Tipp von Peter Kreinberg
Bessere Heilung bei guter Vorarbeit

Bessere Heilungschancen bei guter Vorarbeit

Ein Pferd nach einer gesundheitlich bedingten ‘Stehphase’ wieder langsam aufzubauen, artet für Pferd und Mensch oft in viel Stress aus. Jedes Pferd reagiert anders auf ein ‘Stehen’, schon in der Box und dann bei den ersten Schrittrunden zeigen sich deutliche Unterschiede im Verhalten und Energiepotential. Die Heilungsphase kann sich bei einem Pferd, dass an der Hand tänzelt und springt oder in der Box seine Kreise dreht, verzögert werden. Wie Sie Ihr Pferd auf solch eine Situation vorbereiten können, und was zu beachten ist, wenn das Pferd langsam wieder belastet werden darf, erläutert Ihnen Peter Kreinberg:

„Vorarbeit beim Führen zahlt sich aus"

Wenn ein Pferd bedingt durch gesundheitliche Probleme über einen längeren Zeitraum stehen muss und dann nur durch kleine Schritteinheiten wieder bewegt werden darf, wird es für Halter und Pferd häufig schwierig. Um dem Pferd die ‚Haft’ – auch wenn sie gut gemeint ist – leicht zu machen, muss man die Situation immer individuell betrachten: Während das eine Pferd in einer Außenbox viel ruhiger ist, da es dem Treiben auf dem Hof zuschauen kann, würde ein anderes dort vielleicht im Kreis drehen, wenn es sieht wie seine Weidegenossen über den Hof geführt werden. So ein Pferd wäre vielleicht in einer Innenbox besser aufgehoben. Boxenruhe zur Genesung heißt häufig auch, dass ein Pferd alleine stehen muss, da die anderen morgens auf die Weide kommen. Vielleicht ist es dem Stallinhaber ja möglich, im Wechsel immer wieder ein anderes Pferd neben den Patienten in die Nachbarbox zu stellen. Muss das Tier über mehrere Monate stehen empfiehlt es sich sogar, eine Ziege als Gefährten zu kaufen. Dieser Trick ist weltweit bekannt und hat sich sehr bewährt.

"Sicher Führen durch Gehorsam"

Wenn das Pferd dann die ersten fünf oder 20 Minuten im Schritt geführt werden darf, fühlt es sich häufig wie ein Pulverfass am anderen Ende des Führseils an. Ob dieses in die Luft geht oder ruhig bleibt hängt von der Vorbereitung ab. Gehorsam am Boden zahlt sich hier aus. Ein Pferd, das im Alltag auf die Signale des Reiters oder Pflegers gut reagiert und diese durch Rituale gefestigt sind – wie zum Beispiel vor der Box ruhig stehen, ehe es rein geht, Vorwärts-, Seitwärts- und Rückwärtskontrolle an der Hand – kann auch mit hohem Energiepegel einigermaßen gut im Rahmen gehalten werden. Ein Pferd aber, das auch im gesunden Zustand am Halfter zieht, nur mit Druck rückwärts oder seitwärts zu manövrieren ist oder über die Schulter zum Gras oder zu einem anderen Pferd wegdrückt, kann im Krankheitsfall sehr gefährlich werden. Denn mit dem Anstieg seines Bewegungsdrangs potenziert sich auch die Intensität seiner Handlung. Heftiges Bocken oder Wegstürmen ist dann nicht nur gefährlich, sondern verlängert eventuell auch die Genesungsphase. Bei einem Sehnenschaden kann das die Stehphase um einige Monate verlängern.

Hat ein Pferd durch stetiges Üben gelernt, fein an Halfter- und Zügelhilfen zu stehen und darauf nachgiebig zu reagieren, dann wird es auch in so einem Fall nicht gänzlich aus dem Rahmen springen. Bei einem Fluchttier, das lange stehen muss, ist aber immer Vorsicht geboten. Der Reiter sollte ruhig und dennoch aufmerksam mit seinem Pferd umgehen.

Anstatt mit dem Pferd einmal am Tag 20 Minuten spazieren zu gehen, empfiehlt es sich – wenn es der Tierarzt erlaubt – in Reprisen mit dem Pferd zu laufen. Lieber viermal am Tag fünf Minuten, da wird dem Pferd nicht so langweilig und es kann sich an ein kleines ‚Führ-Ritual’ um den Hofherum gewöhnen. In fünf Minuten kann es sich noch nicht so aufpuschen.

Die Wegstrecke sollte nicht weit weg vom Hof sein. Wenn es der Tierarzt zulässt, kann das Pferd vielleicht in einem großen Kreis im Innenhof geführt werden oder jemand mit einem ruhigen Pferd begleitet den Patient beim Spaziergang. Welches Equipment verwendet wird, kann der Besitzer selber entscheiden. Er weiß am besten, womit er sich sicher fühlt und wie schreckhaft und haltbar sein Pferd ist. Ein Strickhalfter kann da genauso empfehlenswert sein wie eine Trense: Es kommt darauf an, wie gehorsam das Pferd unter der Anspannung reagiert.

Wichtig: Passen Sie die Fütterung immer den Bewegungsmöglichkeiten ihres Pferdes an.

 


Gezielte Führübungen wie Anführen, Anhalten oder Rückwärtsrichten sollte jeder Pferdebesitzer mit seinem gesunden Pferd erarbeiten. Erst auf dem heimischen Reitplatz und dann auch bei Außenreizen oder in fremder Umgebung. Ein klare Verständigungsgrundlage hilft Pferd und Reiter, sich zu verstehen.


In welcher Box ein Pferd während der 'Stehphase' am ruhigsten ist, hängt individuell vom Pferd ab. Dieser Schimmel hält die Aktivitäten im Hof im Blick, ohne dabei in der Außenbox zu kreisen. In einer Innenbox hingegen, ist er unruhig und dreht sich viel. Bei einem anderen Pferd kann dieses Verhalten genau umgekehrt sein.

Text & Fotos: RS