Peter Kreinberg
Seitwärtsgänge solide erarbeiten

Ob man Lektionen in der Bahn reiten oder ein sicheres Gelände- und Freizeitpferd ausbilden möchte - nur ein Pferd, das vertrauensvoll an den Hilfen steht, ist in Manövern oder in schwierigen Situationen zuverlässig zu kontrollieren. Das Kontrolle nichts mit ‚Dominieren' zu tun hat, sondern mit fachlich korrekter Hilfengebung und der richtigen Portion Gefühl, erläutert Pferdekenner Peter Kreinberg.

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" heißt es in dem Sprichwort. Und sitzt man im Gelände auf einem Pferd, dass vor lauter Schreck vor dem Kinderwagen des Fußgängers nicht mehr zu halten ist, dann weiß man warum. Kontrolle haben wir alle gerne, nur die Art und Weise wie sie in den meisten Fällen der Pferdeausbildung ausgeübt wird, missfällt uns häufig. Für Peter Kreinberg bedeutet Kontrolle, dass das Pferd die Hilfen des Reiters versteht, diese akzeptiert und locker darauf reagiert: "Reagiert ein Pferd entspannt und willig auf die Signale des Reiters - also ohne sich dabei in der Muskulatur zu verspannen -, so kann der Reiter auch in Momenten starker Außeneinwirkung (Wind, Plane, Hunde, Kindwagen etc.) auf die Ausbildungsbasis seines Pferdes zurückgreifen", erläutert der Begründer der ‚The Gentle Touch-Methode' sein Konzept. "Das Pferd bleibt dann auch in Situationen, in denen es zur Flucht neigt, an den Hilfen und somit beim Reiter." Um so zuverlässig mit dem Pferd zu kommunizieren, ist das Beeinflussen und ‚Setzten' der Beine des Pferdes notwendig. Ob rückwärts, vorwärts rechts oder links - der Reiter bestimmt die Bewegungsrichtung und die Anzahl der Schritte des Pferdes.

Bei einem Pferd, das schlecht oder gar nicht unter dem Sattel seitwärts tritt, ist meistens eine Verständigungsproblematik die Ursache:

•Das Pferd versteht die Bedeutung der reiterlichen Einwirkungen nicht, weil es sie nie gelernt hat.

•Es versteht die Hilfen, der Reiter, gibt diese jedoch unpräzise, platziert oder dosiert sie falsch.

•Es versteht die Hilfen, der Reiter gibt sie korrekt, doch das Pferd hat Koordinationsprobleme, weil es nicht locker genug oder nicht genügend gekräftigt ist.

In jedem dieser Fälle sollte mit Vorübungen die Grundlage für das Reiten von Seitwärtsgängen geschaffen werden:

Die Arbeit an der Hand
vermittelt dem Pferd das System von Körperdruck (Zügelkontakt, Schenkeldruck. Sie bildet die Verständigungsgrundlage und sollten den Übungen im Sattel vorangehen:

• Das Pferd läuft am sechs Meter langen Leitseil im Kreis im Schritt herum. Durch regelmäßiges Geben und Nehmen, Verlängern und Verkürzen des Seiles wird es dazu animiert, den Abstand zum Ausbilder zu verkleinern und zu vergrößern. Mit gezielter Hilfe auf Schulter oder Hüfte des Pferdes, mit dem Leitseilende oder einer Longierpeitsche, weicht das Pferd mit dem entsprechenden Körperteil und wird so die ersten überkreuzenden Schritte tun. In regelmäßigen Schritt-Kehrtvolten wechselt es nach einigen Wiederholungen locker und koordiniert und kreuzt mit den Vor- und Hinterbeinen.

• Mit der Wassertrense stellt man das Pferd an der Bande auf, positioniert sich zu seiner Seite hin schauend so, dass eine Hand den Zügel kurz unter dem Gebiss fasst, mit der freien anderen Hand, die zur Hinterhand hin positioniert ist, hält man locker eine Dressurgerte. Mit leichten, touchierenden Impulsen lässt man es im Schritt antreten und in Form einer Volte um sich herum gehen. Nachdem sich die Volte geschlossen hat, soll das Pferd noch zwei oder drei Tritte auf der gebogenen Linie ausführen. Durch gefühlvolle Zügeleinwirkung und Touchieren an der Seite oder am inneren Hinterbein kann es nun die ersten Tritte seitwärts kreuzen. Daraus erarbeitet man dann wieder eine Volte und einige Tritte seitwärts. Die Übung auf beiden Händen in kurzen Reprisen wiederholen.

