd die gleiche Herangehensweise zeigen - denn die ändert sich bei jedem Individium ein bisschen. Acht Punkte lehrt sie, die - wenn richtig etabliert - Reiten ausmachen: Das Pferd ohne Zügel in klarer Absicht bewegen und zwar nach rechts und links, vor und zurück, seinen Motor an- oder ausschalten (Engierlevel/Absicht), Wiederrist/Schulter anheben und nach unten setzen.

Das wohl Neuste und Ungewohnteste für den Kursreiter bei Lesie ist, dass das Pferd nicht wie in der Klassischen Reitweise oder in der heute gängigen Westernreitweise in eine Form, einen Rahmen gebracht wird und durch Zumachen der einzelnen Türen dort seinen Platz findet.

Leslie bringt den Pferden bei, immer dem durchhängenden Seil zu folgen. Bei der Bodenarbeit lernt das Pferd schon, dass es ganz alleine seine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass das Führseil (das am Boden schon wie ein Zügel verwendet wird) durchhängt. Die Verbindung zwischen dem durchhängenden Zügel und der Bewegung seiner Beine, wird dem Pferd bei Lesie schnell deutlich.

Dazu kommt die Lebensenergie/Körperspannung, die die Amerikanerin in ihrem eigenen Körper deutlich macht und die die Geschwindigkeit des Pferdes beeinflusst. "Nicht die Schenkel oder die so oft permanent pickenden Sporen bewegen mein Pferd vorwärts, sondern ganz allein die Geschwindigkeit in meinem Körper. Viele der Reiter sitzen aber leblos auf ihren Pferden und nur durch Einsetzen der Sporen und Ziehen oder Einrahmen mit den Zügel läuft das Pferd. Es gibt so viel mehr emotionale Signale, auf die das Pferd ganz natürlich reagiert", erläutert die 52-Jährige.

Gefühl und Anpassungsfähigkeit als Trainings-Tool ist die Haupt-Message, die heutzutage in dieser Form kaum zu finden ist.

Zu ihrer ganz eigenen Herangehensweise hat die in Schweden lebende Ausbilderin ein enormes Fachwissen rund um Horsemanship: Knappe sechs Jahre organisierte sie die Kurse von Buck Brannaman, beobachtete und experimentierte unter seinen Fittichen, ganze fünf Jahre verbrachte sie mit Altmeister Bill Dorrance und schrieb mit ihm das Buch "True Horsemanship Through Feel". Zahlreiche Treffen in der kalifornischen Nachbarschaft mit Tom Dorrance und anderen Horsemen brachten ihr nicht nur viele Fähigkeiten bei, Jung- und Problempferde aus einer anderen Sichtweise zu sehen und sie anzureiten, sondern gaben ihr ein unglaubliches Wissen rund um das Lebewesen Pferd.

Welche Zäumung wann für welches Pferd und welchen Reiter geeignet ist, wie diese aufs Pferd wirkt, was bei Hufpflege, Weidemanagement, Herdenkonstellationen oder medizinische Probleme nötig ist.... Leslie Desmond hat sich mit vielem fundiert befasst.

Ein guter Horseman betrachtet sich, sein Leben, seine Umgebung und die Pferde ganzheitlich. Deshalb ist ein Kurs mit Leslie Desmond eine Reise mit vielen Aspekten — die meisten entdeckt der Reiter dabei in sich selber.

Um im September 2006 auf dem Kurs dabei zu sein, sollten Sie sich deshalb jetzt schon hier anmelden!

"Ich hatte schon einige Gastkurse auf meiner Anlage Horsemens Residence, Leslie war aber die erste, die mich durch ihre enorme Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit beeindruckt hat. Das nenne ich Horsemanship: ein Kurs, der sich jede Minute an den Bedüfnissen der Pferde und Teilnhemer orientiert. Aus diesem Grund, konnten so ziemlich alle Themen im Laufe der drei Tage zum Vorschein kommen.
Neben der Ausbildung am Boden, im Sattel, Gesundheitsthemen, Sattelanpassung oder Hufpflege, wurden auch individuell ganz persönliche Probleme herausgearbeitet: Für den einen war es die Erkenntnis, dass die Angst vorm Fallen das Angaloppieren erschweren, bei einem anderen die Erkenntnis, dass es einen viel echteren und gefühlvolleren Umgang mit Pferden gibt, als man je gedacht hätte." - Olaf Gajewski -

 


Fotos: J. Helch I R. Schneider

Infos: goodhorsemanship@gmx.net oder Leslie direkt über ihre Homepage