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Sicher
tritt der Schimmel den glitschigen Abhang hinunter, spitzt die Ohren,
ehe es durch den schlammigen Wassergraben auf die offene Wiese geht.
Col Awesome Socks fühlt sich unter Dr. Matthias Gräber nicht
nur auf Arenaboden wohl: In diesem Jahr startet er schon das sechste
Mal auf einem der abwechslungsreichen Versatility Ranch Horse-Turniere.
"Als ich die Anforderungen dieser neuen Show las - wie Holzstämme
innerhalb des Naturtrail ziehen, verschiedene Arbeiten mit Rindern ausführen
oder Prüfungen in der Bahn absolvieren -, wusste ich sofort, dass
dies etwas für mich und mein Pferd ist", erinnert sich der
Profireiter. Eigens für diesen Cup ließ Gräber außer
der EM alle weiteren AQHA-Shows in diesem Jahr ausfallen: "Ich
möchte mein Pferd auch auf Turnieren motivieren und dafür
sind diese Prüfungen hier optimal geeignet."
Wieso eine neue Turnier-Disziplin?
Spezialisiert auf ein Gebiet. Der Beste in seinem Fach sein - darauf
sind die heutigen Show- und Zuchtbestimmungen abgestimmt. Um aber den
zahlreichen Reitern eine Plattform zu geben, die gerne den Allrounder
und nicht den Spezialisten fördern oder vorstellen möchten,
hat sich eine Gruppe Ranchhorse-Interessierter zusammengetan und diese
neue Show ins Leben gerufen. „Wir beabsichtigen gut ausgebildete
Allroundpferde wieder in den Vordergrund zu rücken. Die Mehrzahl
aller Reiter in Deutschland suchen zuverlässige, gesunde Gebrauchspferde,
die bequem zum Reiten und gut im Umgang sind“, beschreibt Bernd
Stephan, Mitbegründer der Ranch Community, die Nachfrage. „Dieser
Pferdetyp ist durch die Spezialisierung im Turniersport etwas verloren
gegangen. Mit den Versatility Ranch Horse Competitions schaffen wir
eine Balance zwischen Turnier-, Ranch- und Freizeitreiten. Alle drei
lassen sich hier vereinen.“
Mike Schumann (Clearwater Ranch), Bernd Stephan (BS Quarter Horses),
Sabine König (Platzhof Ranch) und Olaf Gajewski (Horsemens Residence)
haben sich zusammengetan und den diesjährigen Cup mit fünf
Etappen veranstaltet. Das Finale, das im September auf Horsemens Residence
in Eschwege stattfand (Ergebnisse unter www.ranchcommunity.de), gewann
Gräber mit Col Awesome Socks vor Bryce Hall mit River Ace und Olaf
Gajewski auf Just A Little Catalyst.
Vielseitigkeit für das vielseitigste Pferd der Welt
Ob Reining, Cutting, Pleasure, Hunter oder Trail - wird ein Pferd nur
auf eine Disziplin hin gezüchtet oder trainiert, kann man nicht
unbedingt von Vielseitigkeit sprechen. Nimmt man die 'vielseitigste
Pferderassse’, unter dem Motto Quarter Horses ja vermarktet werden,
etwas genauer unter die Lupe, fragt man sich vielleicht, wie vielseitig
manche Exemplare wirklich sind. In den Augen von Gräber, ist das
Reiten einer Ranch Horse Versatility deshalb eine großartige Möglichkeit,
den Verstand und die körperliche Fitness der Pferde zu fördern:
„Jedes Turnierpferd könnte von diesen Aufgaben profitieren:
Die Ausbildung eines Ranch-Pferdes ist abwechslungsreich, es muss mitdenken,
bleibt dadurch mental motiviert und wird zudem geschickter in seinen
körperlichen Abläufen.“ Jörg Pasternak, der im
Cutting auf Horsemens Residence 'The Smartest Mediciane’ vorstellte,
hält dieses junge Event für förderlich: „Für
Reiter, die nicht nur speziell auf eine Disziplin trainieren möchten,
ist dies das optimale Turnier. Hier sind Allrounder gefragt, 'Fachidioten’
kommen hier nicht weiter“.
Spaß und Wettkampf - hier gibt’s beides
Der Natur-Trail in Eschwege ist als erstes zu bewältigen. Die Teilnehmer
warten auf ihre Startzeiten und AQHA-Richter Boogaerts erläutert,
worauf es ankommt: „Wenn das Pferd beim Trail verladen werden
soll, ist es gleich, wie der Besitzer das macht. Hauptsache ist, dass
der Reiter es auf dem Weg ausführt, auf dem es das Pferd am besten
kann - geführt oder gefahren. Effektivität ist gefragt. Kein
(imaginäres) Rind sollte durch das Tor schlüpfen, am Wassergraben
kann das Pferd aufmerksam schauen wo es hintritt - abgestumpftes 'Latschen‘
ist unerwünscht.
Für den holländischen Turnierreiter Emil Paulssen ist dieses
Event das Sahnehäubchen: „Die Prüfungen der Versatility
Ranch Horse Competition ergeben für Reiter und Pferd einen Sinn.
Man geht irgendwo hin, um etwas zu erledigen. Man reitet nicht einfach
im Kreis umher. Und das macht einen großen Unterschied.“
Auch Einsteiger kamen auf dieser Show auf Ihre Kosten: „Es macht
einfach jede Menge Spaß, zu sehen, wie weit man sich mit seinem
Pferd von Event zu Event verbessert“, beschreibt der Berliner
