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Bei Pferden, die in den Grundgangarten
gleichmäßig laufen, doch bei Wechsel der Gangart den Kopf hochnehmen,
liegen die Ursachen in der Regel bei Reiter und Pferd. Zur Sicherheit
sollte man aber eine tierärztliche Untersuchung veranlassen, um auszuschließen,
dass zum Beispiel Verletzungen im Maul die Ursache sind. Der beim Korrekturpferd
zur Gewohnheit gewordene Verspannungsreflex in Hals- und Rückenmuskulatur
kann durch gezielte Übung abgebaut werden und Losgelassenheit und Takt
erreicht werden.
In folgender Übung, die mit Wassertrense geritten wird, kann der Reiter
sein Gefühl für ruhige und abgestimmte Einwirkungen verbessern und so
seine Hilfen gezielter platzieren.
Das Pferd verkürzt oder erweitert dann
seinen "Bewegungsrahmen" ohne die Vorhand mehr zu belasten oder gegen
das Gebiss zu drücken. Der Reiter bewirkt so ein aktiveres Untertreten
mit dem jeweils inneren Hinterbein des Pferdes und fördert damit eine
kurzzeitige, leichte Versammlung. Die einzelnen Phasen der Übung geben
Pferd und Reiter genügend Zeit und fördern das Vertrauen des Pferdes
in die Einwirkungen. Der Reiter kann sich auf korrekte Platzierung und
Dosierung der Einzelfunktionen konzentrieren. Die Übung hat einen vermehrt
lösenden Effekt.
Das Arbeiten an Übergängen bietet mehrere Vorteile:
Kontrolle über Tempo wird
deutlich verbessert
Übergänge
zwischen den Gangarten werden weicher
Es wird möglich, präzise
an einem vorgegebenen Punkt die Gangart zu wechseln.
Das Pferd lernt, am losen
Zügel die Übergänge ausbalanciert, ruhig und weich auszuführen. Der
Reiter sollte erst dann zum nächsten Schritt übergehen, wenn der vorangegangene
korrekt ausgeführt wurde. Aus diesem Grund ergibt sich zu Beginn der
Arbeit noch kein komplettes Manöver "Gangartwechsel". Nach einer Aneinanderreihung
der Schritte ergibt sich jedoch die Fähigkeit des Pferdes, präzise und
innerhalb von Augenblicken einen fließenden, ausbalancierten Gangartwechsel
auszuführen.
1. Stellen Sie im Schritt eine weiche Verbindung zum Pferdemaul
mit dem dicht am Hals liegenden inneren Zügel her. Warten Sie darauf,
dass das Pferd in Genick, Hals und Schulter nachgibt, ohne dabei die
Linienführung oder das Tempo zu verändern.
2. Kontaktaufnahme mit dem äußeren Zügel bis zur weichen Nachgiebigkeit
in Genick, Hals und Schulter ohne Veränderung der Linienführung oder
des Tempos.
3. Legen Sie den inneren Schenkel an, einen Moment später den äußeren
und behalten Sie Linienführung und Tempo bei. Bande oder Zaun begrenzen
nach außen.
4. Aktive Impulse mit dem inneren Schenkel in mittlerer Position.
Diese werden von hinten nach vorn streifend immer dann gegeben, wenn
das äußere Vorderbein (und einen Augenblick später das innere Hinterbein)
in der Schwebephase ist. Die Impulse eventuell stärker wiederholen,
bis das Pferd die Gangart gewechselt hat. Beide Zügel begrenzen dabei
durch weichen Kontakt. Der innere Schenkel wird passiv, bleibt aber
auf Tuchfühlung.
5. Möchte das Pferd davoneilen oder drückt es gegen das Gebiss,
baut man mit passiv festgestellten Händen etwas mehr verhaltenden Druck
auf das Gebiss auf. Unter keinen Umständen sollte mit den Zügeln nachgeben
werden, wenn das Pferd stärker gegen den Zügel geht.
6. Bei Pferden, die dem Reiter die Zügel mit Gewalt aus der Hand
ziehen, ist es sinnvoll, die Zügelfäuste am Mähnenkamm vor dem Widerrist
aufzusetzen.
Man gibt weiter, in gleicher Rhythmik, eventuell in gesteigerter Dosierung,
Schenkelimpulse, der innere Schenkel ist eventuell etwas weiter hinten
platziert. Manchmal ist es hilfreich, nur mit der äußeren Hand nachzugeben,
den Kontakt zum Maul dabei jedoch zu halten. Das Pferd wird nun etwas
engagierter mit dem inneren Hinterbein untertreten. Man fühlt, wie sich
Spannung über das Rückenband aufbaut und sich seine Schultern heben.
Der Kopf kommt dabei häufig höher und noch zögerlich und etwas stockend
wird das Pferd in den Trabrhythmus übergehen. Es gibt auch noch nicht
im Genick nach, man spürt sogar verstärkten Druck am Gebiss.
Vermindert sich der Druck, weil das Pferd die Halsmuskulatur entspannt,
gibt man mit dem Außenzügel nach. Das Pferd hält den Trab und dehnt
die Halsaußenseite. Der innere Schenkel begrenzt weiter und gibt eventuell
etwas stärkere Hilfen, sollte das Pferd von der Linie nach innen abweichen
wollen. Jetzt mit dem Innenzügel nachgeben. Das Pferd dehnt die Muskulatur
nun auch auf dieser Seite und streckt den Hals vorwärts-abwärts. Es
ist wichtig, ihm genügend langen Zügel zu geben.
7. Die Schenkel in eine passive Haltung zurück nehmen, sie hängen
locker herunter. Das Pferd ist gerade oder ganz leicht gestellt und
geht geradeaus.
Dieser häufige, geregelte Wechsel zwischen dem Reiten in Anlehnung,
am losen Zügel und wieder in Anlehnung fördert Losgelassenheit, auch
wenn es mit den Hinterbeinen zeitweilig vermehrt Last aufnehmen muss.
Treibende Sitzeinwirkungen sind hier zunächst bewusst ausgeblendet,
da Rückenverspannungen bei Pferd und Reiter häufig eine Ursache für
dieses Verhalten sind. Dieser negative "Verspannungskreislauf" kann
aber gerade durch diese Übung überwunden werden.
Text & Foto: Schneider
I Horses
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