Myopathie - tödliche Weide-Krankheit


Die atypische Myopathie, auch atypische Myoglobinurie der Weidepferde genannt, gehört zu den Muskelerkrankungen. Betroffen sind Weidepferde in Weidehaltung und die Krankheit tritt typischerweise im Herbst auf, insbesondere nach einem plötzlichen Kälteeinbruch. Die Krankheit verläuft meist tödlich.

Typische Anzeichen sind: Steifheit und Muskelzittern, die Pferde kommen meist innerhalb eines Tages zum Festliegen, es kommen auch plötzliche Todesfälle vor. Die Laboruntersuchung des Blutes ergibt eine Bluteindickung (Hämokonzentration), erhöhte Leukozytenzahl, hochgradige Erhöhung der Muskelwerte CK und GOT. Oft kann Harn gar nicht abgesetzt werden, oder aber ist blutig-rot.

Es steht keineswegs fest, ob überhaupt ein Erreger Auslöser ist, im Gegenteil wird mit zunehmender Forschung ein Erreger (zum Beispiel Virus) eher unwahrscheinlicher. Die Ursache ist noch nicht ausreichend erforscht. Möglicherweise kommt es im Herbst, mit typischerweise vermehrten Regenphasen in dieser Jahreszeit, bei Kälteeinbruch (dies bedeutet Stress für die Pflanzen) zu vermehrter Mykotoxinbildung, beziehungsweise bakteriell bedingtem Toxin auf dem Gras.

Die tierärztliche Behandlung wird Entzündungshemmung, zum Beispiel mit Schmerzmitteln wie Equipalazone, vermehrte Durchblutung der Muskulatur und je nach Lage noch Infusionen zum Schutz der Nieren umfassen. Was für Sie als Tierhalter jedoch interessanter sein dürfte, ist die Vorbeugung: Jede Therapie sollte eigentlich als erstes Ziel das Abstellen der Ursache sein. Eine ausgewogene Mineralstoff-, Vitamin- und Spurenelementversorgung mit ausreichender Vitamin-E- und Selenversorgung, ausreichendes Angebot von Heu (insgesamt in der Fütterung) und insbesondere auch vor dem Weidegang. Gute Weidepflege - überständiges Gras vermeiden -, regelmäßige Bewegung, Stressvermeidung und sicherheitshalber eine Kohlenhydratreduzierte Fütterung (kaum oder kein Getreide füttern, dagegen Fett als Energiequelle, sofern Beifütterung zum Heu und Weide nötig, nutzen).

Im Jahr 1995 gab es allein hier in Deutschland weit über 100 Fälle, letztes Jahr waren es meinem Kenntnisstand nach ‚nur' rund 70 Pferde europaweit und in diesem Jahr kenne ich noch keine aktuellen Zahlen.

Text: Schneider / 2006

 


Fotos & Text: Schneider I Horses In Media

Dr. Dorothee Meyer I Tierärztin und Fütterungsexpertin I Firma iwest iwest@iwest.de