Michael Neubert seine Erfahrungen. „Auf diesen Turnieren steht
die Arbeit mit dem Pferd im Vordergrund und das ist für mich eines
der wichtigsten Voraussetzungen, um an einem Wettkampf interessiert
zu sein.“
Hoher Anspruch, wenig Ausbilder?
Das Ranch-Pferd muss auf mehr als nur einem Gebiet geschult werden.
"Es soll ein guter Allrounder sein, der guckt, handelt, dem Reiter
zuhört und seinen Körper facettenreich einsetzt", beschreibt
der Richter das Ranchpferd. Ausbilder Gajewski sieht darin eine gute
Chance, Sportpferde zu motivieren. "Würde ich Jahr für
Jahr die gleichen Lektionen für die gleichen Prüfungen trainieren,
würde ich auch sauer werden. Viele Pferde haben mehr Potential
als wir ihnen zugestehen. Durch das Ranch Horse-Training bleibt es interessiert
und Reiter und Pferd haben dadurch mehr Chancen im Wettkampf. Dies kann
langfristig aber nur dann funktionieren, wenn mein Pferd und ich eine
echte Partnerschaft bilden. Für mich ist das der schönste
Gesichtspunkt dieser Disziplin und auch der höchste Anspruch.“
Das die junge Disziplin von 2004 auf 2005 schon Fortschritte gemacht
hat, erkannte Gräber auf den Shows: "Ich habe die Shows im
letzten Jahr gesehen und bin positiv überrascht davon, dass die
Qualität der Ritte in 2005 erheblich gestiegen ist.“
Wo der Versatility Ranch Horse-Einsteiger aber nun seine handwerklichen
Fähigkeiten auf dem Ranchgebiet aufbessern kann, ist für Gräber
nicht so leicht zu beantworten: "In Deutschland gibt es nicht allzu
viele Ranch-Ausbilder, die adäquat bei der Ausbildung eines Allround-Pferdes
helfen können. Vor allem Lehrer im Roping sind rar. Da sehe ich
noch kleine Hürden, die es zu überwinden gilt. Einige Kurse,
auch von amerikanischen Altmeistern, sind allerdings in Deutschland
schon im Angebot.“.
Hürden zu überwinden sollte für die Crew der Versatility
Ranch Horse-Events kein Problem sein. Denn eines hat die neue Disziplin
zur Stärkung im Rücken: Zahlreiche interessierte Reiter, die
schon fleißig im Sattel sitzen und üben, um im nächsten
Jahr auf den verschiedenen Versatility Ranch Horse-Turnieren zu punkten.
Regeln
& Prüfungen
Folgende Klassen sind in den Ranch Horse Competitions ausgeschrieben:
1. Ranchcutting: ein Reiter sondert ein bestimmtes
Rind aus der Herde aus und treibt es in einen Pferch.
2. Working Ranch Horse besteht aus drei Elementen:
der Drywork (entspricht einer Reining-Pattern), dem Kontrollieren eines
einzelnen Rindes und dem Einfangen eines Rindes mit dem Lasso
3. Ranchtrail: der Parcour ist an die Rancharbeit angelehnt,
Ruhe und Gelassenheit sind gefordert
4. Ranch Riding, in der alle Pferde in der Gruppe unter
dem Reiter vorgestellt werden
5. Ranch Conformation-Klasse: Exterieur und Bemuskelung
der Pferde werden beurteilt.
Bei dem diesjährigen Cup waren alle Pferderassen startberechtigt,
Quarter und Paint Horses erhielten Platzierungspunkte im jeweiligen
Zuchtverband (AQHA/APHA approved). Das Ropen in der Working Ranch Horse-Prüfung
kann auch durch ein ‚Zirkeln des Rindes’ ersetzt werden.
Zukunftsmusik:
Ranch Horse Versatility 2006
Ein erfolgreicher Cup mit fünf Turnieren ist in diesem Jahr zu
Ende gegangen, ein weiterer ist für das Jahr 2006 geplant.
Die genauen Termine werden sobald als möglich unter www.ranchcommunity.de
bekannt gegeben.
• Infos: Ranch Horse Versatility Competition,
www.ranchcommunity.de, Bernd
Stephan, www.bs-quarter-horses.de;
Olaf Gajewski, Horsemens Residence, Tel. 05651-2417, www.horsemens-residence.de
Versatility
Ranch Horse COMPETITIONS
10.06.-11.06.2006
in Herleshausen-Archfeld (Hessen)
12.08.-13.08.2006
in Wünschendorf (Thüringen)
ISARO Hill Ranch Rolf Trommer
Versatility
Ranch Horse CUP
01.07.-02.07.2006 in Wenden (Niedersachsen)
Circle L Ranch Info: Circle L Ranch, 05026/394
22.07.-23.07.2006
in Eschwege (Hessen)
Horsemens Residence Olaf Gajewski
26.08.-27.08.2006
in Kallmerode (Thüringen)
Bauernmarkt 2006 Bernd Stephan
09.09.-10.09.2006
inNümbrecht
Petra Roth Leckebusch
Text & Fotos © Rika Schneider
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Gastgeber Olaf Gajewski
und Just A Little
Catalyst im Trail
Col Awesome Socks
beim Zirkeln des Rindes

Bryce Hall in
der Working Ranch
Horse-Prüfung

Col Awesome Socks
im Naturtrail
unter Dr. Matthias Gräber

In der Ranch
Riding werden alle Pferde
auf einmal in der Arena vorgestellt
Verschnaufpause
vor der Siegerehrung
Olaf Gajewksi,
Inhaber von Horsemens Residence, in der Working Ranch Horse-Klasse
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