Nomaden zu Pferd
Durch Regen, Schnee und Sonnenschein: Das Erlebnis Wanderreiten ist für viele Reiter ein Highlight, der Sorgen und Alltag vergessen lässt. Vorbei an Wiesen und Wäldern, an Bäumen, Seen und Ortschaften genießen tausende Naturfreunde jedes Jahr die Vielfalt Deutscher Landschaft sowie die Erholung mit Partner Pferd. Um harmonisch in einer Gruppe über Felder zu galoppieren oder um sich bei den verschiedensten Witterungen wohl zu fühlen, bedarf es Kenntnissen rund ums Thema Wanderreiten. Damit ihr Traumritt nicht zum Alptrraum wird, machte sich Rika Schneider auf den Weg und erkundete für Sie die Welt der "Nomaden zu Pferd".

Fleissig und raumgreifend ist der Schritt des schmalen Rappen von der Trabrennbahn, der mit einem Wanderreit-Neuling auf dem Rücken zufrieden durch die abwechslungsreiche Landschaft des schönen Schwalm- und Nettetals schwingt. Django ist eines der neun Pferde, die Wanderreitprofis Donna Toenbreker und Herbert Meeßen ihren Reitkunden für idyllische Ein- oder Mehrtagesritte zur Verfügung stellen. Unter vielen Buschreitern ist ein gesitteter und auch sicherer Geländeritt oft nicht möglich. Eine gute Vorbereitung von Reiter und Pferd ist das A und O um auf eigene Faust oder mit einem Führer los zu marschieren. Durch Kiefernwälder mit natürlichen Sandwegen, über abgemähte Felder oder entlang an Wiesen und Weiden - die dreizehn Reiter/Pferdpaare galoppieren hinter und nebeneinander her - kein Problem. Drei Quarter Horses, eine Paintstute und eine kompakte Araberstute spiegeln mit eigenen Besitzern und Australian Sheppard-Begleithunden, das wahre Westernbild wieder. Das Program des Wanderreitpaares Donna und Herbert bei Niederkrüchten ist umfangreich: Vom Planschen in der Nordsee über harmonische Ritte auf schneebedeckten Almen in Österreich, bis hin zu umfangreichen Angeboten in der heimatlicher Gegend rund um Niederkrüchten. Fünf Stunden genießt die zusammengewürfelte Gruppe den Wanderritt in allen Gangarten. Eine besondere Freude für die erschöpften Zweibeiner ist das Restaurant an der alten Mühle, wo gut gespeist wird, während die Pferde draußen an Bäumen angebunden fressen und ruhen. Wer also auf in die 'Wildnis' will und sie von der erholsamen Seite genießen möchte, sollte vorher Informationen einholen und sich über einige Fakten im klaren sein:
Das Wanderreit-Pferd
Die Wahl wie groß oder wie klein ein Pferd für den Reiter sein darf beruht auf einer alten Wanderreitregel, die noch heute zählt: ein Pferd sollte maximal mit einem Fünftel oder einem Sechstel seines Eigengewichts belastet werden. Es sollte voll ausgewachsen sein und mindestens fünf oder sechs Jahre alt sein. Gute Hufe, regelmäßige Gliedmaßenstellung und ein kurzer Rücken - er vermag den Reiter länger zu tragen als ein langer, mitschwingender - geben dem Pferd eine gesunde Ausgangsposition. Ein dünnes und zähes Pferd ist nicht ausdauernder als ein wohlgenährtes und es steht fest. dass gute Futterverwerterer ideal für lange Ritte sind (das heißt nicht das sie fett sein müssen). Groß- oder Kleinpferd? Das was zu einem passt! Übergroße Pferde erschweren das aufsitzen und das bepacken. Auf langen Ritten fallen sie oft zusehens ein und nehmen ab, da sie generell schlechter Futter verwerten, egal wieviel man dazufüttert. Zu kleine Pferde müssen eventuell auftraben um sich dem Schritttempo der Gruppe zu anzupassen. Die Reiter/Pferd-Kombination sollte stimmen, denn die Gesundheit der Vierbeiner steht immer an erster Stelle. Tatsache ist, dass kleine Pferde besser im Futter stehen und sich in der Wanderreitszene durchgesetzt haben. Hier einige der häufig im Wanderreitsport eingestezten Rassen (optimal bei robuster Haltung): " Norweger (Fjorpferd) " Quarter Horse " Araber " Bosnisches Gebirgspferd " Dülmener " Carmargue-Pferd " Isländer " Haflinger " Hannoveraner Pferdeausrüstung
Beim Thema Sattel wachsen so einigen Reitern schon bei der Aussprache graue Haare: was für einen für mein Pferd? Das man mit Springsätteln nicht auf einen Wanderritt geht ist klar, doch welche Wahl trifft man für lange Touren? Vorteile bieten Wander- oder Trekking-Sättel die es heute auch in Form von Western- oder Sportsättel gibt: Größere Auflagefläche, die das Gewicht des Reiters besser verteilt, ausgeformte Sitzfläche für den Reiter, stabile Krampen und Lederriemen, Gepäckösen. Firmen wie die Sattlerrei Way Out West, bieten verschiedenste Sattelformen zum Wanderreiten an. Vorsicht: niemals mit einem nagelneuen Sattel auf eine lange Tour gehen - erst einreiten.
