Mark Rashid: Atmen, tief und rhythmisch

Jeder atmet beim Reiten - offensichtlich, denn Reiter fallen ja nicht dauernd mit Atemnot vom Pferd. Doch bewusst atmen die wenigsten. Viele Reiter halten beim Reiten die Luft sogar an, atmen nur kleine kurze Stöße Luft ein, anstatt gute, tiefe und rhythmische Atemzüge zu nehmen. "Reiter, die nicht rhythmisch atmen, können dadurch in ihrem Pferd für kurze Schritte sorgen", erklärt der Pferdekenner. "Das Pferd verliert den Takt in seiner Bewegung, wird in seinem Vorwärtsdrang gebremst und kann im schlimmsten Fall buckeln oder scheuen."

Die Atmung von der Rashid in seinen Kurse spricht sorgt für Sauerstoff, ist effizient und produktiv. Der Reiter wird bestärkt, in seinen unteren Rippenkasten zu atmen. Dies weitet den Rippenkasten sowie die Bauchmuskulatur und richtet die Wirbelsäule auf und bringt - mit jedem Atemzug - das Becken des Reiters in eine neutrale Position. Der Reiter kann nun zählen wie oft er pro Schritt-, Trab- oder Galoppschritt einatmet. Im Kurs beginnen manche Reiter mit zwei bis drei Atemzügen pro Pferdeschritt und drei bis vier Ausatmungen pro Schritt. Dieses Atemmuster bringt zwar Sauerstoff in die Lunge, ist aber noch lange nicht tief genug, um den unteren Rippenkasten anzuheben oder die Bauchmuskulatur zu weiten. Mit etwas Übung können Reiter auf sechs bis neun Pferdeschritten einmal Einatmen und auf sieben bis zehn Schritten ausatmen.

Pferde atmen bei jeder Anstrengung aus und es würde uns gut tun es ihnen gleich zu tun. Wenn Sie das nächstes Mal versuchen, den Deckel eines Konservenglases zu öffnen, halten Sie nicht die Luft an und werden fest, sondern atmen Sie aus und öffnen sie locker und mit Kraft das Glas. Manche Pferde atmen bei jedem Galoppsprung aus, wir kennen das Geräusch. Pferde atmen aus, wenn da nicht führende Hinterbein - das abstoßende Bein - abfußt. Pferde atmen aus, wenn sie springen, im Galoppwechsel, beim Anhalten oder während des Tempiwechsels. All diese Punkte bedeuten Anstrengung für das Pferd.

Rashid erarbeitet mit den Reitern eine gleichmäßiges Einatmen und bringt dann das Ausatmen bei Anstrengung hinzu. So kann die Atmung anstelle des Reitersitzes zum Beispiel zum Anhalten eingesetzt werden. Um dem Pferd ein Kommando zu geben, würde der Reiter zeitgleich mit dem Abfußen der Hinterbeine des Pferdes atmen: ein, zwei, eins, zwei, atmen, Hände. Für das Anhalten würde der Reiter bei diesem Schritt voll ausatmen. Beim zweiten Schritt kann die Zügelhand den Schritt abschließen. Hält man ein Pferd so an, kann der Reiter die Hinterbeine selber anhalten, was dem Pferd wiederum hilft die Hinterhand unter den Schwerpunkt zu bringen. Ein schludriger Stop kann so klar und prompt sein.

Dieses eher einfache Atmungs-Konzept wird sehr erfolgreich in den unterschiedlichsten Disziplinen eingesetzt (Dressur, Springen, Western auf allen Levels). Wenn ein Reiter nichts wirklich kann, aber richtig atmet, dann können viele reiterliche Probleme umgangen werden. Teilnehmer, die kultivierter Reiten möchten, werden feststellen, dass dies mit weniger Muskelkraft und mehr rhythmischer und korrekter Atmung zu erreichen ist. Die Atmung kann die Hilfengebung sein, was nicht schwer vorzustellen ist, da Pferde so sensible und intelligente Tiere sind.

