Peter Kreinberg
Was tun, wenn das Pferd beim Hufegeben tritt?

Von Pferden, die das Bein immer zurückziehen oder gar ausschlagen, wenn sie den Huf geben sollen, damit der gepflegt oder bearbeitet werden kann, geht ein deutliches Gefährdungspotential aus. Diese Reaktionen geschehen grundsätzlich zunächst aus einem instinktiven Selbstschutzverhalten heraus.

Wird es versäumt, einem Pferd im Rahmen eines grundsätzlichen Erziehungsprogramms schon in jungen Jahren durch zweckmäßige Übungen die Erfahrung zu vermitteln, wie es problemlos die Hufe geben kann und das auch tun muss, so gewöhnt es sich schlechte Manieren oder gefährdet Menschen sogar.

Im Rahmen meiner The Gentle Touch-Bodenarbeit gibt es eine bewährte Übung, mit der auch bei unmanierliche Pferde das Hufegeben zu einer selbstverständlichen Routine entwickelt werden kann.
Planen Sie einige Übungseinheiten ein, solch eine schlechte Angewohnheit lässt sich nicht an einem Tag korrigieren.

Zunächst muss das Pferd lernen, sich auf drei Beinen auszubalancieren. Dazu stellen Sie es an einem ebenen Ort mit festem Grund auf. Es kann angebunden sein oder wenn es sich problemlos am Halfter kontrollieren lässt, stellen sie es parallel zu Bande oder zu einer Wand auf.

• Im ersten Lernschritt streifen sie es mit einer Touchiergerte am Körper und dann nach und nach an den Beinen ab, bis es ruhig steht. Wichtig: streifen Sie weiter, wenn es zappelt oder ausschlägt, hören Sie auf wenn es ruhig steht und sich entspannt. Das machen Sie von beiden Seiten, bis es sich ruhig verhält.

Zweiter Schritt: Beginnen Sie mit den Vorderbeinen. Touchieren Sie mit der Gerte in ruhigem Rhythmus behutsam aber penetrant so lange ein Bein auf Höhe des Fesselgelenkes oder des unteren Röhrbeines, bis es das Bein hebt. Wiederholen Sie dann dieses Verfahren mit immer feiner werdenden Gertenberührungen, bis es das Bein nicht mehr reflexiv schnell hebt, sondern die Muskeln langsam entspannt und den Huf entsprechend langsam wie in Zeitlupe hebt.

Schritt drei: Tippen Sie so gefühlvoll und behutsam an, bis es einen Vorderhuf auf die Hufspitze stellt und die Beinmuskeln entspannt.

Schritt vier: nun können Sie vorsichtig und ohne Kraft mit der Hand das Bein im Bereich der Fessel berühren und es animieren, das Bein zu heben. Halten Sie es ohne Kraft in der Luft, will es wieder absetzen, so lassen Sie es gewähren, fordern es aber sofort wieder auf, es anzuheben. Sobald es ein Bein hebt und ruhig in Ihrer Hand liegen lässt, setzen Sie es ab und lobe Ihr Pferd. Nun verlängern Sie die Phasen, in denen es das Bein in der Luft hält immer länger.

Schritt fünf: nehmen Sie ein Stück Holz und klopfen Sie vorsichtig auf die Unterseite des Hufes, um es damit vertraut zu machen, dass der Schmied später mit dem Hammer nagelt. Gelingt das bei beiden Vorderbeinen, machen Sie es bei den Hinterbeinen genau so. Durch die Übung lernt das Pferd:

1. Wie es sein Gewicht selbstständig auf die drei verbleibenden Beine verlagern kann,

2. Wie es bewusst ein Bein hebt und das dann nach und nach langsam und überlegt tut,

3. Das es keine Ruhe bekommt, solange es zappelig ist, sich wehrt oder den huf nicht hebt,

4. Das es sofort belohnt wird, wenn es sich kooperativ zeigt,

5. Das es sich nicht wehren muss und kann, da niemand mit Kraft einwirkt Nehmen Sie sich für diese Übungen einige Tage Zeit, schließlich hat sich die Unart auch über eine längere Zeit eingeprägt.


Text & Foto: Schneider I Horses In Media

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