Ausrüstungsgegenstände:
" Hufbeschlag, Ersatzeisen " Zaumzeug/Halfter " Packtaschen " Manatelsack (Packtasche die quer hinters Cantle geschnallt wird) " Leuchtgamaschen Ausrüstung des Reiters Dauer, Jahreszeit und Bedürfnis der einzelnen Reiter geben die Ausrüstung an. Bei Kleidung gilt jedoch immer die goldene Regel: Weit, bequem und warm genug, um einer eventuellen Änderung des Wetters zu entsprechen. Die Wahl des Gepäcks wird davon abhängig gemacht, ob man mit oder ohne Begleitfahrzeug reitet. Grundlegende Ausrüstungsgegenstände für jedermann die in Mantelsack und/oder Sattelpacktaschen verstaut werden können:
- Hut: breitkrempiger Hut im Westernstil, Sportmütze oder Baskenhut mit Kinnband gegen Windstöße. Kopfbedeckung gegen Sonne, Regen und Wind.
- Reitmantel: Lange Mäntel aus Vistram oder gummierten Material. Beliebt sind die australischen Reiter-Regenmäntel aus gewachster Baumwolle. Sie bieten Schutz bei lang anhaltendem Regen und bedecken Beine und den Pferderücken hinter dem Sattel. Richtige Knie- und Sattel-bedeckende Länge/Weite und Platz zum bequemen aufsitzen durch den langen Rückenschlitz mit Kellerfalte, ist für die optimale Mantelwahl ausschlaggebend. Manteltaschen mit "Durchgriff" ermöglichen einem im Sattel den Griff in die vom Mantel bedeckten Hosentaschen, ohne diesen umständlich aufzuknöpfen. Umhänge aus Loden oder Regen-Ponchos halten Regen nicht auf Dauer stand. Besser dagegen ist die dreieckige Zeltbahn: Zusammengeknöpft als Umhang sind Knie und Sattelkranz ausreichend bedeckt. Übrigens: aus drei Bahnen kann man ein Drei-Mann-Zelt bauen.
- Jacken: Ob Blouson, Anorak oder Wachsjacke - sie sollte robust, und pflegeleicht sein und Taschen mit Reisverschluß (für wichtige Papiere) aufweisen.
- Reithose: Stiefelhose, Lederhose, Jodhpurs, Jeans, Chaps oder eine "Wanderreithose" - dies ist eine Sache der Gewohnheit und der persönlichen Präferenz. Die Hosen sollten keine Falten werfen, um Druckstellen zu vermeiden. Lederhosen haften am Sattel und sind nicht so kühl auf der Haut wie Jeans und bieten Reitkomfort.
- Stiefel: Schuhwerk sollte wasserdicht, atmungsaktiv und vor allen Dingen gut eingelaufen sein, da bei schwerbereitbaren Gelände auch mal ein Fußmarsch bewältigt werden muss. Handschuhe, Mini-Chaps, Sonnenbrille, Gürteltasche, Brustbeutel, Taschentüscher, Badezeug, Feldflasche, Verbandspäckchen, Nähzeug, Taschenlampe, Kartentasche, Taschenmesser, Feldflasche und Feuerzeug sind einige der Gegenstände für lange Touren. Bei einem 5-stündigen Tagesritt liegt es an den jeweiligen Bedürfnissen, was eingepackt wird und was nicht. Auf eigene Faust? Wenn man sich mit dem Thema Wandereiten auseinandersetzt, sich beliest, Profi-Tips einholt und sich theoretisch und praktisch gut vorbereitet, steht einem Ritt auf eigene Faust nichts im Wege. Doch vor Beginn müssen ein paar Entscheidungen getroffen werden und ein Plan aufgestellt werden: Alleine oder mit anderen Reitern, Ziel, Zeitplan, Übernachtungs-Quartiere oder Zelt ? Pause-Möglichkeiten, Begleitfahrzeug oder nur mit Sattelpacktaschen. Routenplanung, Kartenmaterial, Jahreszeit (Winter ist generell nicht zu empfehlen).....
