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Unter dem Begriff Zügellahmheit versteht
man eine Untaktmäßigkeit in der Bewegungsfolge, die dann besonders deutlich
hervortritt, wenn ein Pferd mit Zügelkontakt geritten wird. Es verkrampft
sich, weil es das Vertrauen in die reiterlichen Einwirkungen verloren
hat. Besonders die Gebisseinwirkungen im Maul lösen diese Muskelverkrampfungen
und -blockaden aus.
Bevor man sich als Ausbilder mit dieser
Problematik befasst sollte ein Tierarzt das Pferd untersuchen und sicherstellen,
dass in Maul, Skelett und Muskulatur keine schmerzhaften Schädigungen
vorliegen. Um dem Pferd zu helfen, Zwanglosigkeit und Losgelassenheit
wieder zu finden, arbeite ich in vier Korrekturschritten. Die ersten
beiden Übungen vom Boden aus, minimieren negative Verknüpfungen, die
durch reiterliche Einwirkungen entstanden sind.
Durch zwanglose Dehnungsübungen soll das
Pferd wieder zu einer dynamischen und unverkrampften Tätigkeit der Hals-
und Körpermuskulatur gelangen.
1. Das Pferd soll am Gebiss abkauen und sich an der Hand in Genick
und Hals biegen.
Stellen Sie sich vor Ihr stehendes, aufgetrenstes Pferd und schauen
Sie es an. Fassen Sie mit der linken Hand den rechten und mit der rechten
Hand den linken Zügel dicht an den Trensenringen. Die restlichen Zügelenden
halten Sie in einer Hand. Üben Sie dann mit beiden Händen einen weich
beginnenden, dann gleichmäßig wechselnden Druck mit dem Mundstück auf
die Lefzen aus, um das Pferd im Genick zur Nachgiebigkeit zu bewegen.
Sobald es die Neigung dazu zeigt, geben Sie nach, so dass als Folge
eine kauende Tätigkeit des Maules entsteht.
Hat sich Ihr Pferd nach einigen Wiederholungen an den Druck auf
beiden Maulseiten gewöhnt und versteift sich nicht mehr, so können Sie
mit dem Biegen an der Hand beginnen. Stellen Sie sich dazu wie beim
Abkauen lassen vor das Pferd. Soll sich das Pferd nach rechts biegen,
so gibt die linke Hand mehr Druck auf die linke Trensenhälfte, die rechte
Hand bringt das Trensenmundstück je nach dem in tieferer oder höherer
Position vor. Dadurch biegt das Pferd sich seitlich im Hals nach rechts.
Die Wirkung Ihrer Hände sollte dabei so abgestimmt werden, dass die
Biegung in den Ganaschen stattfindet. Jedes Nachgeben des Pferdes belohnen
Sie sofort durch kurzzeitiges Nachlassen des Gebissdrucks. Wiederholen
Sie die Übung nach beiden Seiten hin einige Male.
2. Im Schritt an der Hand soll das Pferd seitlich übertreten, um
das unverkrampfte und freie Zusammenspiel der gesamten Körpermuskulatur
in ruhigen und kurzen Bewegungsreprisen wieder zu normalisieren. Dabei
ist das Pferd wieder auf Trense gezäumt, aber nicht ausgebunden.
Stellen Sie sich an die inneren Schulter und halten Sie den inneren
Zügel dicht am Trensenring, der äußere läuft über das Genick des Pferdes
und wird ebenfalls mit dem inneren zusammen in der Hand gehalten. Mit
der anderen Hand halten Sie eine Gerte. Motivieren Sie das Pferd durch
Berührungsimpulse dicht oberhalb des Sprunggelenks mit der Hinterhand
auszuweichen. Mit der Vorhand bleibt es auf einem kleineren Kreisbogen,
mit den Hinterbeinen beschreibt es einen größeren. Es ist wichtiger,
dass es vor allem vorwärts - seitwärts übertritt als nur seitwärts zu
gehen. Verliert es die Vorwärtstendenz, so gehen Sie mit der Zügelführenden
Hand vor, mit der Gerte aktivieren Sie die Vorwärtstendenz in Form von
Impulsen. Diese werden oberhalb des Sprunggelenkes gegeben. Man sollte
nicht rückwärts mit dem Zügel auf das Gebiss und damit auf das Pferdemaul
einwirken. Durch Wiederholungen lernt das Pferd die Wendung um die Vorhand
an der Hand. Nun kann man es auch auf geraden Linien in seitlicher Stellung
oder Biegung auf drei oder vier Hufschlägen seitlich übertreten lassen.
