Mark Rashid in Deutschland: Eine gute Partnerschaft kommt von Innen

In den USA ist Mark Rashid als Horseman der besonderen Art bekannt, in Deutschalnd hat er die Herzen der Reiter durch seine Bücher erobert. Dieses Jahr zeigt der Ausbilder auch hierzulande, wie seine Philosophie in der Praxis aussieht. Das innere des Pferdes gibt dabei an, welche Herangehensweise es benötigt und das innere des Menschen formt das Ergebnis. Als Aikido-Meister lenkt der Amerikaner Energien um, anstatt gegen sie zu arbeiten, und erreicht so ein harmonisches Miteinander.

Lernen, ein Leben lang
"Ich habe ein Buch geschrieben. Doch das habe ich nicht einfach so niedergeschrieben. Erst einmal habe ich im Kindergarten das ABC-Lied gesungen. Dann habe ich die großen Buchstaben in einem Buch gesehen. Irgendwann lernte ich dann, einen Stift zu greifen. Grobmotorisch wurden die ersten Hyroglyphen gekriztelt. Mit den Jahren dann lernte ich, Buchstaben zu malen und schließlich Sätze zu formen", erzählt der Kursleiter Mark Rashid, der alleine durch seine Anwesenheit eine entspannte Athmosphäre bei Reitern, Pferden und Zuschauern schafft. "Wir Menschen lernen immer dazu. Wie bei einer Kette kommt immer ein Glied pro Lernschritt dazu und die Dinge werden nach und nach zu einem sinnvollen Ganzen verknüpft. Und dazu benötigen wir Zeit. Bei Pferden ist dies genauso. Sie kennen die Bücher nicht, die Zweibeiner über Gymnastizierung oder Versammlung geschrieben haben, sie folgen nur ihren Instinkten und Gefühlen."
Und genau mit diesen arbeitet der Amerikaner, um die Mitarbeit des Pferdes zu erhalten und dessen gutmütiges Wesen nicht zu missbrauchen. "Ich möchte einen Partner und kein Tier, das nur durch Ausrüstung oder sonstige Hilfsmittel etwas für mich tut." Hat ein Pferd Schwierigkeiten damit, gerade rückwärts zu gehen, könnte man es mit den Schenkeln einrahmen und dessen Körperbewegung korrigieren." Für Rashid hieße dies, dass das Pferd dann nicht aus eigener Erfahrung heraus lernt, rückwärts zu gehen, sondern nur einem körperlichen Druck von außen weicht. "Ich möchte auch mit dem Verstand des Pferdes kommunizieren und nicht nur mit dessen Körper".

Grundvoraussetzung: Anatomie und Verhalten kennen
"Bei meinem Umgang mit Pferden und beim Reiten, achte ich stets darauf, wie das Pferd die Welt um sich herum wahrnimmt." Wie sieht es, wie ist sein Körper zusammengesetzt und was für Bewegungen kann es aus der Situation heraus ausführen - dies ist essentiell für den Amerikaner, der sich das Wissen durch jahrelanges Beobachten von Pferden angeeignet hat. "Damit das Pferd also lernen kann, muss erst einmal der Reiter seine Hausaufgaben machen und verstehen, was seine Übungen für das Pferd bedeuten: was erfährt das Pferd beim Reiten? Wird ihm eine Übung aufgedrängt, in der es seinen Körper in eine bestimmte Haltung bringen und halten soll, die aber für ihn gar keinen Sinn macht? Um einen Partner zu erhalten, muss das Pferd die von uns gestellten Aufgaben verstehen können und diese aus seiner Sicht und aus seinem Verhaltens- und Körpergefühl heraus umsetzen können", erläutert Rashid. "Pferde haben alles mitgebracht, wir müssen ihnen nichts mehr beibringen: Schon im Alter von ein, zwei Tagen können sie Capriolen schlagen, Einer- und Zweierwechsel vollführen oder aus dem Galopp heraus anhalten - wir müssen ihnen nicht beibringen, wie sie die Füße setzten sollen, sondern wir müssen lernen, wie wir ihnen am sinnvollsten vermitteln, was wir wollen." Und dafür muss man die Anatomie des Pferdes kennen und geduldig sein. Denn auch Pferde brauchen Zeit, um die Kettenglieder zusammenzufügen. Um neue Information in diese Kette verknüpfen zu können muss diese erst einmal verarbeitet werden. Um dem Pferd das Lernen zu erleichtern - häufig eher um sich Mühe zu ersparen - greifen Reiter zu zahlreichen Hilfsmitteln. Für Rahid, gibt es da nur ein bedeutendes: "Das beste Hilfsmittel auf der Welt, um mit Pferden zu arbeiten sind wir selber, unser Körper und Verstand. Und dieses Hilfsmittel haben wir den ganzen Tag lang, um damit zu üben. Beim Tüten tragen, Spazieren gehen oder Fahrradfahren. "Die meisten von uns verbringen täglich sehr wenig Zeit mit ihrem Pferd. Wir haben aber noch viele andere Stunden am Tag, in denen wir Horsemanship praktizieren können", erinnert der Horseman aus Colorado. "So wie wir unser Leben leben, so gehen wir auch mit Pferden um. Wenn wir unser Leben in Tumult, Stress und Unruhe leben, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir so auch bei unserem Pferd agieren. Sind wir aber ruhig, glücklich und zentriert, dann werden es die Pferde reflektieren." Horsemanship kann am Ende mehr ein Weg sein wie man ist, anstatt ein Werkzeugkasten voller Hilfsmittel. Technik, das Beherrschen von Handwerk ist sehr wichtig bei der Arbeit mit Pferden. Aber hinter jeder Technik steht das Gefühl, mit der sie ausgeführt wird. Technik kann also ein ‚Lass-mich-dir-helfen-Gefühl' beinhalten, aber auch ein ‚Jetzt mach endlich, was ich will'. Das Gefühl dabei kann ausschlaggebend sein, ob die Technik funktioniert oder nicht. Und auch dafür, ob einen das Pferd mag oder nicht.

