Peter Kreinberg:
Angaloppieren - auf der richtigen Hand

Was tun, wenn das Pferd unter dem Sattel auf einer Seite nicht immer auf der richtigen Hand angaloppiert, während es an der Longe sowie beim Freilaufen kein Problem darstellt.

Wird ein Pferd regelmäßig gearbeitet und ist gut ausbalanciert und hat es bei verschiedenen Gelegenheiten keine Probleme damit, im Rechtsgalopp anzugaloppieren, schließe ich ein anatomisches Problem bei aus. Allerdings sind Pferde häufig von Natur aus auf einer Seite steifer als auf der anderen Körperhälfte. Erfahrungsgemäß fällt es den meisten schwer, sich nach rechts hin hohl zu machen und die linke Körperhälfte zu dehnen. Dies könnte bei so einem Pferd eine Ursache sein. Sollte diese Umstand nicht sehr ausgeprägt sein, so ist das vermutliche nicht die Ursache. Wenn der Sattel gut passt und nicht auf einer Seite eventuell drückt, so kann es auch nicht an der Ausrüstung liegen.

Es liegt deshalb vermutlich an einem Verständigungsproblem zwischen Reiter und Pferd, wenn die Stute nicht rechts angaloppiert. Das kann verschiedene Ursachen haben:
1. Sie sind in ihrer Reittechnik (Losgelassenheit, Haltung, Sitz und Hilfen) noch nicht weit genug geschult, um dem Pferd die nötige Sicherheit und Führung zu geben, die es zu dieem Zeitpunkt beim Angaloppieren benötigt.

2. Sie behindern es durch Haltung und Zügelführung, so dass es sich beim Angaloppieren verspannt.

3. Ihr Pferd hat das nötige Verständnis für die Hilfengebung noch nicht erlernt. Zur Problemlösung kann ich grundsätzlich zwei Wege aufzeigen, die in Konsequenz dazu führen, dass sie ihre Stute kontrolliert auf beiden Seiten angeloppieren können. Der eine ist ein sehr langwieriger und aufwändiger während der andere in kürzerer Zeit zum Ziel führt.

A. Sie folgen den Grundsätzen der dressurmässigen Ausbildung von Reitpferden nach den Richtlinien der FN (Deutschen Reiterlichen Vereinigung). Das setzt voraus, dass sie selbst sich die notwendigen Voraussetzungen korrekter Reittechnik durch einen qualifizierten Reitunterricht vermitteln lassen, die notwendig sind, um mit reiterlichen Einwirkungen korrekt einwirken zu können. Auf dieser Basis können sie bei ihrem Pferd über einen längeren Zeitraum und durch solide gymnastizierende Arbeit das Maß der Durchlässigkeit erreichen, das notwendig ist, um mit präziser Hilfengebung den Rechtsgalopp einzuleiten.
Sie müssten das Zusammenwirken von Schenkel, Sitz und Zügelhilfen perfektionieren, bis sie zu einer sehr präzisen Hilfengebung in der Lage wären.

Ihr Pferd müsste durch folgende Übungen vorbereitet werde:
Sehr viel Arbeit auf gebogene Linien mit genügend Längsbiegung um den inneren Reiterschenkel. Wechsel zwischen reiten in leichter Anlehnung und Vorwärts-abwärts-Dehnungshaltung, Übergänge zwischen Schritt- Trab- Schritt. Wendungen um Vor- und Hinterhand, Schenkeweichende Übungen an der Bande und beim Viereck verkleinern und vergrößern, Übungen in Stellung im Travers und Renvers.
Durch diese Vorarbeit sollten Geschmeidigkeit, Balance und Hilfengehorsam sich deutlich verbessern.

Pferde, die sich beim Angaloppieren auf einer Hand etwas schwer tun, positioniere ich auf dem Zirkel reitend in Konterbiegung. Zur geschlossenen Seite der Bahn hin wirke ich dann mit den zum Zirkelmittelpunkt äußeren, zur Konterbiegung des Pferdes inneren Schenkel mit kräftigen Impulsen ein, währen auf der Seite zum Zirkelmittelpunkt hin Schenkel und Zügel passiv Raum geben. Ich gebe dabei deutliche Stimmkommandos, die das Pferd von der Longenarbeit her kennt.
Auf diese Weise wird es dem Pferd sehr leicht gemacht, in den Handgalopp auf dem Zirkel überzugehen. Es sollte sofort gelobt werden, wenn es richtig anspringt. Nach ein bis zwei Zirkeln sollte man es wieder zum Trab übergehen lassen um das angaloppieren erneut zu fordern.
Diesen Wechsel von Trab und Galopp wiederholt man einige Male. Nach und nach wird das Pferd nun gerade mit nur leichter Innenstellung zum angaloppieren aufgefordert. Dabei wird der äußere Schenkel zum verwahrenden und der innere wirkt auf das Untertreten mit dem inneren Hinterbein immer dann ein, wenn es sich in der Schwebephase befindet.
Es ist wichtig, nicht zu versuchen, mit Krafteinwirkung das Angaloppieren zu erzwingen.

Ein häufig gesehener Fehler ist auch das übertriebene Schieben mit dem Gesäß oder das vorlehnen nach innen vorn. Alle diese groben Bewegungen stören und irritieren ein noch nicht gefestigtes Pferd und es verkrampft sich.
Bei entsprechend gut dosierter reiterlicher Einwirkung wird jedes Pferd den richtigen Handgalopp dann immer ruhiger anbieten.