Training
Lansam und mit kurzen Strecken das Pferd konditionieren und an lange Stunden unterm Sattel gewöhnen. Tägliches, langes und abwechslungsreiches Reiten. An fremde Pferde, Stallungen, Futter und Futterzeiten gewöhnen. Die Gangart: Wichtig ist, dass alle Pferde einer Gruppe einen zügigen, raumgreifenden Schritt an den Tag legen. Sechs bis acht Stundenkilometer ist der Durchschnitt. Mit langem Zügel soll das Pferd durch Kreuz und Schenkel vorwärtsbewegt werden. Unarten wie kleben am Stall oder am Kumpel sollten bei Trainingsritten behoben werden. Zu zweit losreiten und getrennt wieder nach Hause reiten oder längere Futterpausen unterwegs können die Probleme lösen. TIP: Bei einem starken Kleber funktioniert vielleicht folgendes: Wenn das Pferd beim wegreiten klebt, traben sie ihn an und arbeiten ihn im Trab in Volten um das andere Pferd herum (an dem er klebt). Sobald sich ihr Pferd von seinem Kumpel abwendet oder nur die Ohren in eine andere Richtung dreht, werden Sie ruhig oder lassen es sogar in den Schritt fallen. Der Clou: Das Pferd wird merken das es sehr viel anstrengender ist bei seinem Kumpel zu bleiben als im Schritt Richtung Wald zu gehen. Dies kann einige Zeit dauern und erfordert Gedult. Das Langstrecken-Pferd muss lernen als Tetenpferd (am Kopf der Gruppe) zu gehen, nebeneinander im Pulk oder als letztes. Bei Pferden die lostraben oder angaloppiern, bewährt sich oft die Regel (wenn es das Gelände zulässt): Laufen lassen. Nach einiger Zeit nehmen sie dann gerne die Hilfe über den Sitz entgegen und fallen in eine niedriegere Gangart. Durch ziehen am Zügel erreicht man oft nur eine Gegenteilige Reaktion: Das Pferd trippelt nervös weiter. Durch Praxis wird das Pferd an Flußläufe, Bäche, Unterholz, baumstämmme, Gräben, hohe Felder oder Strassen gewöhnt.
Pannen & Reperaturen unterwegs
- Kaputtes Lederzeug: Nadel und Faden (für dickes Leder) retten so manchen Ritt. Auch mit nur einem Messerschlitz ins Leder kann ein gerissener Zügel leicht reperiert werden (siehe Zeichnung).
- Hufe: Hat das Pferd gesunde Hufe und einen Schmied der sein Handwerk versteht, kommt es fast nie zu einem Zwischenfall. Lockere Hufeisen müssen allerdings rechtzeitg nachgenietet werden. Wer Hammer und Zange nicht dabei hat, kann sich mit einem Stein behelfen.
- Notunterkunft: Wer ohne organisierte Quartiere unterwegs ist, sollte sich schon am Nachmittag auf die Suche begeben. Wer durch verreiten in der Dämmerung umherirrt sollte ein Lager wählen. Pferde an der Stallleine genügend Freiheit zum grasen geben und bis zum Morgengrauen ausruhen. In der Dunkelheit das Lager aufzuschlagen ist nicht ratsam.

Dies sind nur einige Tips und Hinweise um einen idyllischen Wanderrit zu genießen. Wanderreit-Anfänger können sich in die erfahren Hände von Donna und Herbert begeben, die sich rührend kümmer und sich auf ihren wunderschönen Ritten Plätze der Natur zeigen, die wir in unseren Gebieten nicht für Möglich gehalten hatten. Die Erholung und der Reiz in die Ferne zu reiten um neue Wälder und Gebirgsketten zu erkunden, um die Partnerschaft mit dem eigenen Pferd zu festigen und zu genießen, ist der Hintergrund vieler Wanderreiter in unserem Lande. Die langen Winterabende bieten sich an, um mit einer Tasse Tee die Wanderreit-Literatur zu studieren, damit man im neuen Jahr fit für den ersten Ritte.

Ausrüster:
- Lederreithosen-Dannecker, Roland Dannecker, Dachtmisser Str. 1, 21394 Kirchgellersen, T. 04135-870037, www.dannecker-collection.de
- Hand un Werk, www.handundwerk.com
- Way Out West, Sättel, 42855 Remscheid, T. 0202-4660513, www.wayoutwest.de
- Sattelshop Cerstin Jaeckel, Ausrüster, 21256 Handeloh/Höckel, T. 04188-899788, www.jaeckelsattelshop.de
- Hü & Hott Ausrüster, Rita Leithner, T. 08105-24220, www.hue-hott.de
- Burgwald Trekking, Wanderreit-Ausrüster, 35117 Simtshausen, T. 06423-7883, www.burgwald-trekking.de

Infos:
- Donna Toenbreker & Herbert Meeßen,
Venekotenweg 150, bei Niederkrüchten
Tel. 02163-984488, Fax 02163-984488,
www.nomaden-zu-pferd.de
- Verein der Wanderreiter-Simtshausen, Arno Muth,
3551 Münchhausen, T. 06423-7883
- Erster Trekking Club Deutschlands,
74423 Siehdichfür, T. 07973-910620, www.etcd.de