Kleine Versuche loben, Schmerzen ausschalten
Sich für feinmotorische Abläufe zu schulen, Dinge wahrzunehmen bevor oder während sie passieren ist eine Frage der inneren Reife, Erfahrung und Disziplin. "Beobachten Sie Ihr Pferd und sich selber. Lassen Sie sich beim Reiten filmen und versuchen Sie, schon den kleinsten Versuch des Pferdes zu belohnen", erläutert der Ausbilder seinen wohl wichtigsten Grundsatz beim Reiten und im Umgang mit Pferden. Rashid, der im westlichen Amerika unter dem Einfluss eines alten, weisen Pferdemannes aufwuchs, hat dessen Prinzipien bis heute in seinen Grundlagen verankert. Der Familienvater ist aber nicht nur den Pferden verbunden: Er unterrichtet die japanische Kampfkunstart Aikido, übersetzt ‚Weg der Harmonie', dessen Ideologien ihm beim Reiten und beim Unterrichten entgegen kommen.

Im Aikido wird die Energie, also der Druck des Angreifers, einfach durch vorausschauendes Agieren des Angegriffnen umgelenkt. Die Attacke wird so nicht durch Konfrontation abschmettert, sondern sanft umgelenkt. "Mit den Pferden ist es genauso. Hier leite ich die Energie derer Bewegungen um. In die Richtung, in der ich sie brauchen kann, unterm Sattel oder am Boden", erläutert Rashid. Dies ist kein Hokuspokus, sondern immerwährendes Gucken, Denken, Fühlen und Lernen. Ein guter Pferdemann sein ist nicht etwas, dass Rashid an- oder ausknipst. Für den tief denkenden und humorvollen Ausbilder ist es eine Lebenseinstellung - ein Weg zu sein. Als besten Platz, das zu praktizieren, nennt er den Alltag, jede Sekunde des Lebens: im Auto, auf der Arbeit, im Zusammensein mit Kindern, beim Rasieren oder Kochen. "Zu gutem Reiten gehört es, weich zu sein, tief zu atmen, aufmerksam und geduldig zu sein - und das alles kann man überall üben. Beim Pferd kann man dann die eigenen, gut gefestigten Charaktereigenschaften bewusst einsetzen, anstatt verkrampf und ungeduldig einmal die Woche beim Pferd tief Atmen zu üben.

"In meinen Kursen arbeite ich mit Chiropraktiker und Tierarzt Dr. David Siemens zusammen, der alle Kurspferde gesundheitlich betreut. Häufig haben die Tiere schmerzen durch nicht passende Sättel, Blockaden oder Knochenveränderungen. Der Grund warum diese Reiter Probleme mit ihren Pferden beim Reiten haben, liegt dann oft an deren gesundheitlichen Zustand. Ein Reitkurs mit vielen Übungen unterm Sattel wird da langfristig nicht helfen. Erst einmal muss die Ursache genauer unter die Lupe genommen werden. Ruhig und sensible, abwechslungsreich und praxisnah ist der Unterricht von Mark Rashid. Subtil sind die Hilfen, ganz gleich ob es sich dabei um eine Jungpferd, ein ausgebildetes Dressurpferde, ein Freizeit- oder Westernpferd handelt. "Ich belohne schon den Gedanken des Pferdes, etwas richtig zu machen und erhalte dadurch sehr weiche, willige Pferde, die ruhig bleiben. Vordere ich einen Rückwärtsschritt, gebe ich mich damit zufrieden, wenn das Pferd den Gedanken aufgegriffen hat und sein Gewicht leicht auf die Hinterhand nimmt. Schon in diesem Moment gebe ich die Zügel nach. Es muss nicht den Schritt rückwärts nehmen. Aber es weiß, dass ich weiß, dass es verstanden hat, was es machen soll - und dafür lobe ich es. Frage ich es dann ein zweites Mal, sagt es meist schon: ah, ich weiß, rückwärts! - und setzt das Bein zurück. Frage ich aber nach, es versteht es, setzt es körperlich aber nicht direkt um und ziehe ich dann weiter am Zügel, bis das Bein zurück kommt, habe ich nicht mit seinem Gefühl oder Verstand kommuniziert, sondern den Schritt von Außen eingeleitet. Ich möchte, dass seine Aktionen von seinem Verstand eingeleitet werden und eine Reaktion auf meine Anfrage sind.

Infos deutsch: Rika Schneider
Tel. 02295-909032 I 0177-3228450I goodhorsemanship@gmx.de
Infos english: Mark Rashid Horse Training I P.O. Box 3241 I Estes Park, CO 80517 I USA I Toll-free: 001-866-577-9944 I Ph. 001-970-577-9944 consideringthehorse@yahoo.com


 

 

 

 

 

 

Text: Rika Schneider I Lindley