Dr. Schöning: Warum Pferde Pfützen meiden

Nur selten sind sehr unangenehme Erfahrungen (Stolpern oder Sturz) im direkten Zusammenhang mit dem Scheuen vor fließenden Gewässern die Ursache. Sehr viel öfter sind meiner Meinung nach Pferde durch bestimmte Eigenschaften des fließenden Wassers vorab verunsichert oder verängstigt und möchten darum nicht hindurch gehen.

Wenn nun aus dem Sattel oder mit dem Führzügel vom Boden aus Druck gemacht wird, damit das Pferd endlich hindurch oder hinein geht, wird diese Unsicherheit oder Angst nur verstärkt und bestätigt. Es wird Stress erzeugt und selbst wenn dass Pferd sich vielleicht doch irgendwann dem Druck beugt und hindurch geht, wird es durch den Lerneffekt beim nächsten Kontakt mit fließendem Wasser noch stärker verunsichert und gestresst sein - das Problem kann sich so aufschaukeln.

Ein sensibles Pferd kann schon nur von dem Flussgeräusch verunsichert sein. Zumeist ist es aber der optische Eindruck, der Probleme bereitet.

Das Pferd kann nicht erkennen, wie tief das Wasser ist, an der Oberfläche reflektiert das Licht, das das Pferd irritieren kann, besonders, wenn es durch das fließende Wasser flimmert. Dazu kommt eventuell ein irritierender Geruch, den wir Menschen unter Umständen gar nicht wahrnehmen. Insgesamt wird dem Pferd so signalisiert "hier droht Gefahr". Es wird sich entsprechend verhalten.

Vorbeugen kann man solchen Problemen, indem man Fohlen schon ganz frühzeitig an den Anblick und weiteren Kontakt mit fließendem Wasser gewöhnt.


Text & Foto: Schneider I Horses In Media

Artikel Dr. Schöning

Infos: Dr. Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz Dr.B.Schoening@t-online.de Saselbergweg 32 I 22395 Hamburg