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Tipp
von Manolo Oliva:
Pferd reagiert über auf den Schenkel - ist es zu senibel?
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"Tanz mit dem Glas" Viele Reiter - vor allem im Western- und Freizeitbereich - reiten mit langen Zügeln und wenig Bein. Dieses Ziel ist ja nicht verkehrt, nur hapert es oft an der vorbereitenden Ausbildung des Pferdes sowie an den individuellen reiterlichen Fähigkeiten. Ein Pferd, das permanent leichten Kontakt zum Reiter hat, kann sich besser daran orientieren als eines, das gar keinen Kontakt hat und plötzlich und unvorbereitet mit den Schenkel oder Zügel überrascht wird. Ein loser Zügel oder ein kaum anliegendes Bein ist nicht unbedingt sanft - das Gegenteil ist oft der Fall. Testen Sie einmal folgendes: o Nehmen Sie ein Glas, stellen Sie es auf den Tisch. Es stellt den ganzen Körper, den Rumpf des Pferdes dar. o Halten Sie mit Abstand Ihre Finger rechts und links neben dem Glas - sie symbolisieren Ihre Schenkel und haben keinen Kontakt mit dem Glas. Tippen Sie nun mit den rechten Fingern gegen das Glas, um dieses nach links weichen zu lassen. Sie werden sehen, es tippt kurz, fällt aber wieder nach rechts zurück. Es lässt sich nur schwer und ruckartig verschieben und erzeugt Gegendruck. Legen Sie nun beide Hände an das Glas, Ihre Schenkel (Finger) umschließen sanft den Rumpf des Glases. Sie stehen immer in Kontakt mit dem Glas, verschieben es von rechts nach links, weich und gleichmäßig. Eingerahmt - nicht eingeklemmt - lässt sich das Glas führen, von rechts nach links. Es ähnelt einem Tanz. Mein reiterliches Ziel ist es, das Pferd mit so wenig Druck und so wenig Schenkelhilfe wie möglich zu reiten, dennoch ist der körperliche Kontakt, der Austausch von Gefühlen, immer präsent. Um dies zu erreichen, ist ein unabhängiger Reitersitz und ein Gefühl für die Dosierung der Hilfen des Reiters unabdingbar. Und dieses muss sich der Reiter selbst erarbeiten. Sitzschulungen an der Longe, Reitunterricht bei einem Ausbilder, der auch die Psyche des Pferdes beachtet, und viele Stunden im Sattel machen dem Reiter das Gefühl für die Bewegungen und den Rhythmus des Pferdes deutlicher. Das was in der Praxis in vielen Reitlehren missachtet wird und was meiner Meinung nach oft zu wenig - oder sogar gar nicht - berücksichtigt wird, ist der individuelle Charakter des Pferdes. Bekomme ich ein neues Pferd, erfühle ich erst einmal wie es ihm geht. Was für ein Typ ist er, was braucht er, um sich sicher zu fühlen? Trainiert man Pferde nur über äußerliche, körperliche Rahmenbedingungen, missachtet man ihren Charakter und versucht sie in ein System zu pressen, wird es früher oder später zu Schwierigkeiten kommen. Denn ein System kann nie jedem Pferdetypen gerecht werden. Ich schaue mir also erst einmal den Charakter des Pferdes an, respektiere diesen und arbeite dann mit dem Pferd so wie es das benötigt. Das sensibles Pferd reite ich mit permanentem leichten Schenkelkontakt, der auch nach der Hilfengebung bestehen bleibt. Es soll lernen, dem Schenkel zu vertrauen. Rennt es zu beginnt schneller nach vorne weg, bleiben meine Beine dennoch leicht am Pferde, da es sonst lernt, das Schenkelanlegen losrennen heißt. Das wäre das Gegenteil von dem was ich wünsche. Rennt mein Pferd also los, reiße ich nicht an den Zügeln, sondern fange es weich vorne mit den Zügeln und mit meinem Sitz ein, bis es ruhiger wird und merkt, dass der leichte Schenkelkontakt keine Schmerzen oder keinen negativen Druck verursacht. Ich halte nicht viel davon, die Pferde zu desensibilisieren, damit sie von Ihren Besitzern dementsprechend geritten werden können. Ich empfehle dem Reiter, seine Fähigkeiten im Sattel soweit zu verbessern, dass er sein Pferd mit entsprechend feinen Hilfen reiten kann. Zwei Spalten Tipps können bei Ihnen keine Wunder verbringen - das Ergebnis Ihrer reiterlichen Arbeit liegt ganz allein an Ihrem Einsatz. |
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