Unterm Sattel
dienen Wendungen um die Vorhand als Verständnisübung. In kurzen Reprisen werden sie ohne Kraft und Zwang ausgeführt:

• Mit touchierenden, einfühlsamen Schenkelimpulsen wirkt man, anfänglich weiter hinten, ein, bis das Pferd den Zusammenhang zu den Kontakt-Druck-Einwirkung des Schenkels mit den Übungen an der Hand verknüpft und mit der Hinterhand weicht. Tritt für Tritt soll es die Wendung um die Vorhand ausführen. Gelingt dies ohne Verspannungen folgen Übungen auf der Volte:

• Nach Vollendung einer Volte auf dem Hufschlag lässt der Reiter das Pferd auf der gebogene Linie noch zwei oder drei Tritte tun, bis es etwa in einem 45-Grad-Winkel von der Bande abgestellt ist. Die Hinterhand befindet sich auf dem Hufschlag, die Vorhand ist etwa eine Pferdebreite in die Bahn positioniert.

• Nun nimmt man vermehrt die Zügel an - nicht Ziehen - und sorgt durch weiches wechselseitiges "Spielen" mit dem Gebiss, für Nachgiebigkeit in Genick und Maul des Pferdes. Gleichzeitig nimmt der Reiter alle Spannung aus dem äußeren Bein, gibt dem Pferd seitlich Raum - es soll ja schließlich dorthin seitlich ausweichen. Mit der Wade des inneren Schenkels gibt er von hinten nach vorn streifende, weiche Impulse. Im Idealfalle immer dann, wenn das äußere Vorderbein und kurzzeitig später das innere Hinterbein in der Schwebephase sind.

• Anfänglich werden die Seitwärtstritte etwas unkoordiniert und taktunrein sein. Das wird erst mit zunehmender Wiederholung besser. Das Pferd soll unverkrampft seitwärts treten. Nach einigen Tritten lässt man es wieder in die Volte vorwärts gehen, es wieder seitwärts, dann auf der Volte gehen und so weiter.

Kreinberg empfiehlt, dabei locker und zentriert zu sitzen. Keinesfalls darf der Reiter mit dem Oberkörper zur Seite lehnen, das würde das Pferd irritieren und in der Rückenmuskulatur verspannen. Auch punktuelles Einwirken durch einseitige aktive Gesäßeinwirkung oder das so genannte ‚Kreuzanspannen' sollte vermieden werden. "Passiv, locker und balanciert", betont der Ausbilder, "das sind die besten Gewichtshilfen zu diesem Zeitpunkt, um ein locker und zwanglos mitarbeitendes Pferd vertrauensvoll an die Seitengänge heranzuführen."

Infos: www.thegentletouch.de
Text: Rika Schneider

Dieser Artikel erschien auch in der Fachzeitung FreizeitReiter.

 


Fotos: Gabriele Boiselle

An der Hand lernt das Pferd auf Druck am Köper - später
wird dies durch Zügel oder Schenkel sein - nachgiebig und weichend zu reagieren. Solide Bodenarbeit sollte den
Übungen im Sattel vorangehen.

 

Die TGT-Methode ist praxisnah und legt die Basis, die nicht leistungssportlich orientierten Freizeitreiter wichtig ist:
- Ein gelassenes, sicher kontrollierbares Pferd mit guten Manieren an der Hand
- Dieses soll im Umgang, bei Hufschmied, Tierarzt oder Hängertransport keine Probleme machen.
- Es soll von Reitern mit durchschnittlichen reiterlichen Fähigkeiten problemlos zu reiten sein.
- Es soll sich in Tempo und Richtung leicht manövrieren lassen.
- Es soll in den Grundgangarten angenehm an leichten Hilfen zu reiten sein.
- Es soll einzeln oder in der Gruppe in Reitbahn oder Gelände gleichermaßen willig mitarbeiten.
- Es soll keinen hohen Trainingsaufwand notwendig machen, um es auf dem einmal erreichten Ausbildungsstand zu erhalten. Damit ein Pferd all diese Eigenschaften verlässlich anbieten kann, muss es eine entsprechende "Freizeitpferde-Ausbildung" an der Hand und unter dem Reiter erfahren. Dafür ist ein zweckmäßiges Trainingsprogramm für Pferd und Reiter hilfreich!