Softness "Softness", glaubt Rashid, "ist in dem Pferd. Leichtigkeit hingegen ist im Außen des Pferds zu finden. Ein Pferd kann daher leicht, aber nicht weich sein". Ein leichtes Pferd ist vielleicht reagierend aber nimmt die Anfrage nicht wirklich innerlich an. Menschen können auch weich oder leicht sein. Weichheit ist da nicht zwangsläufig das Gegenteil von fest oder blockiert, sondern es ist ein innerlicher Zustand, ein Weg zu leben und ein Weg zu sein - für Pferd und Reiter.

Ein weiches Pferd kann körperlich schnell seine Kräfte und Bewegungen mobilisieren und mental ist er in der Lage dazu, viel von sich selbst einzubringen oder zu geben. Ein weicher Reiter, der dem Pferd emotionale Konstanz anbieten kann, bereit dazu ist, sich zu ändern, kann dem Pferd sehr viel von sich selbst geben.

Eine wichtige Grundübung für Mark ist der Reinback - das Pferd bringt dabei seinen Nasenrücken leicht nach hinten und entspannt Nacken-, Hals- und Rückenmuskulatur bis hin zu der Hinterhand. Um den Reitern zu helfen, gibt Rashid eine Skala an, die den Zügeldruck beschreibt (0-10). Eine Null bedeutet keinen Zügeldruck, zehn viel mehr als er jemals benutzen wollte. Wenn das Pferd ‚weich' ist, würden die Zügel null Druck in der Reiterhand erzeugen. Ein Pferd, das an dem Gebiss zieht erhöht dem entsprechend die Nummer. Die Reiter entwickeln so ein Gefühl für die Zügelhilfen.

Klappt das im Stand wird das gleiche im Schritt erarbeitet. Vorwärtsgehen mit keinem Gewicht in den Zügel aber mit Nachgiebigkeit im Genick. Die Kopfposition ist zu Beginn nebensächlich, die Qualität des Nachgebens oder des weichen Zügelgefühls steht an erster Stelle. Kopfhaltung ist eines der Ziele, aber nicht das einzige. Ein Pferd das etwas steif und blockiert nachgibt und den Kopf auch in der gewünschten Position hält, ist dabei dennoch nicht weich. Ein Pferd aber, das seinen Kopf vertikal hält als ‚Nebenprodukt' von Softness, kann alle Bewegungen und Kräfte sofort mobilisieren.

Wenn Pferd und Reiter zusammen ‚weich' sind, werden die Gedanken des Reiters zu den Hilfen für das Pferd. Dressurreiter können zum Beispiel das Hinterbein ‚rüber denken' für den Seitengang und müssen nicht die Schenkelhilfe dazu nehmen. Springreiter denken nur in welchem Galopp das Pferd nach dem Sprung landen soll. Andere Reiter können ihre Pferde in den Stop oder in Übergänge bringen, nur durch einen Gedanken.

Im Aikido ist die Softness der Grund dafür, warum ein kleinerer Partner den größeren übermannen kann. Softness ist das Gegenteil von Starre. Der Aikido-Sportler kann die Energie seines Gegenübers nur in eine andere Richtung lenken, wenn er körperlich und innerlich weich ist. Aber diese Weichheit kommt auch von einem tiefen Bedürfnis, anderen keinen Schaden zufügen und helfen zu wollen. Und anders ist es auch nicht für uns Horsemen. Wir benötigen nicht nur weiche Hände, sondern auch ein weiches Herz und das Bedürfnis keinem weh zu tun.

Infos deutsch: Rika Schneider
Tel. 02293-815420 I 0177-3228450I goodhorsemanship@gmx.de
Infos english: Mark Rashid Horse Training I P.O. Box 3241 I Estes Park, CO 80517 I USA I Toll-free: 001-866-577-9944 I Ph. 001-970-577-9944 consideringthehorse@yahoo.com


 

 

 

 

 

 

Text: Rika Schneider I Lindley