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Wie
auf Wolken durch Pulverschnee galoppieren, mit Schneeschuhen unreitbare
Wege passieren, mit dem "eigenen" Huskigespann um Tannen und
Birken fegen - im wilden Lappland verwandeln sich ganz normale Reiter
und Nichtreiter für einige Tage in heldenhafte Nordland-Trapper.
Still.
So still. Kein Laut ist zu hören, nur der Atem der acht braunen
Pferde, der ihre Tasthaare in Sekunden zu weiß gepuderten Stiften
gefrieren lässt. Kilometer entfernt jeglicher Zivilisation fühlt
sich Jaqueline wie Scott oder Amunson auf ihrer Expedition zum Nordpol.
Ein entferntes Knacken. Die Pferde halten den Atem an, verharren wie
angewurzelt. Und dann: Elche. Eine ganze Familie. Mit erhobenen Häuptern
traben die Tiere aus dem tiefen, weißen Walduntergrund auf der
anderen Seite der Lichtung hervor. Kauenden Pferdemäuler, Knirschen
unter den Hufen und raschelnde Pelzmäntel unterbrechen die unglaubliche
Ruhe, die einzigartig scheint. Es geht weiter. Fünfzehn weitere
schneereiche Kilometer müssen überwunden werden.
Der Schnee wird tiefer, die Pferde arbeiten sich hart durch den kalten
Untergrund. "Es ist zu anstrengend für die Pferde. Wir müssen
absteigen, unsere Pferde führen und mit Schneeschuhen weiter laufen,
um sie zu entlasten", empfiehlt Co-Guide Martin Einarsson den Gästen.
Seit über zwei Jahren reitet er an der Seite von Rikard Öhman,
der schon seit über 16 Jahren Reiturlaub in Nordschweden anbietet
und die Wälder, Wasserfälle, Felsen oder Moore kennt wie seine
Westentasche. Jaqueline schnallt sich die Schneeschuhe, die man sonst
nur aus Büchern oder Filmen kennt, unter die dicken Winterboots.
"Hier oben kann man sich den Großstadt-Stress von Mutter
Natur aus dem Kopf pusten lassen. Ganz einfache Dinge wie Wärme
und Nahrung für die Zweibeiner, Futter und verantwortungsvolles
Reiten für die Pferde sind hier oberstes Gebot - und natürlich
eine Menge Spaß und schnelle Ritte", erklärt die Französin.
Mit Schneeschuhen laufen ist nicht nur sportlich, sondern macht auch
irrsinnigen Spaß. "Man fühlt sich einen Meter größer,
da man auf der Schneedecke läuft, während das Pferde an der
Hand neben einem einsinkt", strahlt die 34-Jährige bei ihrem
ersten Schneeschuh-Erlebnis. Mit aufgestellten Ohren und hellem Blick
stapft der braune Orlow Traber in die Spuren seines Vorderpferdes -
das erste arbeitet dabei am schwersten. "Diese Pferde hier sind
sehr sanft im Umgang und dennoch ganz schön heiße Geschosse",
beschreibt Marketing-Chef Eric aus Schweden die etwa 1,65 Meter großen
Vierbeiner. "Es sind nicht irgendwelche Wanderreitpferde, die einen
von A nach B bringen. Die Werte hier draußen verteilen sich direkt
anders: Dieses Pferd, mein Partner, bringt mich sicher ins Camp. Und
ich kümmere mich darum, dass es dies auch kann: Sauberer Sattelgurt,
Futter, Wasser und vor allen verständliche Hilfen im Sattel - es
fühlt sich an wie ein eigenes Pferd. Vielleicht, weil ich mich
auf es genauso verlassen muss wie es sich auf mich", stellt der
Göteburger fest.
Yeehaw - die weiße Prärie ruft
Schwer atmend versucht Jaqueline die Spitze Ihrer dicken Winterboots
in den Steigbügel zu schieben, während ihr vierbeiniger Whisky
stehen bleibt, obwohl seine höhere Halshaltung und sein wacher
Blick Ungeduld signalisieren. "Als würde er sagen: Jetzt mach
schon, es sind schon andere mit Winterklamotten aufs Pferd gekommen",
lacht die Pariserin über ihre Aufsteig-Manöver in Pelzjacke
und Skihose. "Trotz dieser bitteren Kälte friere ich wenig,
die Jacken oder Mäntel aus Rentierfell sind unglaublich warm und
zudem fühlt man sich wie ein echter Trapper."