Man geht nun vom Zirkel auf gerade Linien über und mit der Zeit wird aus dem Schritt ohne Trabpassagen dazwischen angaloppiert.

Die zweite Lösungsvariante fordert nicht so viel reiterliches Geschick, ich wende diese Übung oft in Kursen mit Erfolg an:
Stellen sie sich eine Pilone oder einen Longierblock mit etwa drei Meter Abstand von der Band an der Mitte einer kurzen Seite auf. Nun reiten sie im Trab auf dem Zirkel. Immer etwa zwei bis drei Pferdelängen, bevor sie den Pilon erreichen, parieren sie ihr Pferd zum Schritt durch und leiten es exakt am Pilon auf eine gleichmäßige Schrittvolte. Beginnen Sie auf der linken Hand. Lassen Sie es am losen Zügel zwei bis drei Volten gehen, achten sie darauf, dass sie mit dem inneren Schenkel und Zügel genügend einwirken, um eine Längsbiegung im taktmäßigen Schritt zu erreichen. Mit dem äußeren Schenkel achten sie darauf, dass die Hinterhand nicht ausbricht, mit dem äußeren Zügel an der Schulter begrenzen Sie die Vorhand. Wenn die letzte Volte beinahe geschlossen ist, Sie befinden sich in einem ca. 45 Grad Winkel zur Bande, wirken sie mit dem äußeren Schenkel mit recht energischen Impulsen ein, mit der Stimme unterstützen sie die antreibenden Einwirkungen, im Sitz entlasten sie den Pferderücken. Natürlich springt ihr Pferd sofort, eventuell nach einigen Trabschritten im Linksgalopp an.
Sollte es sich zögerlich zeigen, so nehmen Sie eine Gerte dazu und unterstützen die Schenkelimpulse und die Stimmkommandos mit ein, zwei kurzen Gertenstreichen.
Nach einigen Wiederholungen wird ihr Pferd das Angaloppieren nach den Volten um die Pilonen in der entsprechenden Stellung zur Bande anbieten, da es diese Übung mit dem Ort verknüpft.
Nun beginnen sie auf der rechten Hand. Es ist sehr wichtig, die Biegung auf der Schrittvolte so gut als möglich zu fördern. Nach einigen Schrittvolten geben sie nun mit steigender Intensität aber nicht überfallartig Ihre Hilfen wie auf der linken Hand zuvor. Sollte es nur Traben, so treiben sie es solange an, bis es in Galopp fällt. Sollte es sofort oder nach Trabschritten in Kreuzgalopp oder Außengalopp fallen, so treiben Sie es weite, bis sie wieder einige Pferdelängen vor dem Pilon sind, gehen zum Schritt mit genügend Biegung über und lassen es auf den Schrittvolten wieder ruhig werden.

Wiederholen Sie die Übung 5 - 10 mal auf der rechten Hand, wenn es sehr lange trabt, bevor es anspringt oder wenn es keinen Rechtsgalopp bietet. Dann gehen Sie in andere Übungen mit ruhigem Hintergrund über.
Wiederholen Sie pro Trainingstag zwei bis drei mal diese Übungseinheiten 5 - 10 mal. Wechseln Sie dabei zwischen linker und rechter Hand.
Hören sie früher auf, wenn Ihr Pferd sich aufregt und hektisch wird. Sollte es aus der Volte und dem Schritt mit nur ein, zwei oder gar keinem Trabschritten angaloppieren, so loben sie es, gehen noch mal zur Schrittvolte über und beenden die Lektion für den Tag.
Auf diese Weise sollte es sich nach einigen Tagen ohne Hektik aus einer Volte rechts angaloppieren lassen. Nun reiten sie nach der Volte noch einige Schritte geradeaus, bevor Sie das angaloppieren in der Gewohnten Manier fordern. Mit der Zeit sollte es nun möglich sein, mit gleicher Kombination von Stimm- und Schenkelhilfen mit Entlastungssitz anzugaloppieren.

Gelingt das, so kann man damit beginnen, ausgesessen anzugaloppiern. Ich habe Ihnen im ersten Teil den dressurmäßigen Weg aufgezeigt. Wenn sie diesen langen und aufwändigen Weg wählen, so ist das sehr zu begrüßen. Sie werden dann irgendwann nicht nur dieses Pferd sondern auch andere, noch nicht komplett ausgebildete Pferde mit ihrer verbesserten Reittechnik schulen können.

Im zweiten habe ich ihnen eine Vorgehensweise aufgezeigt, die zwar die Ausbildungsdefizite bei Pferd und Reiter nicht beseitigt, dennoch aber das Problem lösen hilft und zu einer verständnisvollen und funktionalen Weiterentwicklung führt. Das Pferd lernt von Ihnen dabei, das Angaloppieren auf linker und rechter Hand bewusst als ein Manöver zu verstehen und auszuführen. Hat es das einmal verstanden und die Ausführung des Manövers regelmäßig geübt, wird es keine umfassende, reiterliche Hilfengebung mehr benötigen, sondern nur noch Ausführungssignale. Es wird auch für schwächere Reiter mit nicht optimaler Hilfengebung auf beiden Seiten angaloppieren und damit im Galopp nicht mehr nur einseitig belastet werden.

 


Text & Fotos: Schneider I Horses In Media

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