3. Reiten Sie Ihr Pferd im ruhigen Schritt am losen Zügel. Entlasten
Sie dabei wird den Rücken durch entsprechende reiterliche Haltung. Nehmen
Sie mit einem Zügel Kontakt zu einer Maulseite auf. Ein weiches Herandehnen
ist hier die Zielsetzung. Reiten Sie im Schritt an der Bande
des Reitplatzes entlang. Halten Sie mit der inneren Hand die Zügel mittig
über dem Mähnenkamm des Pferdes. Mit der äußeren Hand (zur Bande) gleiten
Sie an der Halsseite am Zügel herunter, umfassen den Zügel mit der ganzen
Hand und nehmen ihn vorsichtig an. Dabei bleibt Ihre Hand dicht am Hals
und bewegt sich in Richtung Widerrist des Pferdes, bis ein Kontakt über
Zügel und Zäumung zum entsprechenden Mundwinkel des Pferdes hergestellt
ist. Dieser Kontakt darf nie zum Zug am Zügel werden, sondern muss stets
von der Hand her eine passiv festgestellte Verbindung sein. Sollte das
Pferd allerdings durch Druck gegen die Zäumung reagieren, so bleibt
Ihre Hand unnachgiebig, selbst wenn es mit aller Kraft versuchen würde,
Ihnen den Zügel aus der Hand zu ziehen. Sie benötigen dafür keine Muskelkraft,
wenn Sie Ihre Hand dafür auf dem Mähnenkamm aufstützen und sie fest
schließen. Halten Sie die Hand statisch, legen Sie diese eventuell gegen
den Hals des Pferdes, um sie zu stabilisieren oder stützen Sie sie auf
dem Mähnenkamm ab. Warten Sie, bis das Pferd am Zügel weichen Kontakt
anbietet und sich entsprechend auf der äußeren Halsseite in der Muskulatur
dehnt. Es gibt dabei sowohl seitlich wie auch etwas im Genick nach.
Sobald sich diese Reaktion einstellt, muss der Zügel in Richtung Pferdemaul
langsam nachgegeben werden, um dem Pferd ein Dehnen nach vorn und abwärts
zu ermöglichen. Diese Übung wird immer wieder ruhig wiederholt, zunächst
auf einer Seite dann auf der anderen. Gelingt das problemlos, bleibt
das Pferd locker und taktmäßig.
4. Im Schritt, später im Trab, können Sie auf beiden Maulseiten
nacheinander Kantakt herstellen: eine kurze Reprise in behutsamer Anlehnung
reiten und dann Ihrem Pferd wieder Gelegenheit geben, sich nach vorwärts-abwärts
zu dehnen.
Gibt das Pferd bei Kontaktaufnahme auf beiden Seiten weich nach
und dehnt es sich gleichmäßig vor, so ist es an der Zeit, vorsichtig
mit zunächst einem, dann dem anderen Zügel den Gebisskontakt zum Maul
herzustellen und für einige Schritte zu erhalten. Danach dehnen und
entspannen lassen.
Wichtig: Nicht beide Zügel zur gleichen Zeit nachgeben, sondern zunächst
auf einer Seite, dann auf der anderen. Mit der Zeit kann man beginnen,
behutsam mit aktivierenden (treibenden) Schenkelimpulsen einzuwirken.
Vorgenommene Hände und leicht aufwärts
wirkende Zügel lassen das Gebiss vermehrt in die Maulwinkel und nicht
auf die Laden wirken. Alle Übungen dienen dazu, die Muskeldehnung einzelner
Muskelgruppen gezielt zu fördern. Später wird das zwanglose An- und
Abspannen der gesamten Körpermuskulatur in ruhigen, koordinierten Bewegungen
angestrebt. So wird die Voraussetzung für eine korrekte, reiterliche
Gymnastizierung oder Nutzung des Pferdes wieder hergestellt.
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Text & Foto: Schneider I
Horses In Media
Ein zügellahmes Pferd verspannt sich
in Maul, Kopf und Hals. Durch
zwanglose Dehnungs-
übungen kann das Pferd
eine dynamische und
unverkrampfte Tätigkeit seiner
Hals- und Körpermuskulatur
wieder erlangen.
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