Der Tannenwald mit seinen tiefen, unebenen Böden geht zu Ende,
die Pferde wirken aufgeregt. Sie sind guckig und wollen vorwärts.
Und dann weiß Jaqueline auch warum: Eine große weiße
Lichtung so weit das Auge reicht. "Die Seen sind hier im Winter
komplett zugefroren und mit einer Schneedecke bedeckt - die Pferde lieben
es, hier so richtig Gas zu geben", erzählt Rikard, dessen
Pferd unter ihm immer spanniger wird. Yehhaaw heißt es dann nur
noch, als die ganze Gruppe im Galopp über die weiße Fläche
düst. Kraftvoll heben die Pferde ihre Beine, überwinden den
tiefen, aber hier draußen pulverigeren Schnee mit Leichtigkeit.
"Unglaublich was für eine Freude und Freiheit in den Pferden
zu spüren ist. Sie scheinen soviel Spaß daran zu haben und
wirken kein bisschen müde, obwohl sie schon drei Stunden unterwegs
sind", staunt Eric.
Abenteuer
auch für Nichtreiter
Hier scheinen schon mal Menschen gewesen zu sein: Eine Feuerstelle unter
dem Schnee wird sichtbar, ein hölzerner Unterstand, verborgen unter
einer Schneemütze kommt zum Vorschein. Mittagszeit. Das unterm
Dach gestapelte Holz wird in der Feuerstelle zur wärmsten Quelle
der Erde - zumindest scheint das so für die zwölf Reiter.
Dass zuerst immer die Pferde versorgt werden, der Sattelgut gelöst
und gefüttert wird, braucht Martin nicht mehr zu erwähnen
- für die Abenteurer selbstverständlich. Plötzlich spitzen
die Pferde die Ohren, Jaqueline vernimmt ein entferntes Surren, das
schnell lauter wird. Die Hunde sind da. Freund Marc und seine Gefährten
haben die erste Strecke auf ihren Huskischlitten gemeistert: Der nicht
reitende Freund wurde schnell eingewiesen und lenkt seine Huskies hauptsächlich
durch Stimmkommandos. Und dann ging es auch schon los. "Anstrengend
und ungewohnt, die Hunde von hinten anzufeuern und das Gleichgewicht
des Schlittens in den Kurven zu halten - aber ein phantastisches Gefühl",
strahlt der Franzose unter seiner Wintermaske hervor. "Nun habe
ich einen Bärenhunger." Gebratenes Rentierfleisch, Kartoffeln,
Gemüse, Soße zum Nachtisch eine starken Kaffe und einen Whisky
für die Wärme von Innen. Gestärkt und müde zugleich
ruhen Zwei- und Vierbeiner, die einen im Schnee, die anderen am Feuer.
Zumindest für eine Weile. Dann heißt es wieder auf Fährtensuche
gehen für die "Trapper", das große Nachtcamp ist
das nächste Ziel.
Wo
die Nacht zum Tag wird
Blaue Lichtstreifen durchziehen den Waldboden, glitzernde Pfade legen
sich vor den Reitern und den Schlitten nieder. Es ist Vollmond. In klaren
Nächten verwandelt sich das Schneemeer in eine stille Welt aus
blauen Kristallen. Nur der Mond scheint alles zu überwachen, die
Gespräche am Camp, das Lachen der Abenteurer am Feuer unter Sternenhimmel
und das Mümmeln der Vierbeiner im Heupaddock. Wo die Winternächte
einem Paradies gleichen sorgt die Schneekönigin für gelassene
Gemüter. Maren Tolsteen
Ritte,
Huski-Fahrten oder Heli-Skiing
Die individuelle Gestaltung der Touren machen sie für Reiter und
Nichtreiter zum lohnenden Vergnügen. Udda Äventyr, Rikard
Öhman, Schweden, Tel. +46-929-51170, +46-70-5851171, Email: contact@uddaaventyr.com,
www.uddaaventyr.com
Leslie
Desmond bei Udda Äventyr
Einige Ritte im Jahr werden von Horsemanship-Coach Leslie Desmond, bekannte
Schülerin von Altmeister Bill Dorrance, begleitet. Neben atemberaubender
Landschaft lernen die Reiter, Pferde aus einer ganz anderen Perspektive
zu betrachten.
Infos: www.lesliedemond.com,
mehr zu Leslie hier!
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Fotos: Olof Stenlund


Leslie Desmond


Rikard Öhman


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